Dortmund

Dortmund: „Holland-Hitler“ auf Nazi-Demo sorgt für Irritationen

Auch der „Holland-Hitler“ ist vor Beginn der Demo durch die Polizei auf Waffen kontrolliert worden.
Auch der „Holland-Hitler“ ist vor Beginn der Demo durch die Polizei auf Waffen kontrolliert worden.
Foto: Privat

Dortmund. 400 Neonazis wollten kommen, letztlich waren es nur 184 bei der Nazi-Demo am Samstag in Dortmund-Hörde. Dabei fiel ein Demonstrant besonders auf: Der häufig als „Holland-Hitler“ bezeichnete Niederländer Stefan Wijkamp. Der 52-Jährige stammt aus dem niederländischen Oosterbeek, einem Ortsteil der Gemeinde Renkum. Und ist dennoch ein oft gesehener Gast auf rechten Kundgebungen in Deutschland.

So nimmt der „Holland-Hitler“ gerne auch selbst das Mikrofon in die Hand und erzählt im Duktus des Diktators, warum er „Ausländer raus“ rufe, obwohl er doch selbst Ausländer in Deutschland sei.

Dortmund: Holland-Hitler auf Nazi-Demo

Bereits seit 2001 gerät er regelmäßig in die Schlagzeilen. Damals lief er erstmalig verkleidet als Hitler-Double bei einer rechtsradikalen Demo in Kerkrade mit. Wobei seine politische Karriere mehr als holprig verlief: 2002 flog er aus der Partei „Niederländischer Volksbund“, weil er bei den Kommunalwahlen nur 0,2 Prozent der Stimmen holte.

Vor einem belgischem Gericht musste sich Stefan Wijkamp 2008 verantworten. Er hatte auf dem Kriegsfriedhof in Lommel ein Jahr zuvor den Hitler-Gruß gezeigt. Schon mit Anfang zwanzig ist der Niederländer verurteilt worden, nachdem er mit selbstgebauten Waffen gefasst wurde.

Seinen Job bei einem Waffenhändler in Arnhem war er kurze Zeit später auch los, weil er mehrfach mit SS-Zeichen auf der Arbeit erschienen war.

Seit 2017 gehört er zum Vorstand der nationalsozialistischen Splitterpartei „die Rechte“, die am Samstag durch Hörde maschierte. 1350 Gegendemonstranten sorgten hingegen dafür, dass die Neonazis lautstark gestört wurden.

Anwohnerin irritiert: „Da muss ich erst mal drei Nächte drüber schlafen.“

Gegenüber den Ruhr Nachrichten äußerte eine Anwohnerin ihre Bedenken über den Nazi-Aufmarsch. Ihr sei der Trubel um die recht kleine Gruppierung nicht geheuer. Besser sei es, die Nazis zu ignorieren.

Außerdem sei sie fassungslos, dass der „Holland-Hitler“ einfach so mitlaufen dürfe. „Ich war immer der Meinung, dass nationalsozialistische Zeichen und Äußerungen offiziell nicht gestattet sind“, wird sie von der Zeitung zitiert. Ihr Kommentar: „Da muss ich erst mal drei Nächte drüber schlafen.“

Die Ereignisse der Demo kannst du in unserem News-Blog nachverfolgen:

19.46 Uhr: Auch die Polizei zieht eine überwiegend positive erste Bilanz des Tages. Nur vereinzelt sei es zu Störungen gekommen. So untersagte die Polizei diverse Plakate der Rechtsradikalen. Auch wurde der Aufmarsch gestoppt, weil Parolen überprüft werden mussten. Ein Redebeitrag eines rechtsextremistischen Redners zog eine Strafanzeige nach sich.

Linke Gegendemonstranten blockierten zwischenzeitlich die Aufzugsstrecke der Nazis. Polizisten mussten die Blockade an der Reiner-Daelen-Straße auflösen.

18.47 Uhr: Der Demo-Samstag in Dortmund ist vorüber. Die Bundespolizei zieht am frühen Abend eine positive Bilanz: Insgesamt sei es ruhig geblieben. 470 Personen seien mit der Bahn zu den Demos hin- und von ihnen wieder zurückgefahren.

17.45 Uhr: Die Bundespolizei teilt mit, dass es im Rahmen der Abreise zu Sperrungen am Bahnhof Hörde und an der Haltestelle Stadthaus kommen kann.

17.30 Uhr: Die rechte Kundgebung ist beendet.

17.02 Uhr: Die Abschlusskundgebung der Rechtsextremisten läuft nun.

16.23 Uhr: Auf dem Dortmunder U in der Innenstadt prangt seit heute Morgen eine deutliche Botschaft: Über die blaue, wehende Europaflagge läuft der Spruch über die Videowand an der Spitze des Turms: „Ich, der Turm, fand schon damals Nazis voll uncool“

Die Stadt teilt ein Video davon bei Facebook und kommentiert es mit den Worten: „Für Europa. Gegen Nazis. Heute. Gestern und morgen.“

15.50 Uhr: Offenbar konnte die Polizei keine Auflagenverstöße feststellen. Der Aufzug geht weiter.

15.45 Uhr: Der Aufmarsch der Rechten in Dortmund wurde vorübergehend gestoppt. Die Polizei prüft einen Auflagenverstoß, heißt es. Offenbar wurden Parolen gerufen, von denen nicht gleich ersichtlich war, ob sie legal oder illegal sind.

15.28 Uhr: Die Stadt Dortmund stellt sich offiziell auf die Seite der Nazigegner. In einem Tweet teilt die Stadt Fotos von Gegendemnonstranten und schriebt dazu:

  • „Dortmund zeigt heute Flagge gegen Rechts und stellt sich mit einem breiten Bündnis gegen die Nazidemo“

15.20 Uhr: Etwa 184 Personen nehmen nach Polizeiangaben an der Versammlung der Rechtsextremisten teil. Mittlerweile hat der Aufzug die Wellinghofer Straße erreicht.

14.10 Uhr: Mit einiger Verzögerung hat nun die Versammlung der Rechtsextremisten begonnen. Bisher gab es keine größeren Zwischenfälle.

11.39 Uhr: Bisher bleibt alles ruhig. Die Polizei ist mit massiven Kräften vor Ort und sorgt für Ruhe.

10.39 Uhr: Bisher verläuft die Anreise ruhig und ohne Zwischenfälle:

10.30 Uhr: Wer noch in Ruhe nach Dortmund reisen will, sollte sich beeilen. Um 11 Uhr treffen sich die Mitglieder der autonomen Antifa. Selbst wenn alles friedlich bleibt, ist viel Polizei vor Ort. Es dürfte deshalb zu Verzögerungen kommen.

9.15 Uhr: In wenigen Stunden dürfte die große Anreisewelle beginnen. Es haben sich Neo-Nazi aus ganz Deutschland zu der Demo in Dortmund angekündigt.

(fel/lin)

 
 

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