Dortmunder NPD-Ratsmitglied muss für Kopfnuss zahlen

NPD-Ratsmitglied Axel Thieme mit seinem Rechtsanwalt Gerwald Stanko.
NPD-Ratsmitglied Axel Thieme mit seinem Rechtsanwalt Gerwald Stanko.
Foto: Ralf Rottmann
NPD-Ratsvertreter Axel Thieme muss wegen Körperverletzung 1200 Euro Geldstrafe zahlen: Dieses Urteil, hat das Landgericht am Mittwoch bestätigt. Der 62-Jährige hatte einem Studenten eine Kopfnuss verpasst und ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen.

Dortmund. „Ich bin sprachlos.“ Diesen Satz sagte NPD-Ratsmitglied Axel Thieme in seinem „letzten Wort“ gleich drei Mal, noch bevor seine Niederlage vor Gericht amtlich wurde: Die 45. Strafkammer des Landgerichtes verwarf seine Berufung, damit muss der 62-Jährige jetzt 1200 Euro Geldstrafe wegen Körperverletzung zahlen.

Nach Überzeugung des Gerichtes hatte Axel Thieme am Abend des 29. August 2009 in der Bahnhofshalle einem Studenten eine Kopfnuss versetzt und ihn dann mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Die Brille des 33-Jährigen wurde dabei beschädigt, durch die Splitter erlitt er Hautverletzungen. Ärzte stellten „Verdacht auf Gehirnerschütterung“ fest. Thiemes Erklärung: „Ich habe mich gewehrt, aber niemanden angegriffen.“

Studenten mit der Faust ins Gesicht geschlagen

Der 29. August 2009, das war nicht nur der Samstag vor der Kommunalwahl. An diesem Tag trafen sich auch viele Lesben und Schwule in der Stadt, um den „Christopher Street Day“ zu feiern – darunter auch der Student. Ihm verging jedoch die gute Laune, als er am Rande des Straßenfestes in der Nähe der Reinoldikirche Folgendes sah: „Da verteilten drei Männer NPD-Flugblätter, ich habe mich dadurch provoziert gefühlt.“ Um die NPD’ler „zu beobachten“, wie er erzählte, habe er per Telefon schnell seine Freunde zusammengetrommelt. Mit etwa sieben Leuten habe man Thieme und seine zwei rechten Gesinnungsgenossen begleitet – bis zum Bahnhof.

Organisation „Back up“ beobachtete erstmalig Gerichtsprozess

Der NPD-Ratsvertreter will sich dadurch bedroht gefühlt haben, der Vorsitzende Richter Meinhard Northoff sah das anders: „Es ist nicht auszuschließen, dass die Gruppe nerven wollte, was ihr auch gelungen ist. Dann ist dem Angeklagten der Geduldsfaden gerissen.“

In der Bahnhofshalle, so war das Gericht überzeugt, machte Axel Thieme dann kurzen Prozess. Der 62-Jährige stellte die Körperverletzung als eine Art Missgeschick bei der Rangelei dar: „Ich wurde von hinten geschubst, wir sind dann mit den Köpfen aneinander gestoßen.“

Erstmalig seit Bestehen ihrer Organisation beobachteten auch Vertreter von „Back up“, der ersten Beratungsstelle für Opfer rechtsextremer Gewalt in NRW, einen Gerichtsprozess: „Wir sind hier zur Begleitung und Unterstützung“, erklärte eine junge Frau am Rande des Verfahrens.

 
 

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