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Dortmund: Paukenschlag! Mutmaßlicher Mörder von Nicole Schalla kommt auf freien Fuß – Eltern „am Boden zerstört“

Dortmund: Nicole Schalla wurde vor 25 Jahren getötet.
Dortmund: Nicole Schalla wurde vor 25 Jahren getötet.
Foto: privat

Dortmund. Diese Nachricht ist ein Schock für die Eltern von Nicole Schalla aus Dortmund!

Der mutmaßliche Mörder der 16-Jährigen kommt auf freien Fuß. Das Oberlandesgericht Hamm hat am Donnerstagnachmittag die Untersuchungshaft gegen Ralf H. (54) aufgehoben.

Ungelöste Kriminalfälle - Nicole Schalla
Ungelöste Kriminalfälle - Nicole Schalla

Dortmund: Mutmaßlicher Mörder auf freiem Fuß

Der Mordverdächtige soll am 14. Oktober 1993 auf dem Heimweg Nicole Schalla aus Dortmund getötet haben. Am nächsten Morgen fand eine Zeitungsbotin die Leiche des Teenagers.

Erst im Juni 2018, 25 Jahre später, kam es zur Festnahme von Ralf H. Ein DNA-Treffer hatte die Ermittler auf seine Spur gebracht. Die winzige Hautschuppe aus Nicoles Leistengegend hatte nach all der Zeit einen Treffer in der Datenbank ausgespuckt.

Seit über einem Jahr läuft der Prozess gegen den Mann aus Castrop-Rauxel. Er bestreitet die Tat.

Eigentlich stand der Prozess im Herbst 2019 kurz vor dem Abschluss. Doch eine Nach-Untersuchung weiterer DNA-Spuren sollte weitere Gewissheit bringen. Sie könnten den Angeklagten entlasten – oder den Mordverdacht noch bekräftigen. Dann bremste erst eine Krankheit einer Richterin, dann Corona den Prozess aus.

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Mordfall Nicole-Denise Schalla aus Dortmund:

  • 14. Oktober 1993: Nicole-Denise Schalla wird auf dem Heimweg vergewaltigt und getötet.
  • 28. Juni 2018: Ermittler verkünden nach 25 Jahren die Festnahme von Ralf H.
  • 9. März 2020: Der Prozess gegen Ralf H. platzt nach über einem Jahr. Eine zuständige Richterin war längerfristig erkrankt.
  • 4. August 2020: Der Prozess soll neustarten. Mit Ralf H. als freiem Mann.

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Jetzt entschied das Oberlandesgericht Hamm: der Haftbefehl gegen Ralf H. ist aufgehoben. Damit ist der Mordverdächtige nach mehr als zwei Jahren in U-Haft frei. Die Voraussetzungen für die Verlängerung der Untersuchungshaft über neun Monate hinaus lägen nicht mehr vor, begründet das OLG Hamm. „Dem Beschleunigungsgebot in Haftsachen sei in dem aufgrund der Dauer der Untersuchungshaft von über zwei Jahren besonders gebotenen Umfang nicht hinreichend Rechnung getragen worden“, heißt es weiter.

Hintergrund: Je länger die Untersuchungshaft andauert, umso strengere Anforderungen gibt es. Normalerweise dürfen Beschuldigte nämlich nur sechs Monate in U-Haft bleiben. Ausnahme: wenn die besondere Schwierigkeit oder der besondere Umfang der Ermittlungen ein Urteil noch nicht zulassen oder die Fortdauer der Haft rechtfertigen.

Dr. Arabella Pooth, Nebenklagevertreterin der Familie Schalla, zeigte sich gegenüber DER WESTEN überrascht von der Entscheidung: „Die Möglichkeit bestand natürlich, aber damit hätte ich nicht gerechnet. Ich meine U-Haft wäre weiter vertretbar gewesen, da im Zweifel eine lebenslange Strafe zu erwarten ist.“

Sie habe sofort die Familie Schalla informiert, nachdem sie am Nachmittag das Fax mit der Entscheidung des OLG Hamm erhalten habe. „Sie sind am Boden zerstört und fassungslos, am Telefon zusammengebrochen.“

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Am 4. August soll der Prozess dann nach dem coronabedingten Aus von vorne starten. „Der Angeklagte muss erscheinen. Tut er das nicht, wird ein neuer Haftbefehl erlassen“, sagt Dr. Pooth.

Ralf H. wird dann als freier Mann erscheinen. Zumindest solange, bis ein Urteil gesprochen ist. (ms)

 
 

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