Dortmunder Benno Elkan gründete FC Bayern mit

Der jüdische Bildhauer Benno Elkan
Der jüdische Bildhauer Benno Elkan
Foto: Knut Vahlensieck
Verrat! Ausgerechnet ein Dortmunder Künstler ist Gründungsmitglied des FC Bayern München, gegen den Borussia heute antritt: Der Bildhauer Benno Elkan war ein Geburtshelfer der Münchner Kicker.

Dortmund.. Ein Dortmunder als Gründervater des FC Bayern? Das hat der Sachbuchautor Dietrich-Schulze Marmeling bei Recherchen zu seinem neuen Buch „Der FC Bayern und seine Juden. Aufstieg und Zerschlagung einer liberalen Fußballkultur“, das im April erscheint, herausgefunden.

Zu Elkans Verteidigung muss man feststellen, dass der BVB noch gar nicht existierte, als der FC 1900 im „Weinhaus Gisela“ aus der Taufe gehoben wurde. „Von den 17 Gründungsmitgliedern war aber kaum einer Bayer“, sagt Schulze-Marmeling: Ein Großteil kam aus Berlin, Freiburg, Leipzig, Bremen oder im Falle Elkans eben aus Dortmund.

In München studiert

Der 1877 geborene Sohn eines jüdischen Schneidermeisters in Dortmund war seit Dezember 1897 in München registriert: Er bereitete sich an der Kunstschule von Walter Thor auf die Prüfung an der Kunstakademie München vor, an der er ab 1898 bei Maler Johann Caspar Herterich studierte. Elkan lebte in der Maxvorstadt und damit im Studentenviertel nahe Schwabing.

„Das passt ins Muster“, sagt Autor Schulze-Marmeling. Zumal Fußball damals eher eine „elitäre Angelegenheit“ war, für die sich „progressive, liberale, über den nationalen Tellerrand schauende Geister“ interessierten. „Der FC Bayern war anfangs so etwas wie ein Weinhaus- oder Kaffeehausverein, wie in Wien. Da kamen Populärkultur und Hochkultur zusammen.“

Vor Nazis geflohen

Sprich: Man kannte sich einfach und machte mit, was gerade anstand. Elkan war auch nicht bei der Gründungsversammlung dabei, sondern gehörte zu jenen Sechsen, deren Unterschriften nachträglich hinzugefügt wurden. Dass der Bildhauer kein glühender FC Bayern-Anhänger war, schließt Schulze-Marmeling auch daraus, dass sein Name weder bei Mannschaftsaufstellungen noch sonstigen Vereinstätigkeiten wieder auftauchte. Elkan verließ München 1901 und hatte fortan offenbar nichts mehr mit dem Verein zu tun: Er machte später in Paris, Rom und nach dem Berufsverbot durch die Nazis in London Karriere, fertigte Bibelleuchten für Westminster Abbey und einen vier Meter großen Leuchter (Menora), der heute vor der Knesset in Jerusalem steht. Zahlreiche Werke auf dem Ostfriedhof erinnern an ihn.

Seine Fußballzuneigung zeigte er noch einmal: Mit einem Kampfhahn, den er für Arsenal London anfertigte.

 
 

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