Dortmund: „Was ist das denn für ein Rotz?“ – üble Überraschung im Briefkasten

Böse Überraschung im Briefkasten für einen Dortmunder.
Böse Überraschung im Briefkasten für einen Dortmunder.
Foto: imago images / Westend61, privat (Briefkasten: Symbolbild)

Eine Postkarte als Urlaubsgruß erwartet wohl kaum einer mehr, wenn er in den Briefkasten schaut. Doch ein Pädagoge aus Dortmund erlebte eine besonders üble Überraschung, als er den Inhalt vor einigen Tagen überprüfte.

Nun hat er das Polizeipräsidium Dortmund eingeschaltet.

Dortmund: Hass-Flugblätter im Briefkasten

Im Gespräch mit DER WESTEN erinnert sich der Elterntrainer, der anonym bleiben möchte, was er zuerst dachte, als er den Inhalt des Briefes, mehrere kopierte Flugblätter, vor Augen hatte: „Was ist das denn für ein Rotz?“

Sein direktes Ruhrdeutsch bringt es auf den Punkt!

Adressiert war der Brief an seinen Arbeitgeber, einen sozialpädagogischen Betrieb im Dortmunder Norden. Auf dem ersten Blatt ist die Rede davon, dass dieses Schreiben an „Mitarbeiter der Lügenpresse, Parteipolitiker (Grüne, SPD, Linke, CDU) in Stadt- und Gemeinderäten, Pfarrer und Pastoren, Sozialarbeiter – kurzum alle charakterlichen Minus-Varianten, denen die Zerstörung Deutschlands und Europas eine Herzensangelegenheit ist“, gehen soll.

Der Elterntrainer, der im Auftrag des Jugendamtes Familien betreut, kann darüber nur den Kopf schütteln. Ganz besonders über die Betitelung als „Minus-Variante". Das Schreiben sei ein „unreflektierter Mist“.

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Pädagoge aus Dortmund ärgert sich: „Damit schlägt man Opfern der NS-Diktatur vor den Kopf“

Dann wird auf dem Blatt weiter gehetzt, dass die „weißen Völker“ auszusterben drohen und das gleichbedeutend sei mit dem Untergang der Kultur. Europa werde zu einem „afro-orientalischen Slum-Kontinent“, heißt es in dem rassistischem Pamphlet.

Besonders übel wird es auf den folgenden sieben Seiten des Schreibens. Dort geht es um antisemitische und geschichtsrevisionistische Verschwörungstheorien, der Holocaust wird als Lüge dargestellt und die Verbrechen in NS-Konzentrationslagern völlig verharmlost. „Damit schlägt man den noch lebenden Opfern der Nazi-Diktatur vor den Kopf“, ärgert sich der Dortmunder. Einfach „unverschämt“ sei das.

Empfänger sollen „geschockt verstummen“ – doch der Pädagoge handelt

Eines erreichten die Hetzer nicht. „Ein Erfolg ist es schon, wenn sie geschockt verstummen“, heißt es auf der ersten Seite in Bezug auf die Adressaten. Der Dortmunder hat jedoch den Absendern diesen Gefallen nicht getan und ist zur Polizei gegangen. Nun ermittelt der Staatsschutz.

Auch unserer Redaktion ließ er Fotos der Flugblätter zukommen, denn die Bevölkerung solle mitbekommen, was sich der „rechte Mob“ mittlerweile erlaube.

NRW-Innenministerium: „Die Flugblätter haben einen eindeutig rechtsextremistischen Hintergrund“

Auf Anfrage von DER WESTEN nimmt das NRW-Innenministerium Stellung zu dem Brief: „Die Flugblätter haben einen eindeutig rechtsextremistischen Hintergrund. Ihr Inhalt transportiert stark ausgeprägten klassischen Antisemitismus, sowie Rassismus und die Leugnung des Holocausts“, so die Einschätzung der Sicherheitsbehörden.

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Mehr zum Thema Volksverhetzung:

  • Geregelt im Paragraf 130 im Strafgesetzbuch.
  • Gemeint sind Straftaten, die den öffentlichen Frieden stören, in dem zu Hass und Gewalt aufgestachelt wird gegen nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppen bzw. Teile der Bevölkerung.
  • Seit 1994 verbietet der Paragraf zudem, den Holocaust zu billigen, zu leugnen oder zu verharm­losen.
  • Durch hasserfüllte Äußerungen im Internet, insbesondere nach der Flüchtlingskrise 2015, ist der Straftatbestand mehr in den Fokus von Politik und Gesellschaft gerückt.
  • Den Tätern drohen Geldstrafen oder Freihetsstrafen von bis zu drei bzw. fünf Jahren.

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Die Experten in der Behörde rechnen das Schreiben dem Umfeld der sogenannten „Neuen Rechten“ zu. „Diese rechtsextremistische Strömung, versucht, neue Zielgruppen für den Rechtsextremismus und damit für ein rassistisches und völkisches Gesellschaftskonzept zu gewinnen. Der Verfasser der Flugblätter bedient sich offensichtlich rechtsextremistischer und antisemitischer Versatzstücke, um Unterstützung für seine eigene Weltsicht- und Anschauung zu erhalten“, heißt es in der Stellungnahme des Ministeriums weiter.

Deutschlandweit seien mehrere Vorfälle dieser Art bekannt. Ermittlungen zu den Urhebern seien bislang negativ verlaufen. Der Verdacht einer Straftat sei hier gegeben – Volksverhetzung.

 
 

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