Dortmund möchte leiser werden

Dortmunder Bürger, die in Einflugschneisen zum Flughafen leben, machten ihrem Ärger bei der Info-Veranstaltung des Dortmunder Umweltamtes zum neu entwickelten  Lärmaktionsplans Luft.  WAZ / FotoPool
Dortmunder Bürger, die in Einflugschneisen zum Flughafen leben, machten ihrem Ärger bei der Info-Veranstaltung des Dortmunder Umweltamtes zum neu entwickelten Lärmaktionsplans Luft. WAZ / FotoPool
Mehr Ruhe, weniger Lärm – das hat sich die Stadt Dortmund zur Aufgabe gemacht. Trotzdem hat der neu entwickelte „Lärmaktionsplan“ einen schweren Stand. Zahlreiche Vertreter von Bürgerinitiativen und einzelnen Stadtteilen üben harsche Kritik an der Umsetzung des Projekts.

Dortmund. Der Leiter des Umweltamtes Dortmund, Dr. Wilhelm Grote, hat am frühen Donnerstag Abend (12. Januar) im Rathaus vor rund 100 Gästen den neuen Lärmaktionsplan der Stadt präsentiert. Dieser sieht vor, den Lärm im Dortmunder Stadtgebiet zu reduzieren und somit die Lebens- und Wohnqualität der Bevölkerung zu verbessern.

Mit dieser Maßnahme setzt die Stadt Dortmund die im Jahr 2002 in Kraft getretene EU-Umgebungslärm-Richtlinie um, die 2004 in nationales Recht übergangen ist. Heinrich Bornkessel und Oliver Schneemelcher aus der Abteilung Immissionsschutz des Umweltamtes haben zu diesem Zweck die „Lärmsituation“ im Dortmunder Stadtgebiet ermittelt und in einer Lärmkarte grafisch dargestellt.

Ähnlich einer Googlemaps-Darstellung wird mit der Karte der Dortmunder Stadtplan angezeigt. Die markierten Stellen weisen besonders laute Gebiete aus, in denen viel Straßenverkehr oder hoher Lärm aufgrund von Zügen und Flugzeugen herrscht.

Bürgerbeteiligung im Internet

Um die Bevölkerung in den Verbesserungsprozess zu integrieren, hat das Umweltamt die Online-Plattform „mach – ruhig - mit“ ins Leben gerufen. Ab sofort ist es bis zum 17. Februar im Internet möglich, sich mit Forenbeiträgen und Verbesserungsvorschläge zu beteiligen. Die zusätzlichen Hinweise, die aus der Bevölkerung kommen, sollen dann in den Lärmaktionsplan integriert werden, sagte Schneemelcher.

Dennoch blies den drei Vertretern des Umweltamtes bei der Info-Veranstaltung ein rauer Wind entgegen. Zahlreiche Vertreter von Bürgerinitiativen und Dortmunder Stadtteilen kritisierten den angestoßenen Prozess. Ein Kritikpunkt war die verspätete Umsetzung des Lärmaktionsplans, der nach dem Willen des Bundes bereits im Jahr 2008 hätte vorgelegt werden müssen Zum anderen verdiene das Konzept der Bürgerbeteiligung seinen Namen nicht, da Bürgerinitiativen bzw. Umwelt -oder Mieterverbände zu wenig in den bisherigen Prozess involviert worden seien.

Kritik an der Messmethode

Auch die Ergebnisse der Lärmmessung wurden stark in Zweifel gezogen. Besonders verärgert zeigten sich diejenigen Bürger, die in Einflugschneisen zum Dortmunder Flughafen leben. Trotz der von ihnen wahrgenommenen Lärmbelästigung, werde der Fluglärm mit Null bewertet. Bornkessel führte dazu aus, dass die Werte nicht gemessen, sondern berechnet werden. „Die Ergebnisse zeigen die durchschnittliche Lärmbelästigung an“, sagte Schneemelcher. Das einzelne Flugzeug könne ein störendes Einzelereignis sein, jedoch zähle im Ergebnis der errechnete Durchschnitt. Die Berechnungsmethode sei von der EU vorgegeben.

Dies sorgte für Empörung, gerade bei jenen, die in der Nähe störender Lärmquellen wohnen und die errechneten Ergebnisse als realitätsfern betrachten. Ursula Maria Wartmann zum Beispiel sieht sich täglich extremer Lärmbelastungen ausgesetzt. Die freiberufliche Autorin hat mit der Geräuschkulisse des an ihrer Wohnung angrenzenden Zugverkehrs zu kämpfen. Besonders das Kreischen der Züge bei Kurvenfahrten sei für sie sehr nervenaufreibend. „Man hat das Gefühl, die Züge fahren einem direkt ins Gehirn“, erläutert sie die Belastung durch den Schienenverkehr.

Klare Forderungen der Bürger

Dennoch möchte sie ihrem Stadtteil im Dortmunder Westen treu bleiben, da sie sich sehr wohlfühle. Sie setzte sich – wie viele andere auch – für schärfere Geschwindigkeitsbegrenzungen ein, welche die Lärmbelastung reduzieren und forderte eine Überprüfung der Messergebnisse zum Schienen –und Fluglärm.

Trotz der harschen Kritik zeigten sich die drei Vertreter des Umweltamtes mit dem Start der neu ins Leben gerufenen Online-Plattform zufrieden. Über 400 Personen haben sich bereits mit Beiträgen beteiligt und Verbesserungsvorschläge gemacht. Die Vorwürfe jedoch, der Lärmaktionsplan sei intransparent, wiesen sie zurück. Künftig solle es einen Lärmbeirat geben, der aus Vertretern verschiedener Interessengruppen bestehen werde. Bis dahin bleibe den Bürgern die Beteiligung im Internet.

 
 

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