Dortmund

Dortmund: Professorin landet auf der Straße – plötzlich obdachlos!

Dortmund: Die Pension Plus bietet wohnungslosen Menschen mit psychischen Erkrankungen eine Unterkunft.
Dortmund: Die Pension Plus bietet wohnungslosen Menschen mit psychischen Erkrankungen eine Unterkunft.
Foto: Diakonie

Dortmund. Unter Obdachlosen sind psychische Erkrankungen weit verbreitet. Auch Frau K. war wohnungslos. Einst arbeitete sie Professorin, die Krankheit riss sie aus ihrem Alltag, am Ende landete sie in Dortmund auf der Straße.

Dortmund: Professorin landet auf der Straße

Im Sommer 2020 wird Frau K. am Hauptbahnhof Dortmund angesprochen, die Spuren langjähriger Obdachlosigkeit sind ihr da deutlich anzusehen.

In der Frauenübernachtungsstelle der Diakonie angekommen, berichtet sie viel über ein Leben, das eigentlich so gar nicht zu ihrer heutigen Erscheinung passt und referiert eloquent über wissenschaftliche Fachthemen.

Die Diakonie-Mitarbeiter finden mit viel Geduld, behördlicher Hilfe und in den wenigen lichten Momenten der Frau heraus, dass sie langjährige Professorin an einer renommierten Hochschule in Bayern war. Auf ihrem Konto türmte sich eine hohe Rente auf, seit Monaten unberührt.

Frau K. riss von zuhause aus und landete in Dortmund

„Frau K. wurde durch eine psychische Erkrankung aus ihrem Alltag gerissen, hat jeglichen Wohlstand hinter sich gelassen und bemerkt aufgrund ihrer Krankheit gar nicht, wie sich ihr Leben verschlechtert hat“, sagt Ilda Kolenda, Leiterin der Frauenübernachtungsstelle und der angeschlossenen Pension Plus, die wohnungslose Menschen mit psychischen Problemen eine neue Perspektive bietet.

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Schon einmal wurde Frau K. durch einen Betreuer eine Wohnung, ihres bisherigen Lebensstandards angemessen, besorgt.

Doch auch diese ließ sie hinter sich, stieg irgendwann in einen Zug und landete schließlich in Dortmund, als eine von vielen wohnungslosen Menschen dieser Stadt.

Pension Plus hilft wohnungslosen Menschen mit psychischen Erkrankungen

Inzwischen ist sie in der Pension Plus untergekommen. Ein Team aus Sozialarbeitern, Hauswirtschaftern und Fachkräften der Krankenpflege unterstützen und begleiten die Bewohner auf dem Weg zur Wiedererlangung und Stärkung der eigenen Ressourcen.

Seit April 2020 bietet die Dortmunder Diakonie an zwei Standorten eine Unterkunft für wohnungslose Menschen mit einer psychischen Erkrankung: In der Frauenübernachtungsstelle, Nortkirchenstr. 15, in Dortmund-Hörde stehen sechs Plätze für Frauen zur Verfügung. Neun Plätze für männliche Betroffene gibt es im Bodelschwingh-Haus der Diakonie in der Prinz-Friedrich-Karl-Straße 5. Ziel ist es, diese durch ihre Erkrankung besonders gefährdete Gruppe zu schützen und sie langsam und vertrauensvoll an das weiterführende Hilfesystem anzubinden.

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„Häufig löst eine psychische Krise eine Abwärtsspirale aus“

Die Nachfrage ist groß. Beide Unterkünfte sind fast belegt. Insgesamt ist die Zahl der wohnungslosen Menschen, die an einer psychischen Erkrankung leiden, in den vergangenen Jahren stark angestiegen.

„Häufig löst eine psychische Krise eine Abwärtsspirale aus, die sich in manchen Fällen erst wieder stoppen lässt, wenn das gewohnte Leben schon völlig aus der Bahn geraten ist: Menschen, die fest und sicher im Leben stehen, gehen plötzlich nicht mehr zur Arbeit oder werden aufgrund von Aussetzern entlassen. Sie sind nicht mehr in der Lage, Rechnungen nachzukommen oder lassen ihre Wohnung verwahrlosen. Angehörige ziehen sich hilflos zurück oder sind nicht greifbar, viele werden schließlich zwangsgeräumt. Das Leben auf der Straße beginnt“, schildert ZBS-Leiter Thomas Bohne die Situation.

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Nicht selten erkennen die Betroffenen ihre eigene Krankheit nicht oder gehen einer nahegelegten Therapie bewusst aus dem Weg: „Und so gehören plötzlich mehr und mehr Menschen zum Wohnungslosenspektrum, die da eigentlich nicht reingehören.“ (ms)