Dortmunder Neonazi Sven K. nach Angriff auf Türken in U-Haft

Nach einem Angriff auf zwei junge Türken auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt am Samstagabend sitzt der wegen Totschlags vorbestrafte Neonazi Sven K. wieder in U-Haft.
Nach einem Angriff auf zwei junge Türken auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt am Samstagabend sitzt der wegen Totschlags vorbestrafte Neonazi Sven K. wieder in U-Haft.
Foto: Dirk Bauer/WAZ FotoPool
Bei einem Angriff einer Gruppe mutmaßlicher Neonazis sind am Samstagabend auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt zwei junge Türken verletzt worden. Die Polizei konnte bislang nur einen der Täter fassen - einen alten Bekannten: Sven K., der bereits wegen Totschlags verurteilt wurde. Er sitzt in U-Haft.

Dortmund.. Wer sich mit der rechten Szene in Dortmund befasst, stößt früher oder später auf einen Namen: Sven K., bekannter Neonazi und verurteilter Totschläger. Vor etwas mehr als einem Jahr ist der heute 24-Jährige vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden - nun sitzt er wieder in U-Haft. K. soll am Samstagabend mit vier bis fünf weiteren Männern zwei 16- und 17-Jährige auf dem Weihnachtsmarkt Dortmund angegriffen haben.

Die jungen Männer mit türkischen Wurzeln seien gegen 22.30 Uhr in der Nähe der Reinoldikirche auf die Gruppe der Männer getroffen, die aufgrund ihrer Kleidung offensichtlich der Neonazi-Szene zuzuordnen waren, berichtete die Polizei. Die Rechten hätten die Jugendlichen angegriffen, sollen sie sogar noch dann mit Tritten und Schlägen traktiert haben, als diese schon am Boden lagen. Es gehe den beiden Opfern "den Umständen entsprechend", sagt die ermittelnde Oberstaatsanwältin Ina Holznagel am Montagmorgen. Sie hätten ambulant im Krankenhaus behandelt werden müssen und "erhebliche Blessuren" davongetragen.

Verurteilt wegen Totschlags

Die meisten Angreifer konnten nach der Tat unerkannt flüchten - einen aber stellte das Sicherheitspersonal des Weihnachtsmarktes und übergab ihn der Polizei. Oberstaatsanwältin Holznagel bestätigte im Gespräch mit DerWesten, dass es sich bei dem 24-Jährigen um Sven K. handelt. Am Sonntag erging Haftbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung gegen ihn.

Sven K. war im November 2005 vom Landgericht Dortmund wegen Totschlags zu sieben Jahren Jugendstrafe verurteilt worden - er war damals gerade 18 Jahre alt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass K. am Ostermontag desselben Jahres, dem 28. März, den Punker "Schmuddel" in einer U-Bahn-Station erstochen hatte. Im September 2010 wurde K. vorzeitig aus der Haft entlassen. Von der rechten Szene hat er sich in der Zwischenzeit offensichtlich nicht gelöst - noch immer pflegt der 24-Jährige Kontakte zu einschlägigen "Kameradschaften". Im Dezember 2010 soll K. an einem Überfall auf die linke Szenekneipe "Hirsch-Q" im Dortmunder Brückviertel beteiligt gewesen sein.

Die vier bis fünf Mittäter vom Überfall am Samstagabend sind noch flüchtig, berichtete Oberstaatsanwältin Ina Holznagel. Die Ermittlungen laufen - die Polizei bittet weiter mögliche Zeugen dringend um Hinweise. Wer die Auseinandersetzung nahe der Reinoldikirche beobachtet hat, kann sich unter der Rufnummer 0231/1327441 melden. (shu)

 
 

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