Dortmunder Neonazis bei Hooligan-Randale in Köln

Peter Bandermann, Oliver Koch
Bei den Krawallen von Fußball-Hooligans und Rechtsextremisten mit 44 verletzten Polizisten am Sonntag in Köln waren auch Dortmunder unter den Demonstranten. Deren Allianz zeichnete sich schon am 28. September 2014 ab.

DORTMUND/KÖLN. Dass führende Dortmunder Neonazis bei der Randale-Veranstaltung in Köln mit von der Partie waren, zeigt ein bei Twitter verbreitetes Bild. Es zeigt Siegfried Borchardt, der für die Neonazi-Partei "Die Rechte" kurzzeitig im Stadtrat saß und weiterhin Mitglied der Bezirksvertretung Innenstadt-Nord ist.

Die Rückreise der Dortmunder Neonazi-Hooligansaus Köln drohte zeitlich mit der Abreise von Hansa-Rostock-Fans aus Dortmund zusammenzufallen. Um die Lage im Griff zu behalten,forderte die Bundespolizei Dortmund Verstärkungskräfte an. Diese wurden mit zwei Hubschraubern aus Duderstadt eingeflogen. Um kurz vor 19 Uhr landeten die Hubschrauber in der Nordstadt. Letztlich wurden die Kräfte nicht benötigt, die Hansa-Fans waren bereits abgereist, als die Rückkehrer aus Köln.


Das Treffen in Dortmund


Auf der Katharinenstraße in der Innenstadt versammelten sich an jenem Sonntagnachmittag mehrere hundert sonst verfeindete Fußball-Hooligans, die dem Aufruf zu einem "Kennernlernen"-Treffen folgten. Zu den Wortführern zählte auch ein Mitglied der rechtspopulistischen Partei "Pro NRW".
Schon damals mischte sich der Führungskader der rechtsextremen Partei "Die Rechte" aus Dortmund unter die Demonstranten, die gegen Salafisten auf die Straße gehen wollten. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Salafismus in Deutschland gab es nicht. Stattdessen waren deutschnationale Parolen und Sprechchöre zu hören.


In einer Lautsprecherdurchsage gaben die Veranstalter vor, keine Neonazis zu sein. Die Neonazis unter ihnen waren allerdings willkommene Gäste. Eindrücke von dem Vortreffen zeigt der Videofilm in diesem Artikel: Das Kennenlernern-Treffen in Dortmund war ein Test: Die Hooligans-Szene wollte erproben, ob sie ihre Anhänger mobilisieren kann. In Köln gingen mehrere tausend Hooligans und Rechtsextremisten auf die Straße. Auf ihren Internetseiten rechtfertigen Dortmunder Neonazis die Gewalt gegen die Polizei als "Selbstschutz". In nationalsozialistischer Tradition sprechen die Dortmunder Rechtsextremisten von einer "deutschen Volksfront".


Polizei hatte Dortmunder im Blick


"Wir hatten die Dortmunder am Sonntag im Blick und unterstützen die Kölner Polizei bei den Ermittlungen", berichtete die Dortmunder Polizeisprecherin Amanda Kolbe am Montagvormittag. Die Ereignisse der Polizei in Köln sind wichtig für die Beurteilung von künftigen "HoGeSa"-Aktionen (HoGeSa = Hooligans gegen Salafisten). Angesichts der massiven Gewalttaten von Demonstranten sind Demo-Verbote nicht auszuschließen. Eine Prognose kann aktuell niemand abgeben.