Dortmund

Dortmund: Frau teilt Vermisstenmeldung – sie ahnt leider nicht, was sie da tut

Eine junge Frau ist vermeintlich in Dortmund verschwunden: Das vermittelt eine private Fahndung in den Sozialen Netzwerken. Doch die Polizei warnt nun. (Symbolbild)
Eine junge Frau ist vermeintlich in Dortmund verschwunden: Das vermittelt eine private Fahndung in den Sozialen Netzwerken. Doch die Polizei warnt nun. (Symbolbild)
Foto: imago images / Kirchner-Media

Dortmund. „Achtung, bitte teilen! Diese junge Frau wird vermisst seit dem 05.01.2021. Bitte teilen!“ – dieser Hilferuf aus einer Facebook-Gruppe für Menschen aus Dortmund lässt im ersten Moment wohl niemanden kalt.

Gerade bei Vermisstenfällen ist die Hilfsbereitschaft groß. Suchen über die Sozialen Netzwerke werden dabei auch von der Polizei immer wieder eingesetzt, um Hinweise auf einen möglichen Aufenthaltsort zu bekommen. Allerdings: Bei der Suchanzeige aus Dortmund handelt es sich nicht um einen offiziellen Aufruf der Polizei. Wer ihn teilt, begibt sich auf dünnes Eis.

Dortmund: Frau teilt private Vermisstenanzeige – Polizei warnt

Eine junge Frau lächelt freundlich in die Kamera. Die Geschichte dahinter ist allerdings alles andere als freundlich. Am 5. Januar sei die junge Frau zuletzt gesehen worden. Wer Hinweise auf ihren Aufenthaltsort hat, solle sich unter einer Handynummer melden. Auch die Polizei Dortmund wird als Referenz angegeben.

Dort ist die Anzeige in dem Fall bekannt. Doch eine offizielle Fahndung gibt es nicht. „Es ist aus polizeilicher Definition kein Vermisstenfall“, erklärt eine Sprecherin der Behörde. Es gebe keine Gefährdungsaspekte, also keine Hinweise auf ein Gewaltverbrechen oder eine Selbstverletzungsabsicht. Das macht den Beitrag in der Dortmunder Facebook-Gruppe so problematisch.

„Wegen des Rechts am eigenen Bild sind solche privaten Aufrufe immer sehr schwierig, man begibt sich auf ein sehr dünnes Eis“, heißt es von der Polizei Dortmund. Sie rät vom Teilen solcher Anzeigen ab. Dadurch würden Persönlichkeitsrechte verletzt, durch die gegebenenfalls juristische Ansprüche entstünden. Mitunter endet die gut gemeinte Tat also mit einer saftigen Rechnung.

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Das ist die Stadt Dortmund:

  • wurde 880 erstmals schriftlich erwähnt (als 'Throtmanni')
  • hat 588.250 Einwohner (Stand: Dezember 2019) und ist damit die neuntgrößte Stadt Deutschlands
  • nach Fläche und Einwohnerzahl die größte Stadt im Ruhrgebiet
  • Oberbürgermeister ist Thomas Westphal (SPD)

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Denn nur Strafverfolgungsbehörden dürfen in Deutschland öffentlich nach Personen fahnden. Neben der Strafbarkeit privater Fahndungsaufrufe können auch zivilrechtliche Ansprüche entstehen. Die Rechtsprechung ist da deutlich: Persönlichkeitsrechte dürfen nur unter ganz bestimmten Vorgaben aufgeweicht werden.

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Verfasserin überrascht von juristischen Gegebenheiten

Die Verfasserin des Beitrags ist DER WESTEN gegenüber verwundert. Sie habe nicht gewusst, „dass das Teilen privater Abfragen juristisch ein Problem darstellt.“

Sie kenne die Familie persönlich, wisse um die großen Sorgen, die man sich dort um die junge Frau machen würde. Auch deswegen könne sie nicht verstehen, warum man durch das Teilen privater Fahndungsaufrufe nicht helfen dürfe. Da sie sich jedoch auch nicht strafbar machen wolle, werde sie den Facebook-Eintrag entfernen. (dav)

 
 

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