Dortmunder haben Probleme mit Internet-Telefonie

Zig Anrufe bei der Hotline, Ausharren in der Warteschleife und immer wieder den gleichen Sermon erzählen diese Erlebnisse teilen alle Betroffenen. Ebenso eint sie, dass sie alle einen IP-basierten Telefonanschluss besitzen. Die Telekom sieht da hingegen keinen Zusammenhang. Eine kleine Auswahl aktueller Fälle.

DORTMUND. Zahnarzt Willy Olfers

Am 4. September berichtete unsere Redaktion von den Problemen der Zahnarztpraxis von Willy Olfers an der Hohen Straße. Seit zwei Wochen war damals die Praxis nicht per Festnetz zu erreichen. Anrufe mussten auf das Handy von Willy Olfers umgeleitet werden. An der Situation hatte sich bis gestern, fast zwei Wochen später, nichts geändert.

"Immerhin haben wir jetzt einen festen Ansprechpartner", ist Tochter Sina Olfers schon für kleine Fortschritte dankbar. Und in den nächsten Tagen solle nach Auskunft der Telekom das Problem endgültig behoben sein. "Ehrlich, wir glauben nicht dran", sagt Sina Olfers. Auf den Artikel in dieser Redaktion habe die Praxis Anrufe von verschiedenen Dortmundern bekommen, die ebenfalls Probleme mit ihrer IP-Anlage haben.

Mittlerweile sei der Ausfall der Telefonanlage "geschäftsschädigend", findet Sina Olfers. Über das Handy ihres Vaters könne immer nur ein Patient anrufen, mit dem Festnetz stünden hingegen drei Leitungen zur Verfügung. Außerdem liefen nicht unerhebliche Handykosten auf, "Ob uns die am Ende die Telekom ersetzt, bleibt abzuwarten", meint Sina Olfers.

Podologin Iris Brügemann

Iris Brügemann wäre schon glücklich, wenn sie überhaupt mal einen festen Ansprechpartner bei der Telekom hätte. Denn immerhin liegt sie seit Dezember 2013 mit dem Konzern im Clinch. Damals hatte sie die Telefonanlage ihrer Podologischen Gemeinschaftspraxis in Kirchhörde auf IP-Telefonie umgestellt. Ergebnis: Zwei Wochen lang war die Praxis per Telefon nicht zu erreichen.

Daraufhin ließ Iris Brüggemann den Auftrag rückabwickeln. Doch seit Dezember 2013 sei der Anschluss nur eingeschränkt zu nutzen. Das zweite Telefon gehe nicht. "Wenn ein Gespräch geführt wird, kann es sein, dass man aus der Leitung fliegt. Der Router muss ständig runtergefahren werden, damit wieder eine vernünftige Leitung da ist."

Trotz mehrmaliger Aufforderung sei bis heute kein Techniker vor Ort gewesen. kritisiert Iris Brüggemann. Dennoch: "Die Telekom weigert sich, unseren Schaden, der durch nicht vergebene Termine zustande kam, zu begleichen." Sie habe sogar um einen Techniker gebeten, den sie selbst bezahlen würde, läge der Fehler bei ihr. "Aber nichts passiert."

Monika Warc aus Brackel

Monika Warc aus Brackel hat sogar eine Excel-Tabelle angelegt, um über die Störungen, deren Meldung und die Reaktion der Telekom den Überblick zu behalten. Auch sie hat einen IP-Anschluss, auch sie hat seit Monaten Probleme mit Festnetz und Internet.

"Die vielen Telefonausfälle verursachen zu den Grundgebühren noch zusätzlich hohe Handy-Kosten", schrieb Monika Warc an die Telekom und bat um eine kulante Entschädigungszahlung. Inzwischen habe ihr die Telekom 20,29 Euro Erstattung angeboten. Dabei habe sie im letzten Jahr 380 Euro an Handygebühren gezahlt, zuzüglich zu den 40 Euro monatlicher Grundgebühr an die Telekom für einen nicht funktionstüchtigen Anschluss.

Leidensgenossin Monica Loß

Eine weitere Leidensgenossin ist Monika Loß. Ende Juli 2014 ist sie von ISDN auf den IP-basierten Anschluss umgestiegen. Seitdem komme es ständig zu Ausfällen. "Ärgerlicherweise bekommen die Menschen, die uns anrufen, die Ansage, dass sie mit der Mailbox verbunden sind, da unser Anschluss besetzt sei. Ganz blöd für meine berufliche Rufdiensttätigkeit im medizinischen Dienst", schreibt uns Monika Loß.

Ein "wirklich sehr netter Außendienstmitarbeiter" habe immerhin festgestellt, dass der Fehler außerhalb des Hauses von Monika Loß liegen müsse. Die schließt daraus, dass die technischen Voraussetzungen für funktionierende IP-Anschlüsse in Dortmund offenbar noch nicht gegeben seien. Was sie überhaupt nicht versteht: Warum muss bei jedem Fall die Fehlersuche komplett neu abgespult und so getan werden, als sei es bei jedem Kunden ein einzelnes,
neu aufgetretenes Problem?

Das sagt die Telekom

Und was sagt die Telekom: "Die IP-Plattform läuft bundesweit stabil", so Peter Kespohl von der Pressestelle. Den individuellen Störungen gehe man noch nach.

Bettina Kiwitt