Dortmund nimmt Abschied von den getöteten Kindern

In einer kurzfristig anberaumten Trauerfeier haben Angehörige und Nachbarn Abschied von den drei getöteten Kindern in der Fichtestraße genommen.
In einer kurzfristig anberaumten Trauerfeier haben Angehörige und Nachbarn Abschied von den drei getöteten Kindern in der Fichtestraße genommen.
Foto: WAZ FotoPool
In einer bewegenden Trauerfeier haben Angehörige, Nachbarn und Vertreter der Stadt in der alevitischen Gemeinde in Eving Abschied von den drei ermordeten Kindern genommen. Mustafa, Mehmet und Zilan werden in der Türkei beerdigt.

Dortmund. In einer sehr bewegenden und kurzfristig anberaumten Trauerfeier haben am Mittwoch Angehörige, Nachbarn und auch offizielle Vertreter der Stadt Dortmund in der alevitischen Gemeinde in Eving Abschied genommen von den drei ermordeten Kindern. In der Nacht zu heute sind die Leichen der Kinder in Begleitung ihres Vaters in die Türkei ausgeflogen worden. Hier werden Mustafa, Mehmet und Zilan in den nächsten Tagen beerdigt.

„Wir müssen heute mit großer Trauer und Betroffenheit Abschied von drei fröhlichen und liebenswerten Kindern nehmen, die für uns alle unfassbar aus unserer Mitte gerissen wurden“, sagte OB Ullrich Sierau in seiner Ansprache. Er könne sich vorstellen, sagte Sierau an den Vater gerichtet, „dass die Bewältigung des neuerlichen Schicksalsschlages nun auch ihre Grenzen übersteigen wird.“

Haftbefehl gegen die Lebensgefährtin des Vaters erlassen

Die drei Kinder waren am Freitag früh getötet worden. Der Täter hatte danach Feuer in der Wohnung der Familie in der Fichtestraße 18 gelegt. Haftbefehl war gegen die Lebensgefährtin des Vaters, Milka D. (29) erlassen worden wegen Mordes und besonders schwerer Brandstiftung.

„Uns war wichtig, dass wir als Stadt dem Vater der Kinder deutlich signalisiert haben, dass wir für ihn da sind, wenn er wieder nach Dortmund kommt“, erklärte Dezernentin Waltraud Bonekamp am Nachmittag im Gespräch mit der WAZ Mediengruppe. Dafür sei er dankbar gewesen. Zugleich habe er erkannt, dass von Seiten der Stadt ein sehr hohes Interesse besteht, den Fall umfassend zu lösen. Deshalb habe er auch zugestimmt, dass Teile der Akte des Jugendamtes über die Familie an die Öffentlichkeit gelangen dürfen.

Jugendamt verteidigt sich gegen Vorwürfe

„Zu keinem Zeitpunkt“, betonte Waltraud Bonekamp, „hat die Notwendigkeit bestanden, die Kinder in Obhut zu nehmen“. Der Vater habe sich seit die Familie in Dortmund wohne - und nur diesen Zeitraum könne das Jugendamt überblicken - sehr liebevoll um seine Kinder gekümmert. Das werde auch von den Schulen oder der Kindertagesstätte, in der das jüngste Kind war, bestätigt. Keine Auffälligkeiten, vielleicht mal die eine Verspätung oder mal ein Fehltag - wie bei Tausenden anderer Kindern auch. Es habe nie Grund zur Klage von Seiten der Schule oder des Jugendamtes gegeben.

Als Muharrem T., der Vater der Kinder, im Februar 2012 ein paar Tage nicht zu Hause sein konnte, wurden die Kinder bei einer Bekannten untergebracht. Nach seiner Rückkehr habe er sich sofort wieder um die Kinder gekümmert. Davon habe sich das Jugendamt auch überzeugt. Nachdem das Amt am 29. Februar durch die Lebensgefährtin des Vaters vom Brand erfahren hatte, hätten Mitarbeiter des Jugendamtes die Kinder im Krankenhaus besucht. Von Freunden in Wuppertal aus suchte Muharrem T. eine neue Wohnung. Diese fand er im gleichen Haus, in dem seine Wohnung ausgebrannt war, zum 11. April 2012. „Auch darüber hat uns seine Lebensgefährtin informiert“, so Weirauch. Sie habe stets als Dolmetscherin fungiert. Auch zwischen ihr und den Kindern habe es nach Beobachtungen der Jugendamtsmitarbeiter keinerlei Spannungen gegeben.

Nachbarn sagen, sie hätten das Jugendamt auf die Situation der Kinder aufmerksam gemacht

Entgegen der Aussage von Nachbarn, sie hätten das Jugendamt mehrfach auf die Situation der Kinder aufmerksam gemacht, „haben wir keinen einzigen Anruf registrieren können“, so Bodo Weirauch. Schon im Mai habe der Vater den Wunsch geäußert, die Kinder dauerhaft die Türkei zu bringen. Damit, so Weirauch, seien auch die beiden älteren Kinder einverstanden gewesen, da sie dort schon zu Besuch gewesen waren.

„Das Mitarbeiter des Jugendamtes haben jeden Schritt gemacht, der erforderlich war“, so Amtsleiter Ulrich Bösebeck. Die Mitarbeiter hätten äußerst betroffen auf die Vorwürfe regiert, sie hätten sich falsch verhalten. „Sie haben alle nur das Wohl der Kinder gesehen.“

 
 

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