Dortmunder AfD-Ratsmitglied hat bei Geheim-Chat mitgemischt

Marcus Pretzell, der AfD-Landesvorsitzende in NRW. Er soll getrickst haben bei der Vergabe von Listenplätzen für die Landtagswahl im Mai 2017.
Marcus Pretzell, der AfD-Landesvorsitzende in NRW. Er soll getrickst haben bei der Vergabe von Listenplätzen für die Landtagswahl im Mai 2017.
Foto: dpa
Ein Dortmunder AfD-Politiker hat offenbar per Chat-Gruppe versucht, Einfluss auf die Verteilung der Listenplätze für die NRW-Wahl zu nehmen.

Dortmund.. Geheime Absprachen mit Handy-Nachrichten bei der Listenaufstellung von AfD-Kandidaten für die Landtagswahl im nächsten Mai haben in den letzten Tagen für Wirbel gesorgt. Einer, der in dieser geheimen Whatsapp-Gruppe mitgemischt hat, ist der Dortmunder AfD-Ratsvertreter Peter Bohnhof.

Bei zwei Parteitagen, bei denen die ersten 22 aussichtsreichen Listenplätze auf lukrative Landtagsmandate vergeben wurden, erhielten Parteitagsdelegierte klare Anweisungen zum Wahlverhalten - nachzulesen in einem Chat-Protokoll, das das Magazin "Stern" veröffentlicht hat. Bis zu 40 Rechtspopulisten schlossen sich über ihre Mobiltelefone zusammen und zogen auch über anwesende Parteimitglieder her. Die Rede war von "Vollpfosten" und "Pappnasen".

Möglichst viele Unterstützer in den Saal bringen

Laut "Stern" steht die Whatsapp-Gruppe NRW-Landesparteichef Marcus Pretzell nahe, Lebensgefährte der Bundesvorsitzenden Frauke Petry und AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl. Unter anderem versuchten seine Anhänger, darunter auch Mitglieder des Landesvorstands und der Wahlkommission, vor Abstimmungen mit ihren Chat-Nachrichten möglichst viele ihrer Unterstützer in den Saal zu treiben, vor allem, wenn es für ihre Kandidaten eng wurde.

Das blieb offensichtlich nicht ohne Wirkung. So meldete der Dortmunder Peter Bohnhof: "Kein rechtgläubiger mehr draussen." Beim zweiten Listenparteitag achtete die Gruppe darauf, bei Fragerunden an die Listenplatz-Bewerber die Saalmikrofone zu besetzen. Sie konnte dabei auf vorbereitete Fragen zurückgreifen. Auch Peter Bohnhof drängte es ans Mikrofon: "Wenn Sven nicht direkt vor mir kommt, was ich nicht glaube: Fragen kann ich auch stellen."

Auf Bitte dieser Zeitung um eine Stellungnahme zu den bekannt gewordenen Absprachen erklärte Bohnhof schriftlich: "Dass sich Parteifreunde über Vorgänge der Partei auch über ,neue Kommunikationsformen' wie Whatsapp austauschen, halte ich für normal und nicht für geheime Absprachen. Das ist legal und legitim und wird von allen Seiten so gehandhabt."

Saubere Landesliste?

Allerdings halte er den Austausch in Whatsapp-Gruppen für geheim "und die Weitergabe der Daten von derartigen Chats an Dritte für eine strafbare Handlung". Die Pretzell- und Petry-Gegner in der Bundesspitze der AfD bezweifeln dagegen, dass die Landesliste bis Platz 22 sauber zustande gekommen ist.

Bei einem dritten Listenparteitag am letzten Wochenende in Rheda-Wiedenbrück wurde Peter Bohnhof nicht auf den Kandidatenschild gehoben. Er sei auch nicht als Bewerber angetreten, sagte Bohnhof auf Anfrage. Es wurden nur vier weitere Listenplätze bis Platz 26 vergeben. Der nächste Listenparteitag ist für den 3. und 4. Dezember in Euskirchen geplant. Auf der Vorschlagsliste in Rheda-Wiedenbrück stand Bohnhof auf Platz 37.

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