Dortmund: Gespräch mit Obdachlosen lässt Forscher emotional werden – „Es war überwältigend“

Dortmund: Zwei Forscher der Fachhochschule Dortmund beschäftigen sich ausführlich mit der Obdachlosigkeit der Stadt. Was sie dabei erleben, ergreift sie persönlich sehr. (Symbolbild)
Dortmund: Zwei Forscher der Fachhochschule Dortmund beschäftigen sich ausführlich mit der Obdachlosigkeit der Stadt. Was sie dabei erleben, ergreift sie persönlich sehr. (Symbolbild)
Foto: IMAGO / Cord

Wie steht es eigentlich um das Thema Obdachlosigkeit in Dortmund? Mit dieser Frage beschäftigten sich zwei Forscher der Fachhochschule Dortmund ganz ausführlich.

Um die Ursachen von Obdach- und Wohnlosigkeit zu untersuchen, führten der Professor Dr. Dierk Borstel und Doktorand Tim Sonnenberg zusammen mit 80 Studierenden der Fachhochschule Dortmund zahlreiche Interviews mit direkt Betroffenen.

Neben vielen wissenschaftlichen Erkenntnissen sind die beiden Forscher dabei auf einige emotionale Einzelschicksale gestoßen, welche ihnen persönlich sehr nahe gingen.

Dortmund: Forscher führend Interviews mit Obdachlosen

„Niemand muss in Deutschland auf der Straße leben“ – dieser Satz fällt häufig, wenn über das Thema Obdachlosigkeit diskutiert wird.

Doch trotz zahlreicher Hilfsangebote leben in Dortmund schätzungsweise 1600 Personen, die keinen festen Wohnsitz haben.

Das zumindest vermuten die Wissenschaftler der Fachhochschule Dortmund laut ihren Forschungsergebnissen – denn genau gezählt werden kann die Zahl der Obdachlosen einer Stadt eigentlich nicht.

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Das ist die Stadt Dortmund:

  • wurde 880 erstmals schriftlich erwähnt (als 'Throtmanni')
  • hat 588.250 Einwohner (Stand: Dezember 2019) und ist damit die neuntgrößte Stadt Deutschlands
  • nach Fläche und Einwohnerzahl die größte Stadt im Ruhrgebiet
  • hat 12 Stadtbezirke mit 62 Stadtteilen
  • ist mit Flughafen und Hauptbahnhof wichtiger Verkehrsknotenpunkt
  • der Signal-Iduna-Park (Heimstadion von Borussia Dortmund) ist mit über 81.000 Plätzen das größte Fußballstadion Deutschlands
  • weitere Sehenswürdigkeiten: Westfalenpark, Dortmunder U, Deutsches Fußballmuseum
  • Oberbürgermeister ist Thomas Westphal (SPD)

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Doch wie viele Obdachlose es nun genau in Dortmund gibt, spielt für den Doktorand Tim Sonnenberg auch eigentlich gar keine so große Rolle mehr.

Für ihn steht nur eines fest: „Die Stimmen der Betroffenen müssen mehr Gewicht erhalten.“

So unterhält er sich über Monate hinweg mit einigen Menschen aus Dortmund, die direkt von der Obdachlosigkeit betroffen sind. Im Bezug auf die Interviews werteten die Forscher die Ergebnisse über einen längeren Zeitraum aus. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf die Lebenswelten und Gedanken dieser Menschen ziehen.

Was den Doktoranden und Professor Dr. Dierk Borstel bei den Gesprächen erwartet, lässt sie plötzlich ganz emotional werden. „Es war überwältigend“, berichtet Borstel in einer Pressekonferenz am Dienstagmorgen.

Dortmund: Forscher überwältigt – „Das kam sowas von aus dem Herzen“

In dem Fachbuch „Die ‚Unsichtbaren‘ im Schatten der Gesellschaft – Forschungen zur Wohnungs- und Obdachlosigkeit am Beispiel Dortmund“, halten die Forscher der Fachhochschule Dortmund ihre Erkenntnisse fest.

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Professor Dr. Dierk Borstel kommt einem Obdachlosen sogar körperlich sehr nah.

Ein großer Mann, der Borstel an die Figur „Hagrid“ aus dem Film „Harry Potter“ erinnert, gibt dem Wissenschaftler nach dem Interview plötzlich eine feste Umarmung.

„Er war sehr emotional und hat sich für den Forschungstag bedankt. Das kam sowas von aus dem Herzen“, erzählt der Professor sichtlich berührt. (mkx)