Dortmund jubelt – der BVB ist Meister!

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Dortmund.. Grandios, fantastisch, phänomenal! Borussia Dortmund ist Deutscher Meister 2011. Dank der Schützenhilfe aus Köln feiert der BVB den siebten Meistertitel und stürzte die Stadt in einen schwarz-gelben Freudentaumel. Hier die Feierlichkeiten am Samstag im Rückblick.

Während die Feierlichkeiten in Dortmunds Innenstadt nun in die feucht-fröhliche Nacht einbiegen, gab BVB-Trainer Jürgen Klopp um 23.45 Uhr dem Dortmunder Journalisten Michael Steinbrecher im ZDF-Sportstudio ein ausführliches Meister-Interview. Ein Thema: die fruchtbare Borussia-Mannschaft. Klopp zählte auf, wieviele frischgebackene Väter er im Kader hat. Und keiner weiß, wieviele künftige BVB-Fans an diesem historischen Tag womöglich entstehen.

Um 21.45 Uhr sind noch immer nicht alle BVB-Spieler und Funktionäre beim Nobel-Italiener "Piazza Navona" in der Gartenstadt angekommen, aber die Tafel füllt sich langsam. Klopp und der Vorstand ist schon komplett versammelt. Als erster kam übrigens Nuri Sahin ins Lokal gehumpelt. Der Verletzte musste sich schließlich auch nicht vom Spiel erholen... Sebastian Kehl hat glaubhaft versichert, es werde heute Abend ein wenig mehr Alkohol fließen und auch ein Stündchen länger dauern als sonst — das nächste Training ist doch erst am Mittwoch.

Der Alte Markt ist 21.30 Uhr von Scherben übersät. Also Achtung mit euren leichten Balett-Schläppchen!

Um 21.24 Uhr hat die Polizei die Hohe Straße vor der Lenzstube wegen einer "Pyro-Party" gesperrt. Einschreiten mussten die Beamten aber nicht. Es blieb bei einer reinen Verkehrssicherheits-Maßnahme.

Autofahrer haben es auf der Lindemannstraße um 20.45 Uhr nicht leicht: Die Straße ist gesperrt. Nicht offiziell, sondern durch Fans. Wie dreist! Aber Feiern geht eben heute mal vor.

Nicht nur am Markt und auf dem Friedensplatz wird gefeiert — auch im Saarlandstraßenviertel und an der Hohen Straße geht's ab. Fans bevölkern Straße, Kneipen Pizza-Buden. Hier schlägt das Herz des harten BVB-Kerns. An der Ultra-Kneipe Lenz-Stube behält die Polizei gegen 20.30 Uhr das Geschehen im Blick.

Um 20.20 Uhr sind alle Fans aus dem Stadion verschwunden. Dafür mischen sich an der Westfalenhalle einige Schwarz-Gelbe unters Raver-Volk der Mayday.

Bei der Polizei sind bis 20.15 Uhr keine größeren Einsätze aufgelaufen. Außer den üblichen Rangeleien gibt's bislang nichts zu vermelden. Eine Polizei-Bilanz kommt erst am späten Abend oder am Morgen.

Auf Altem Markt und Hansaplatz ist die Hölle los — inklusive Pyrotechnik. Nachdem der Hansefrühling auf dem Friedensplatz die Stände weitgehend zusammengeräumt hat, ziehen die feiernden Fans gegen 20 Uhr ins Scharen auf den Friedensplatz.

Die Mannschaft macht sich um 19.35 Uhr auf zum gemeinsamen Abendessen, vermutlich beim Stamm-Edelitaliener. Auch zwei Stunden nach Abpfiff animiert Jungspunt Kevin Großkreutz seine Mitspieler noch zu Feiergesängen.

Um 19.24 Uhr bringt Blaszczykowski den Spruch des Tages: Als er in der Mixed Zone an den Journalisten vorbeieilt, sagt er nur: "Gut, ne?" Ja, Kuba, gut!

Um 19.09 Uhr (eine wirklich total kreative Zeit) hat Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau eine huldvolle Glückwunsch-Mail an BVB-Präsident Reinhard Rauball abgesetzt. Hier die Presse-Info im Wortlaut!

Langsam wird es ein wenig ruhiger. Gegen 19 Uhr waren auf dem Borsigplatz schon erheblich weniger Autos als vorher. Auf dem Wall allerdings war lange Zeit nur stop & go möglich. Die Polizei musste den Verkehr regeln und ließ am Stadthaus zeitweise keine Wagen mehr auf dem Wall.

Kleine Info am Rande: Am Straßenstrich ist gegen 18.45 Uhr kaum was los...

Die Polonaise um den Borsigplatz um 18.43 Uhr ist gescheitert. Auf der Hälfte des Riesenkreisels war Schluss... Kurios: Ein Feuerwehrwagen natzt laut hupend die Fans im Kreisel-Korso. Aber sofort ist klar: Er ist nur im Feierwehr-Einsatz.

Gegen 18.40 Uhr verlassen die letzten Fans das Stadion. Die Mannschaft ist auch schon weg — und wird heute wohl auch nicht mehr in Erscheinungtreten.

Das Tor vor der Südtribüne ist hin: Zwei Spieler und mehrere Fans hatten gegen 18.30 Uhr das Tor gestürmt, sich auf die Latte gesetzt — und waren wohl zu schwer für die Alu-Stange: Sie ist eingeknickt.

Am Borsigplatz wird die Stimmung gegen 18.30 Uhr immer doller: Polonese um den Kreisverkehr Die ersten Fans klettern auf die Bäume, auch Anfänge einer Laola-Welle sind gemacht. Klar: Party-Spielchen gibt's auch schon. Wo vorher die Fans noch in Grüppchen gefeiert haben, ist aus den Hunderten Menschen inzwischen ein großes Ganzes geworden. Hochstimmung pur bei Nordstadt-Anwohnern und Zugereisten!

Viele Fans können sich auch um 18.16 Uhr nicht vom Stadion trennen – zumal die Spieler ihre Fans auf der Südtribüne immer wieder einheizen. Inzwischen haben viele Spieler auch ihre Frauen mit auf den Platz gelotst. Aber genauso viele Fans strömen vom Stadion über Hohe Straße, Lindemannstraße und Ruhrallee in die Innenstadt. Die Stimmungs ist fantastisch. Wie auch sonst!

Auch sowas gibt’s: Ein Mann aus Schwerte war im Stadion der König – weil er einen FC-Köln-Schal um den Hals trug. So oft ist er wohl noch nie umarmt worden...

Auf dem Hansemarkt am Friedensplatz beglückwünscht um 18.04 Uhr ein italienischer Händler allen Frauen, die an seinem Stand vorbeikommen: „Signora! Sie sind Deutscher Meister!“

Was gegen 17.20 Uhr mit ersten vereinzelten Hup-Konzerten begann, entwickelt sich spätestens gegen 17.55 Uhr zum stadtweiten Hup-Orkan. In Stadionnähe, am Borsigplatz, in der Innenstadt und vor allem auf dem Wall halten unzählige Dortmunder ihre BVB-Fahnen aus den Autos. Selbst die Polizei lässt sich mitreißen und drückt bei manch gewagter Verkehrsaktion ein Auge zu.

Der Mini-Korso auf dem Borsigplatz kurz nach Abpfiff war nur der Anfang. Gegen 17.50 Uhr hat man eher das Gefühl: Wer nicht hupt, der ist ein Schalker... Erste Feuerwerksknaller werden gezündet. Ein Tunisier, der erst seit 2002 in Deutschland lebt, ist die Attraktion am Platz: Mit seinem riesigen BVB-Teddy wollen sich alle fotografieren lassen. Rund 500 Autos bilden einen Autokorso – die Polizei leitet den Verkehr aus dem Kreisel ab. Aber viel bringt’s nicht.

Auf dem Alten Markt gibt’s gegen 17.45 Uhr kein Halten mehr. Der erste Eindruck nach dem Abpfiff: bedächtige Stille. Aber dann ging’s los. Explosionsartig entlädt sich die Freude der Fans. Vor dem Fanshop wartet eine lange Schlange – aber in den Brunnen ist bislang niemand gefallen. Stattdessen stehen viele noch vor den Fernsehern und genießen die schönsten Spielszenen.

Vor und im Stadion kann man sich um 17.30 Uhr vor Bier-Fontänen nicht mehr retten.

Um 17.28 Uhr läuft im Radio der Klassiker des Tages. „We are the Champions!“ – wie sollte es anders sein?

Schon zwei Minuten nach Abpfiff gleicht der Borsigplatz einer schwarz-gelben Hölle. Autokorso, Hupkonzert, ein Fahnenmeer. Kurze Zeit spät erreichen die ersten Feier-Wagen die Innenstadt.

Borussia Dortmund ist Deutscher Meister 2011! Die Borussen besiegten am 32. Spieltag den 1.FC Nürnberg 2:0 und dank des 1.FC Köln, der Bayer Leverkusen bezwang, ist Dortmund die größte Partymeile der Welt. Wenn’s nach den Fans geht, wird jetzt bis zur offiziellen Meisterfeier am 15. Mai durchgefeiert.

Dabei dauerte bis zur 44. Minute – da nahmen die BVB-Fans auf der Südtribüne und im gesamten Stadion erstmals das Wort „Meister“ in den Mund. „Wer wird Deutscher Meister? BVB, Borussia“ brüllte es von den Rängen. Da führte die Borussia bereits mit 2:0 und hatte den 1.FC Nürnberg im Griff. Das so wichtige Parallelspiel von Bayer Leverkusen in Köln stand 0:0, was natürlich jeder wusste. Und jeder Grundschüler in Dortmund weiß, was das bedeutet: In diesem Moment war Borussia Dortmund Deutscher Meister 2011.

In den Minuten vorher war es zwar laut, aber nicht meisterlich. Die Mannschaft zeigte sich etwas nervös, das Publikum fieberte und schwankte zwischen hoffen und bangen. Mit einem Ohr in Köln, mit ganzem Herzen bei der Borussia.

Doch um 16.02 Uhr ließ die erste Eruption das Stadion erbeben. Lucas Barrios versenkte einen Abstauber im Nürnberger Tor – 1:0 nach 30 Minuten. Grenzenloser Jubel. Und immer noch 0:0 in Köln. Im Zeitalter von SMS und Smartphones war natürlich jeder im Bilde, so sorgte die Einblendung des Zwischenstandes aus dem Rheinland nicht für den Jubel, den es noch vor zehn Jahren gegeben hätte. Informationen sind eben immer und überall.

Doch es dauerte nicht lange, bis es wieder laut wurde: Robert Lewandowski sorgte mit dem 2:0 für die zweite Explosion. Und immer noch 0:0 – Meister! MEISTER!

Dann plötzlich: Nervenkitzel. 57 Minuten gespielt, im Unterrang der Nordtribüne brandet Jubel bei einer kleinen Gruppe BVB-Fans auf. Was wissen die? Haben die eine Geheimverbindung nach Köln? 1:0? Kurz später Jubel auf dem Oberrang der Osttribüne. Was ist hier los? Die Südtribüne beginnt zu singen – doch kein Wort von „Meister“. Offenbar ein Fehlalarm. Erinnerungen werden wach an das dramatische Saisonfinale 1995, als das Westfalenstadion kollektiv nach München lauschte, um zu hören, wie Werder Bremen verlor. Dieses einmalige Gefühl, wenn sich die gute Nachricht wie ein Lauffeuer von verschiedenen kleinen Brandherden aus nach und nach durchs ganze Stadion verbreitet. Einmalig. Später macht die Info die Runde, dass Köln offenbar die Latte getroffen hatte – darum wurde der Jubel im Keim erstickt.

Doch weiterhin 0:0. Egal, das würde reichen. Die Südtribüne feierte sich selbst und die Tatsache, dass das Stadion zum zwölften Mal in der Saison mit 80.720 Zuschauern ausverkauft war. Am letzten Spieltag gegen Frankfurt wird es das dreizehnte Mal sein.

Aber dann! 66. Minute in Dortmund, wieder bricht der Jubel zuerst in dem kleinen Nest auf der Nordtribüne aus, sofort springt er über, die Fragezeichen in den Gesichtern weichen der Gewissheit und Stadionsprecher Norbert Dickel schreit es heraus: „1:0 für KÖÖÖÖÖÖÖLN!“ Der Jubel kennt keine Grenzen: „Deutscher Meister wird nur der BVB“ – jetzt singen alle.

Im Unterrang der Südtribüne werden Bengalische Feuer gezündet, einige Deppen klettern auf den Zaun. Der Rest feiert und singt zur Pipi-Langstrumpf-Melodie: „Wer wird Deutscher Meister?!“ Von den Benalos wird das Stadion in Rauch gehüllt. Norbert Dickel fordert die Fans auf dem Zaun auf, herunterzuklettern. Er befürchtet offenbar einen Spielabbruch. Nicht vorzustellen, was das bedeuten würde!

Stattdessen werden es mehr und mehr Fans, die den Zaun hinter dem Tor von Nürnbergs Keeper Raphael Schäfer besteigen. Noch 15 Minuten zu spielen. Neue Stimmungsherde im Stadion. Die Nordtribüne beginnt Gesänge. Der BVB wird, nein, für die meisten IST er Deutscher Meister! Auf der Süd wird gegen die Zaunbesetzer gesungen: „Und ihr wollt Borussen sein?!“ Doch das Spiel läuft weiter. Kaum jemand registriert, dass Nürnberg eine Chance zum Anschlusstreffer hat. Was jetzt interessant ist: Uhren, Radios, der Zaun.

17.10 Uhr: Der Zaun ist fast leer – und es bricht wieder Jubel aus: „2:0 für den 1.FC Köln!“, schallt Norbert Dickels Stimme aus den Lautsprechern. Noch acht Minuten. Jetzt IST der BVB Meister. Dickel bittet die Fans, nach dem Spiel auf den Tribünen zu bleiben – der Rasen werde in 14 Tagen beim letzten Heimspiel noch gebraucht.

Die Südtribüne springt im Kollektiv. Jeder, der dort schon einmal gestanden hat, weiß, wie sich das anfühlt, wenn die Stufen wackeln und das Stadion bebt. Gigantisch. Meister – zum siebten Mal. Und nur noch fünf Minuten zu spielen. Jürgen Klopp macht den Fans noch ein Geschenk und wechselt Dede ein. Das vorletzte Heimspiel für den Brasilianer, der schon 2002 mit dem BVB Meister wurde und danach den Fast-Konkurs des Vereins miterlebte. „Oh, wie ist das schön!“ – ein Hit aus alten Zeiten hallt durchs Stadion. Es ist nur noch laut, alle Tribünen singen durcheinander. Dortmund feiert.

Zwei Minuten und ein „Deutscher Meister wird nur der BVB!“ später: Abfiff. Es ist vollbracht!

 
 

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