Dortmund bleibt laut Plovdiv-Experte Ziel für Bulgaren

Elend im bulgarischen Plovdiv. Foto: privat
Elend im bulgarischen Plovdiv. Foto: privat
Foto: privat
Der Zustromvon Roma aus dem bulgarischen Plovdiv nach Dortmund ist ungebrochen. Trotz des auf das ganze Stadtgebiet ausgeweiteten Sperrbezirks ist Dortmund weiterhin attraktiv, denn die Situation der Roma in Plovdiv ist unverändert schlecht.

Dortmund. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Zustrom aus Plovdiv abbricht. Der wirtschaftliche Druck ist nur noch größer geworden“, sagt Andreas Kraus. Der Filmemacher aus Süddeutschland, der seine Reportage über die Roma in Stolipinovo im Sommer im Depot gezeigt hatte, war im September erneut nach Bulgarien gereist. Nun war er zu Gast beim Dortmunder Roma-Netzwerk, um über seine aktuellen Eindrücke zu berichten.

„In Bulgarien hat sich für die Roma nichts verbessert“, sagt er. Das Plovdiver Ghetto Stolipinovo ist noch größer geworden. Lebten dort im Frühling geschätzt 45 000 Menschen, seien es mittlerweile fast 65 000. Zusätzlich sei es Ende September zu rassistischen Ausschreitungen von Seiten der Bulgaren gekommen. „Es gibt dort viele Rechtsradikale und nur sehr wenig Leute, die sich für die Roma einsetzen“, sagt Kraus.

Dortmund als erklärtes Ziel

Für die Roma in Stolipinovo sei Dortmund immer noch das erklärte Ziel. Andreas Kraus hatte bei seiner Reise immer wieder bei den Menschen nachgefragt, ob sie trotz der Änderungen hier – der Schließung des Straßenstrichs, dem verstärkten Polizeieinsatz – weiter nach Dortmund wollten. „Ich hab nur Schulterzucken als Antwort bekommen“, sagt Kraus. Eine Abschreckung habe er nicht feststellen können. „Sie sagen, es sei egal, was dort passiere, sie machten eben ihr Ding.“

Dass dazu Prostitution gehört sei ein offenes Geheimnis. „Die Frauen auf dem Straßenstrich waren aber nur ein kleiner Teil der Roma in Dortmund“, sagt er. Das verlagere sich in die Wohnungsprostitution, glaubt Kraus. Viele Männer kauften sich Frauen für eine längere Zeit. „Ich habe nicht den Eindruck, dass das im hohen Grade organisiert ist“, sagt er.

Arbeiten für sehr wenig Geld

Die Männer hätten erzählt, dass sie versuchten einen Gewerbeschein zu bekommen, als Sub-Sub-Unternehmer arbeiteten für sehr wenig Geld. „Sie hoffen, dass sie Arbeit finden auf dem Bau oder in einer Fabrik, das wäre das höchste.“

Was Andreas Kraus erschreckt hat: Als Europa nationalen Handlungspläne für den Umgang mit Roma gefordert hatte, habe Deutschland gar nichts vorgelegt.

 
 

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