Dortmunder Polizei ermittelt nach Demo gegen Neonazis

Bei einem Aufmarsch in Dortmund trafen rund 490 Rechtsradikale auf breiten Protest.
Bei einem Aufmarsch in Dortmund trafen rund 490 Rechtsradikale auf breiten Protest.
Foto: Volker Hartmann (WAZ FotoPool)
Nach den Neonazi-Demos in Dortmund ziehen Polizei und Nazi-Gegner weitgehend positiv Bilanz. Allerdings gab es sowohl auf Seiten der Rechten wie auch bei den Nazi-Gegnern Ausfälle. Eine Gruppe Linker attackierte laut Polizei einige Pferde der Reiterstaffel. Auch gegen Neonazis werde ermittelt.

Dortmund.. Zwei Tage war das beschauliche Dortmund-Westerfilde Schauplatz von Neonazi-Aufmärschen. Gegner der Rechtsradikalen protestierten an beiden Tagen lautstark, aber überwiegend friedlich gegen die Rechten. Beim großen Aufmarsch konnten Gegendemonstanten mit Blockaden Erfolge verbuchen. Doch es gab auch unschöne Szenen.

"Abgesehen von einigen wenigen Chaoten verlief der Protest gegen die Versammlung der Rechten weitgehend friedlich", sagte Polizeieinsatzleiter Peter Monien. "Mülltonnen anzuzünden und Polizeibeamte zu attackieren sind jedoch keine Mittel eines friedlichen Protestes", heißt es in einer Mitteilung der Polizei.

Vermummte setzten Mülltonnen in Brand

Am Morgen des 1. Mai hatten laut Polizei vermummte Linksextremisten Mülltonnen an der Speckestraße angezündet. Die Polizei habe das Feuer löschen können, Personen seien nicht zu Schaden gekommen, heißt es in einer Polizeimitteilung. Im weiteren Tagesverlauf versuchte eine größere Gruppe Linksautonomer über einen Acker zu einer bestehenden Sitzblockade auf der Haberlandstraße zu gelangen. Die Beamten drängten die Autonomen mit Pfefferspray und Schlagstöcken ab. Der Vorfall dauerte insgesamt nur wenige Minuten und stand bei weitem nicht sinnbildlich für den sonstigen Verlauf des Demo-Tages. "Es gab nur eine Ingewahrsamnahme" so Polizeisprecher Kim Freigang.

Denn Polizei und Neonazi-Gegner zeigten sich sehr besonnen. Auf dem Bahnsteig am S-Bahn-Haltepunkt Westerfilde sammelten sich rund 300 linke Gegendemonstranten zu einer Spontandemonstration. Die Bundespolizei ließ — offiziell, um zu verhindern, dass Blockierer auf die Gleise gelangen — eine leere S-Bahn am Bahnsteig stehen und sperrte die Bahnstrecke in beide Richtungen. Dadurch wurde die Anfahrt der Rechtsextremen um Stunden verzögert. Die Demonstranten auf dem Bahnsteig verhielten sich friedlich.

Polizeipräsident freut sich über Protest gegen Rechts

Polizeipräsident Gregor Lange machte ich vor Ort ein Bild von der Situation. "Ich freue mich über die vielfältigen Formen des Protests gegen Rechts", so Lange. Der Polizeipräsident hatte im Vorfeld des Aufmarsches angekündigt, den Rechten nur das zuzugestehen, was rechtlich nötig sei — "keinen Milimeter mehr". Der Polizei, so Sprecher Freigang, sei genau das gelungen. Am Vorabend der Maidemo hatte die Polizei denn auch eine rechte Standkundgebung abgebrochen, nachdem dort ausländerfeindliche Parolen skandiert worden waren.

Ganz so konsequent war die Polizei am Abend des 1. Mai nicht. Ein Neonazi traf beim Versuch, eine Flasche auf einen Gegendemonstranten zu werfen, einen Polizisten. Gegen Ende des Aufmarschs gab es ähnliche Parolen wie am Abend zuvor. Außerdem beleidigten Teilnehmer des Neonazi-Aufmarschs Bürger, die am Straßenrand protestierten. Die Polizei will nach der Beweissicherung, also unter anderem der Sichtung von Videomaterial, Ermittlungen gegen die rechten Pöbler einleiten. Polizeipräsident Lange: "Es ist nicht hinnehmbar, wenn Mitbürger, die seit Jahren in unserem Land und unserer Stadt leben, beleidigt und eingeschüchtert werden.

 
 

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