Dortmund

Dortmund: Anklage – Frau „kauft“ Mädchen für 100 Euro und zwingt es zur Prostitution

In Dortmund soll eine Frau eine 15-Jährige gekauft und dann zur Prostitution gezwungen haben. Seit dem 5. November steht Mariya S. vor Gericht.
In Dortmund soll eine Frau eine 15-Jährige gekauft und dann zur Prostitution gezwungen haben. Seit dem 5. November steht Mariya S. vor Gericht.
Foto: Marcel Storch/DER WESTEN

Dortmund. Wie viel ist ein Schicksal eines jungen Mädchens wert?

Diese Frage stellt sich am Dienstag in einem Prozess vor dem Landgericht in Dortmund. Mariya S. (54) soll ein junges Mädchen für 100 Euro von ihren Eltern in Bulgarien gekauft haben und in Dortmund auf den Straßenstrich geschickt haben.

Dortmund: Frau kauft 15-Jährige für 100 Euro

Der Angeklagten wird vorgeworfen, von Januar 2006 bis Mitte 2007 die damals 15-Jährige zur Prostitution gezwungen zu haben.

Gemeinsam mit ihrem Mann, der bereits u.a. wegen Menschenhandel zu fünf Jahren und acht Monaten verurteilt wurde, soll sie das Mädchen nach Dortmund geholt und in einer Wohnung in der Dortmunder Nordstadt untergebracht haben.

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Von dort schickte das Ehepaar die heute 29-Jährige, die in Bulgarien ihre Nachbarin war, in einer Gaststätte und auf dem Straßenstrich zur Prostitution, ist die Staatsanwaltschaft sicher. So sollte sie die Kosten für ihre Reise nach Deutschland abbezahlen, sei die Erklärung gewesen.

Mit Heroin gefügig gemacht

Dort habe sie unter Tränen ihren ersten Freier bedient, heißt es in der Anklage. Sieben weitere Kunden folgten demnach noch am ersten Tag. In der Regel seien es fünf, sechs Männer pro Tag gewesen, erklärte die heute 29-Jährige vor Gericht. Das Geld habe sie dem „Lütfü“, dem Ehemann der Angeklagten, gegeben.

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Prostitution in Deutschland:

  • Prostitution ist in Deutschland nicht verboten und gelten vor dem Gesetzgeber auch nicht mehr als Sittenwidrigkeit
  • Das umstrittene Prostitutionsgesetz von 2001 hat den Beruf normalisiert. Seitdem können Prostituierte etwa ihren Lohn einklagen oder in die Arbeitslosenversicherung einzahlen
  • Das neue Gesetz führte aber zu einem Boom der Prostitution in Deutschland, unter anderem im Aufkommen neuer Riesenbordelle
  • Seit vielen Jahren versucht die Politik nun, dieses ausufernde Problematik in den Griff zu bekommen
  • Die meisten Prostituierten in Deutschland stammen mittlerweile aus Osteuropa, insbesondere aus Bulgarien und Rumänien
  • Im Juli forderten SPD-Politikerinnen weitreichende Reformen des umstrittenen Gesetzes von 2001

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Das verdiente Geld habe sie zumeist dem verurteilten Ehemann gegeben, manchmal auch der Angeklagten. „Aber er war der Chef“, stellte die Geschädigte klar.

Mädchen will Geld behalten und wird verprügelt

Als die damals 16-Jährige einmal 80 Euro in ihrem BH versteckte, soll die „Yildiz“ (so nannte die Geschädigte die Angeklagte) und eine unbekannte Mittäterin laut Anklage solange auf die Geschädigte eingeprügelt haben, bis sie das Geld rausrückte. „Sie haben mich als dreckigen Hurenhund beschimpft“, berichtet die junge Frau.

„Ich habe heimlich geweint“

Für eineinhalb Jahre ging die junge Bulgarin in Dortmund anschaffen. Auch während ihrer Periode musste sie mit Männern schlafen, berichtet sie vor Gericht. Um das Ganze zu ertragen, habe sie angefangen Heroin zu konsumieren. „Ich hatte Angst vor ihr und ihrem Mann, Angst dass sie mich schlagen oder meiner Familie etwas antun“, erklärte sie. Sie habe überlegt wegzurennen. „Aber ich war jung, kannte mich nicht aus, habe heimlich geweint.“

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Die junge Frau war davon ausgegangen, dass sie in Deutschland in einem Café arbeiten solle. So habe es ihre Mutter ihr damals gesagt. Doch schon in Bulgarien soll sie als Mädchen sich prostituiert haben.

Geschädigte arbeitet nicht mehr als Prostituierte

2007 soll der Ehemann der Angeklagten die Prostituierte für 400 Euro weiterverkauft haben. Doch diesmal hatte sie offenbar mehr Glück. Mit ihrem neuen „Besitzer“ bekam sie zwei Kinder. Mittlerweile ist sie weg von den Drogen, arbeitet nicht mehr als Prostituierte, bezieht Hartz4. „Beruf, was ist das?“, fragte sie den Richter vielleicht auch deshalb leicht verduzt. (mit lmd)

 
 

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