Dortmund

Dortmund: Zoodirektor erhebt Vorwürfe gegen Besucher: „Gewalt gegen Tiere nimmt zu“

Ziegen im Zoo Dortmund werden immer wieder von Besuchern attackiert, berichtet Zoodirektor Frank Brandstätter.
Ziegen im Zoo Dortmund werden immer wieder von Besuchern attackiert, berichtet Zoodirektor Frank Brandstätter.
Foto: imago/blickwinkel

Dortmund. Es ist ruhig geworden um den Zoo Dortmund. 2015 sorgte eine Serie von Zwischenfällen, bei denen Tiere verstarben, verschwanden und getötet wurden, für Aufregung.

„Dieses Jahr ist bisher noch nichts passiert“, erzählt Zoodirektor Frank Brandstätter. Doch er betont auch: „Die Gewalt gegen Tiere nimmt zu.“ So traten und schlugen Besucher in der Vergangenheit Ziegen im Streichelzoo.

2015: Das düstere Jahr im Zoo Dortmund

Rückblick: 2015 wird zum Seuchenjahr für den Zoo Dortmund. Zuerst tötet der dreijährige Löwenkater Lolek seine Mutter Moreni. Mutter und Sohn waren monatelang voneinander getrennt, da Moreni krankheitsbedingt isoliert werden musste. Bei der Wiedervereinigung griff Lolek seine Mutter direkt an - und tötete sie. Die Tierpfleger konnten nicht mehr rechtzeitig eingreifen. 2018 zog Lolek in einen brasilianischen Zoo um. Seitdem ist das Raubtierhaus löwenfrei.

Der nächste Tiefpunkt: In der Nacht des 10. Augusts brechen Unbekannte in das Amazonashaus ein und stehlen drei Zwergseidenaffen. Ebenfalls nehmen sie zwei Zwergagutis mit. Bei den beiden Affen handelt es sich um das Zuchtpaar des Zoos.

Eine besonders krasse Tat ereignete sich im November desselben Jahres. Seelöwin Holly wurde tot in ihrem Gehege aufgefunden. Die Obduktion der Zoo-Ärztin ergab vier Tage später: Jemand hat auf den Kopf des 21-jährigen Weibchens eingeschlagen, außerdem fehlen ihr drei Zähne. Ein stressbedingter Tod durch Misshandlung, so die Tierärztin, ist nicht auszuschließen.

Das Seuchenjahr schließt mit dem Tod eines Humboldtpinguins ab: Im Dezember wird das Tier mit Verletzungen 200 Meter entfernt von seinem Gehege im Flamingoteich aufgefunden. Von zwei weiteren Pinguinen fehlt jede Spur.

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Zoodirektor: „Die Leute gehen nicht rücksichtsvoll mit den Tieren um“

Heute spricht Zoodirektor Brandstätter von 14 Tieren, die vor 2015 umkamen. Der Zoo installierte einen Wachdienst, kein weiteres Tier verschwand oder verstarb. „Als erstes müssen wir die Tiere beschützen“, weiß Brandstätter.

Denn immer wieder käme es zu Übergriffen, vor allem im Streichelzoo. Er dient eigentlich dazu, dass vor allem junge Besucher ihre Hemmungen abbauen und mit dem Tier in direkten Kontakt treten. Wenn der Streichelzoo für zwei Stunden am Morgen und Nachmittag geöffnet ist, passen daher mittlerweile zwei Pfleger auf, dass den Zwergziegen nichts passiert.

„Die Leute gehen nicht rücksichtsvoll mit den Tieren um. Der rohe Umgang, nicht nur in unserem Zoo, hat in den vergangenen Jahren zugenommen“, ist sich der langjährige Zoodirekt sicher. Dennoch stellt er heraus, dass längst nicht nicht alle Besucher übergriffig werden.

„Peta“ stellt Konzept von Streichelzoos in Frage

Diesen Eindruck bestätigt auch Yvonne Würz, zuständig für den Fachbereich Zoo und Zirkus Tierschutzorganisation „Peta“. „Es ist keine Seltenheit, dass Zuschauer einen rohen Umgang mit Tieren zeigen“, erklärt sie. So rennen Kinder häufig auf die Tiere zu, machen ihnen somit Angst. Auch das Klopfen an die Scheibe des Geheges, wenn sich ein Tier gerade nicht rührt, sei völlig normal - bei Kindern und Erwachsenen.

Generell hält Wüst wenig von Streichelzoos. Sie zeigen, dass die Kinder kein Mitgefühl für die Tiere entwickeln, sie stattdessen drangsalieren. „Teils ist es erschreckend, wie die Menschen agieren“, berichtet sie von eigenen Beobachtungen.

Der Zoo Dortmund hat übrigens schon vor Jahren gehandelt. Eine Panzersperre vor dem Leopardengehege sorgt dafür, dass Besucher die Wildkatzen nicht streicheln können.

 
 

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