Dortmund: SPD-Aussteiger Marco Bülow verrät DAS über Kanzler-Kandidat Olaf Scholz – „Eigentlich sieht es jeder“

Olaf Scholz: Führt er die SPD zurück ins Kanzleramt?

Olaf Scholz: Führt er die SPD zurück ins Kanzleramt?

Schafft es Olaf Scholz als SPD-Spitzenkandidat die Partei zurück ins Kanzleramt zu führen?

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Er wagte einen Schritt, den sich wohl so nicht viele gewagt hätten. Noch vor drei Jahren saß Marco Bülow aus Dortmund als Mitglied der SPD im Bundestag. Am 27. November 2018 jedoch verkündete der heute 50-Jährige eine weitreichende Entscheidung.

Marco Bülow trat aus der SPD aus, war fortan parteiloses Mitglied des deutschen Bundestages. 2020 wurde Bülow, wiederum im November, Mitglied der Satirepartei „Die Partei“. Wir haben mit Marco Bülow über den Wahlkampf, Olaf Scholz und seine eigenen Chancen wieder in den Bundestag einzuziehen, gesprochen.

Herr Bülow, vor Kurzem schaffte es ihr Satz „Olaf Scholz würde sich eher die Hand abhacken als mit den Linken zusammenzugehen“ sogar in die ‚Heute Show‘. Was macht Sie da so sicher?

Ich kenne ihn ja schon ein bisschen länger (lacht). Ich kenne seine Einstellung und ich kenne auch die Einstellung seiner Fraktion. Und die wollen fast alle nicht mit der Linken koalieren. Er darf es im Moment nur noch nicht ausschließen.

Er scheint aber auch, als wolle er es nicht ausschließen…

Ich kenne seine Politik. Eigentlich sieht es jeder. Der Unterschied zwischen ihm und Schäuble in diesem Amt ist so marginal, dass man da die Unterschiede wirklich mit der Lupe suchen muss. Im Endeffekt ist das lediglich ein Popanz, um zu rechtfertigen, dass er zum Kanzlerkandidaten gewählt wurde. Klar nimmt er das auch gerne mit, weil es ein paar Stimmen bringt. Und dann ist es natürlich auch noch ein schönes Druckmittel für die FDP. Die können sich dann als Retter gegen den Kommunismus aufschwingen, wenn sie die Koalition eingehen. Für alle eigentlich eine Runde Sache. Am Ende will aber mit den Linken keiner.

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Mehr über Olaf Scholz:

  • Seit 2017 ist Olaf Scholz Vizekanzler und Finanzminister
  • Zuvor war er bereits Bundesminister für Arbeit und Soziales (2007-2009) und Erster Bürgermeister von Hamburg (2011 bis 2018)
  • Scholz ist Kanzlerkandidat der SPD bei der Bundestagswahl 2021
  • Er ist mit Britta Ernst verheiratet, die in Brandenburg Landesministerin für Bildung, Jugend und Sport ist.

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Und doch wird gemunkelt, dass es bereits Sondierungsgespräche gäbe.

Ja, aber es gibt keinen wirklichen Kreis, der das regelmäßig betreibt. Das war mal so. Es gab mal zwei oder drei. Dass es immer noch einzelne gibt, die auch mal mit Linken sprechen… ja. Aber keinen wirklich konstanten und erst recht nicht ernstzunehmenden Kreis.

Also wäre sogar die Große Koalition realistischer als Rot-Rot-Grün?

Ja. Jede Konstellation. Also ich glaube, die Große Koalition wird nicht reichen. Eigentlich wird es darum gehen, ob es eine Deutschland-Koalition, eine Ampel-Koalition oder aber Jamaika geben wird, wobei ich das nicht für so wahrscheinlich halte.

Warum ist die SPD jetzt wieder so stark?

Die SPD war in den letzten drei Jahren sehr stabil bei 15 Prozent. Sie profitiert jetzt nicht davon, dass sie eine tolle Politik gemacht hat, sonst wären die Umfragen vorher schon besser gewesen. Sie profitiert erstens davon, dass es vermutlich die schlechtesten Kanzlerkandidaten aller Zeiten gibt und zweitens, dass sie völlig aus dem Fokus raus war.

Wie meinen Sie das?

Wir kennen das Spiel aus den vorhergehenden Wahlen. Da war die SPD eigentlich immer der Herausforderer, die Union war sozusagen gesetzt. Und wenn der Kanzlerkandidat nominiert wurde, ging es erst mal stark gegen die SPD. Meistens eben sehr erfolgreich. Dann hat sich die Union durchgesetzt und die SPD hat sogar noch Stimmen verloren.

Das hat die SPD aber dieses Mal nicht getroffen, weil der große Herausforderer die Grünen waren. Daher hat sich alles auf die Grünen konzentriert. Die haben auch noch Fehler gemacht und danach hat sich alles auf Laschet und die Union eingeschossen. Die SPD war damit im Endeffekt ohne etwas zu tun, der Unbeschädigste. Das war aber nicht die eigene Leistung, obwohl ich glaube, dass sie eine ganz gute Kampagne macht, sondern weil sie das kleinere Übel ist.

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Also haben Sie auch kein schlechtes Gewissen, ihrem SPD-Kollegen die Stimmen streitig zu machen?

Nein. Ich weiß, wenn ich gewinne, sitzt trotzdem ein Sozialdemokrat im Bundestag. Und wenn ich nicht gewinne, dann wird mein Nachfolger gewinnen. Ein anderer hat keine Chance in diesem Wahlkreis. Deswegen habe ich da auch kein schlechtes Gewissen. Die SPD verliert ja nicht mal einen Abgeordneten, weil sie das im Land ausgleichen kann.

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Wie sehen Sie ihre Chancen?

Das ist eine ziemliche Blackbox. Das kann ich echt nicht einschätzen. Wir haben ziemlich viel Bambule im Wahlkreis gemacht. Wir haben vier Veranstaltungen gehabt, die deutlich über 100 Leute hatten. Ich habe keine einzige von einer anderen Partei gesehen, die so groß war. Wir haben zig Stände und Hausverteilungen durchgeführt. Aber was das alles am Ende bewirkt, ich weiß es nicht.