Dortmunder Moslems setzen Zeichen für Vertrauen

Es ist ein ganz einfaches Zeichen für Frieden und gegenseitiges Vertrauen, das gerade um die Welt geht. Am Mittwochnachmittag hat sich ein Dortmunder Moslem mit verbundenen Augen auf den Westenhellweg gestellt und die Menschen eingeladen, ihn zu umarmen. Wir haben die Aktion im Video festgehalten.

Dortmund. Hakan Sevim hat sie an diesem Nachmittag alle im Arm: Junge, Alte, Moderne, Konservative, Babys, Ausländer, Deutsche, Moslems, Christen, Juden. Eben alle, die in Dortmund zusammenleben. Und deren Zusammenhalt gerade durch die Ereignisse in der Welt gerade geprüft wird.

Viele umarmen ihn herzlich, loben die Aktion. Manche Umarmungen dauern länger: Es ist manchen Menschen scheinbar ein Bedürfnis, diese kleine Geste der Solidarität ist es ein Bedürfnis, das eigentlich selbstverständliche Miteinander. Angst und Ablehnung kommen vor. Negative Reaktionen bleiben aber die Ausnahme.

Zwei Videos vom Westenhellweg:

Hugs for Peace Dortmund. #Dortmund #citylife #westenhellweg

Ein von DoFotoTag (@dofototag) gepostetes Video am 18. Nov 2015 um 8:13 Uhr

Hugs for Peace Dortmund. #Dortmund #citylife #westenhellweg

Ein von DoFotoTag (@dofototag) gepostetes Video am 18. Nov 2015 um 8:13 Uhr

Vorbild ist eine Aktion in Paris

Hakan Sevim ist 27, in Castrop-Rauxel geboren, lebt im Dortmunder Stadtteil Westerfilde. Gemeinsam mit einigen seiner Freunde aus dem Dortmunder Westen ist er auf den Westenhellweg gekommen, um etwas zu bewegen. In einer Art und Weise, die sich als Reaktion auf die Charlie-Hebdo-Attentate entwickelt und zuletzt immer weiter verbreitet hat. Am Dienstag gab es eine vergleichbare Aktion in Paris.

Hakan wartet mit verbundenen Augen und ausgebreiteten Armen in der Mitte des Fußgänger-Boulevards. Die Botschaft steht auf zwei selbst gemalten Papptafeln. "Ich vertraue dir. Vertraust du mir? Wenn ja, umarme mich", steht auf der einen. Die Diagnose, warum er so eine Aktion für nötig hält, auf der anderen: "Ich bin Moslem. Manche nennen mich Terrorist."

Denn in den Tagen nach den Attentaten war es für Hakan und seine Freunde wieder besonders spürbar, diese Distanz an der Grenze zur Angst, mit dem viele Menschen ihnen begegnen. Nur, weil sie dunkle Haare haben, Bärte tragen, Moslems sind. "Dabei sind wir Dortmunder Jungs, machen zusammen Musik, sind hier groß geworden."

Junge Dortmunder wollen keine Feinbilder sein

"So etwas tut im Herzen weh", sagt Mazlum Oktay, einer der Freunde, die das Ganze filmen. "Wir spüren es stark, dass wir durch den IS zum Feindbild werden. Dabei sind das Menschen, die sich verloren haben. Die Unmenschliches machen." Sich auf diese Weise von den IS-Taten zu distanzieren, sei wichtig. "Würden das mehr Moslems machen, würde das die Botschaft stärken", meint er.

Hakan Sevim sagt: "In Dortmund ist so eine Aktion möglich, weil es eine liebevolle Stadt ist." Zumindest für diesen Nachmittag mag man dem uneingeschränkt zustimmen.

Aktualisierung Donnerstag, 11.08 Uhr:

Hakan Sevim hat auf seinem Facebook-Account ein Video von der Aktion auf dem Westenhellweg gepostet. Dazu schrieb er: "DORTMUND! Ich liebe dich aufgrund deiner so herzlichen MENSCHEN!" 180.000 Nutzer haben das Video bislang angesehen, es wurde 3500 Mal geteilt.

Ich bin Muslim und ich vertraue dir.. Vertraust du mir?Blind Muslim Trust Experiment - Germany , Dortmund DORTMUND!...

Posted by Lsw Hakan on Wednesday, 18 November 2015

Felix Guth