Dortmund

Dortmund: Kleinwüchsiger (41) brutal getötet – schreckliches Gerücht macht die Runde

Ibrahim Demir wurde in Dortmund auf dem Heimweg brutal getötet.
Ibrahim Demir wurde in Dortmund auf dem Heimweg brutal getötet.
Foto: Bernd Thissen/dpa; privat

Dortmund. Er war nur 1,42 Meter groß - und doch ein ganz Großer!

Am vergangenen Wochenende wurde Ibrahim D. (41) in Dortmund brutal aus dem Leben gerissen, getötet auf dem Heimweg, nur wenige hunderte Meter vor seiner Haustür. Der Tatverdächtige hat sich inzwischen gestellt. Dabei handelt es sich um einen 39 Jahre alten Mann aus Dortmund, vorbestraft wegen verschiedener Körperverletzungsdelikte.

Seitdem kursieren in sozialen Netzwerken Gerüchte, dass die tödliche Misshandlung eine politisch motivierte Tat gewesen sein könnte. Staatsanwaltschaft und Familie des Opfers widersprechen.

Dortmund: Tod von Ibrahim D. politisch motiviert? Familie und Staatsanwaltschaft widersprechen

„Für einige der kleine Freund, für manche der kleine Nachbar oder Bekannte. Für uns der große Bruder! Unser Ibo“, schreibt Serhat D., der jüngere Bruder des Getöteten, in einem emotionalen Post auf Facebook.

„Ich vermisse ihn, wir vermissen ihn. Sein Tod war nicht gerecht, es war nicht gerecht meinen Bruder so aus dem Leben zu reißen“, heißt es darin weiter.

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Am Sonntagabend hatte sich der mutmaßliche Täter in Begleitung seines Anwalts der Polizei gestellt. Er räumte gegenüber der Polizei körperliche Misshandlungen des Getöteten ein.

Beim Ermittlungsrichter anschließend äußerte er sich nicht weiter zu den Vorwürfen. Gegen ihn wurde ein Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts der Körperverletzung mit Todesfolge erlassen. Der 39-Jährige sitzt in U-Haft. >>> hier mehr dazu

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Berichte von türkischen Medien warfen nun den Verdacht auf, dass die feige Tötung ein rassistisches Motiv haben könnte. Befeuert wird das durch Bilder in sozialen Netzwerken, auf dem der Verdächtige den Wolfsgruß zeigt. Es ist das Erkennungszeichen der Grauen Wölfe, wie die rechtsextremistische türkische „Ülkücü“-Bewegung in der Regel genannt wird. Auch Bilder von türkischen Soldaten und Flaggen zieren sein Facebook-Profil.

Steckte also möglicherweise ein rassistisches Motiv hinter dem Angriff auf den kurdischstämmigen Kleinwüchsigen? Die Dortmunder Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke von DIE LINKE fordert zumindest entsprechende Ermittlungen: „Ich hoffe, dass Polizei und Staatsanwaltschaft auch in diese Richtung ermitteln und nach einem möglichen rassistischen, beziehungsweise rechtsextremen Tatmotiv fragen. Die Grauen Wölfe, die in der Türkei seit den 70er Jahren eine Blutspur mit Tausenden Toten hinterlassen und auch in Deutschland mehrfach gemordet haben, dürfen nicht länger verharmlost werden.“

Ibrahims Bruder über Instrumentalisierung der Tat: „Wäre das Letzte gewesen, was unser Ibo gewollt hätte“

Inzwischen hat sich auch Ibrahims Bruder Serhat zu den Gerüchten geäußert. Er stellt sich auf Facebook gegen eine Instrumentalisierung des Todes seines Bruders: „Es ist nicht gerecht, dass dieser Mord zur kulturellen-, nationalen- und politischen Hetze missbraucht wird. Dies wäre das Letzte gewesen, was unser Ibo gewollt hätte.“

Sein Tod beruhe nicht auf einem politischen Konflikt, sondern sei ein grausamer und heimtückischer Angriff auf einen wehrlosen Menschen gewesen, so Serhat. „Meine Familie und ich möchten in diesem Schreiben nur klarstellen, dass es sich hier nicht um einen politischen Konflikt oder etwas dergleichen handelt.“

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Sein Wunsch sei es, dass der mutmaßliche Täter seine gerechte Strafe durch die deutsche Justiz bekomme.

„Auch wenn es für diese Tat keine Gerechtigkeit geben kann, können wir ein Zeichen setzen, dass sein Tod nicht umsonst war. Ein Zeichen für alle Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung Benachteiligungen und Diskriminierungen ausgesetzt sind.“

Staatsanwältin: „Ermitteln in alle Richtungen“

DER WESTEN hat die Ermittler mit den Gerüchten konfrontiert. Staatsanwältin Sandra Lücke aus Dortmund sagt: „Wir ermitteln in alle Richtungen. Derzeit gibt es keine Anhaltspunkte für eine politisch motivierte Tat.“

Die Ermittler gehen davon aus, dass „Ibo“ den Angreifer kannte und es schon zuvor zu verbalen Auseinandersetzungen gekommen war. Aktuell werden noch Spuren gesichert und Zeugen vernommen.

 
 

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