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Dortmund: Prozess um Mord an Nicole-Denise Schalla läuft seit mehr als einem Jahr – droht er jetzt zu platzen?

Ungelöste Kriminalfälle - Nicole Schalla

25 Jahre blieb der Mord an der Dortmunderin Nicole Schalla ungesühnt. Doch dann kam Bewegung in den Fall.

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Dortmund. Mehr als ein Jahr beschäftigt der Fall der ermordeten Nicole-Denise Schalla das Landgericht in Dortmund.

Jetzt droht der Prozess zu platzen. Grund ist eine Erkrankung einer Richterin. Die ist seit Anfang Januar erkrankt, seither ist der Prozess unterbrochen. Das Gericht in Dortmund hat nun eine Frist von zwei Monaten, den Prozess fortzusetzen. Diese Frist läuft Anfang März ab.

Dortmund: Platzt der Schalla-Mordprozess?

Aktuell gibt es zwei Szenarien. Wird die Richterin bis Anfang März wieder gesund, kann der Prozess innerhalb von zehn Tagen wieder aufgenommen werden.

Sollte die Richterin nicht rechtzeitig fit werden, würde das Verfahren ausgesetzt. „Man spricht dann auch von Platzen“, sagt Pressesprecher Thomas Jungkamp gegenüber DER WESTEN. Das hätte Folgen. Denn der Prozess müsste von vorne beginnen, in neuer Besetzung.

Jungkamp ist dennoch auch in diesem Fall optimistisch: „Man könnte relativ zügig von vorne beginnen. Die Gutachten müssten erneut ins Verfahren eingeführt werden und Zeugen nochmal vernommen werden. Das dürfte aber relativ schnell gehen.“ Dennoch möchte man dieses Szenario nur allzu gerne vermeiden.

Der Gerichtssprecher betont: „Das ist nicht schön für alle Beteiligten, gerade für die Familie Schalla.“ Doch ein Richter könne während eines Verfahrens nicht vertreten werden. Der sogenannte Unmittelbarkeitsgrundsatz bestimme, dass ein Richter ein komplettes Verfahren miterleben müsse, um ein Urteil zu sprechen.

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Ungewissheit für Eltern und die Frage der U-Haft

Sollte das Verfahren also ausgesetzt werden und von neu beginnen müssen, bliebe nicht nur die Ungewissheit für die Eltern von Nicole-Denise Schalla. Sie hatten nach mehr als 25 Jahren endlich auf Gewissheit gehofft, wer im Oktober 1993 ihre damals 16-jährige Tochter getötet hatte.

Doch auch für den Angeklagten Ralf H., dessen DNA-Spur an der Leiche gefunden wurde, der jedoch die Vorwürfe bestreitet, könnte eine Aussetzung Konsequenzen haben. Denn es wird die Frage zu klären sein, ob eine weitere U-Haft für ihn noch verhältnismäßig ist. „Der Angeklagte könnte in diesem Fall einen Haftprüfungsantrag stellen. Auch eine Prüfung von Amtswegen ist möglich“, so Gerichtssprecher Jungkamp.

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Egal ob Fortsetzung oder Neustart - im nächsten Prozesstermin dürfte es für alle Beteiligten spannend werden. Dann soll eine Nach-Untersuchung weiterer DNA-Spuren vorgestellt werden. Sie könnten den Angeklagten entlasten - oder den Mordverdacht noch bekräftigen. (ms)

 
 

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