Dortmund: Nach Tuner-Treff in der City – Experte warnt: „Corona ist absoluter Beschleuniger“

In Dortmund trafen sich am Wochenende hunderte Tuning- und Raser-Fans. Ein Szene-Kenner schlägt jetzt Alarm. (Symbolbild)
In Dortmund trafen sich am Wochenende hunderte Tuning- und Raser-Fans. Ein Szene-Kenner schlägt jetzt Alarm. (Symbolbild)
Foto: imago images / PPfotodesign

In Dortmund herrschte am vergangenen Wochenende Ausnahmezustand. Wieder Ausnahmezustand, um genau zu sein. Am zweiten Wochenende in Folge hatten sich Raser und Tuner in der Stadt getroffen. Bis zu 700 waren es in der Nacht auf Sonntag, rund 500 eine Nacht zuvor.

Die Polizei Dortmund war mit einem Großaufgebot vor Ort. Ein Experte aus der Szene erklärte nun gegenüber dem „WDR“, warum es gerade jetzt zu so großen Treffen kommt, und wie sich die Szene verändert habe.

Dortmund: Wird die Stadt zum Raser-Treffpunkt?

Die Bilanz des Raser- und Tuner-Treffs am Wochenende: Mehrere Fahrzeuge wurden sichergestellt, Führerscheine eingezogen und Anzeigen wegen Verstößen gegen die Corona-Schutzverordnung geschrieben.

Am ersten Wochenende im Jahr 2021 waren in Dortmund bereits rund 400 Fahrzeuge zusammengekommen, dieses Mal waren es an beiden Abenden sogar noch einige hundert mehr. Die Polizei befürchtet nun, die Stadt könnte sich zum Treffpunkt der Szene entwickeln. In einer Pressemitteilung befürchten die Behörden sogar, dass die Treffen „Event-Charakter“ annehmen könnten.

Raser-Szene ist enorm gewachsen

Neben dem großen Raser-Treff am Freitag- und Samstagabend gab es auch in der Nacht auf Montag einen weiteren Vorfall. Dabei konnte sich ein Polizist, der privat unterwegs war, mit einem Sprung noch im letzten Moment davor retten, bei einem illegalen Rennen erfasst zu werden.

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Klaus Stadler aus Essen kennt die Tuning- und Raserszene gut. Er betreibt ein großes Netzwerk zum Tuning von Mustangs und ist Unterstützer der Initiative „Tuning is not racing“ („Tuning ist nicht rasen“). Gegenüber dem „WDR“ redet der Szene-Kenner nun Tacheles.

Inzwischen sei die Szene so groß, dass das Treffen in Dortmund mit hunderten Teilnehmern „absolut keine Ausnahme“ gewesen sei. Dass die Treffen genau jetzt stattfänden, sei laut dem Experten kein Zufall.

Szene-Experte:„Es gibt keine Spielregeln mehr“

„Corona ist ein absoluter Beschleuniger. Die Leute sind völlig unterzuckert, die haben einen Riesen-Drang. Man merkt das auch in den einschlägigen Tuner-Portalen, wie unzufrieden sie sind“, so Stadler.

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Er warnte zudem auch vor einer Verschiebung innerhalb der Szene. Die Stimmung sei deutlich aggressiver geworden. Es gebe „keinen Respekt mehr vor Polizei und Staat“. Statt kurzer Ampelrennen gebe es heute Hochgeschwindigkeitsfahrten mit mehr als 150 Kilometer pro Stunde durch die Innenstädte. „Es gibt keine Spielregeln mehr“, mahnt Stadler gegenüber dem „WDR“.

Am Wochenende ging die Polizei mit Kontrollstellen und Straßensperren massiv gegen die Szene vor. Ob das Wirkung gegen den langen Atem der Raser zeigt, werden die nächsten Wochenenden zeigen. Immerhin: Tödliche Verkehrsunfälle ließen sich bislang glücklicherweise vermeiden. (dav)

 
 

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