Dortmund bangt um RWE-Aktien nach Achterbahnfahrt

Rolf Maug

Dortmund. Seitdem in Berlin der Atomausstieg erst diskutiert und dann auch beschlossen wurde, hat das Vertrauen der Anleger in den Wert des Energieversorgers und Kernenergieproduzenten RWE unter schwerem Schwund gelitten. Was aber Jörg Jacoby, Finanzdirektor der Dortmunder Stadtwerke, denen immerhin vier Prozent von RWE gehören, keine schlaflosen Nächte bereitet.

Es ist noch gar nicht lange her, da konnte sich, wer RWE-Aktien abstieß, eine goldene Nase verdienen. 2008 wurde das Papier des Essener Energiekonzerns an der Börse mit 100 Euro gehandelt. Aktuell bringt die RWE-Aktie an der Börse gerade mal noch knapp 30 Euro.

Langfristig denken

Aber auch das sind schon wieder 30 Prozent mehr als Ende September. Und Jörg Jacoby glaubt an eine weitere Erholung. Die RWE-Aktie werde zurzeit unter Wert gehandelt.

Eine rasante Talfahrt der RWE-Aktie würde nur dann negativ auf die Stadtkonzern-Bilanz durchschlagen, wenn DSW21 ihre 22,3 (von 562,4) Mio RWE-Anteilsscheine im Durchschnitt zu einem höheren Preis eingekauft hätte, als am Markt jetzt zu erlösen wären. „Das ist aber nicht der Fall“, begründet der DSW-Finanzchef, warum er nicht mit einem Minusgeschäft für die Stadttochter rechnet.

Natürlich muss Jacoby berücksichtigen, dass RWE-Chef Grossmann fürs Geschäftsjahr 2011 einen deutlichen Rückgang bei der Dividende in Aussicht gestellt hat. Die hatte schon mal bei 4,50 Euro gelegen. Für 2010 schüttete RWE 3,50 Euro pro Aktie aus. Was die Erlöse aus dem RWE-Aktienpaket, eine der wichtigsten Säulen auf der Einnahmeseite der Stadtwerke, auf gut 45 Mio Euro beförderte.

Treue Anteilseigner wie die DSW haben sich längst darauf eingestellt, dass die RWE-Dividende Achterbahn fährt. „Auch da muss man langfristig denken - nach vorne und zurück “, sagt Jacoby. 2007 schütteten die Essener zwei Euro, fünf Jahre zuvor gar nur einen Euro pro Aktie aus. „Der höchste Wert lag mal bei 4,50 Euro“, berichtet Jörg Jacoby.

Was die Einnahme aus dem RWE-Aktienpaket angeht, die 2012 zu erwarten steht, geht der DSW-Finanzchef so kaufmännisch vorsichtig an die Prognose heran, wie es sich für ein gut geführtes Unternehmen und einen ehrbaren Kaumann gehört. Dazu passt, dass Jacoby seine Kalkulation fürs nächste DSW-Geschäftsjahr nicht an die große Glocke hängen will: Einen konkreten Betrag für den erwarteten RWE-Aktienerlös nennt er nicht.

Immerhin gibt es Anhaltspunkte: Das Netto-Ergebnis, so hat die Essener Zentrale für das Geschäftsjahr 2011 schon signalisiert, werde um etwa 30 Prozent sinken. Dann wären es immer noch um 2,50 Euro, die RWE nach der Hauptversammlung im nächsten April ausschütten könnte. Was für die DSW nach Angaben von Jacoby auf einen Mindererlös von etwa 13 Millionen Euro hinausliefe. Ein Verlust, der zumindest teilweise durch die letzten Aktienzukäufe kompensiert werde.

Info

An der RWE-Beteiligung hat der Dortmunder Stadtkonzern nicht nur ein geschäftliches, sondern auch ein strategisches Interesse. Denn neben dem Erlös aus der Dividende schlagen noch weitere geldwerte Vorteile zu Buche. Mit weit über 1000 Beschäftigten zählt RWE zu den wichtigsten privaten Arbeitgebern in Dortmund. Da fallen nicht nur Millionen an Gewerbesteuern für die Stadt an, sondern auch der kommunale Anteil von dem, was die nicht schlecht bezahlten Bediensteten an Einkommensteuern abführen.

Zudem kann das Oberzentrum Dortmund nicht das geringste Interesse daran haben, energiepolitisch und -wirtschaftlich zum Spielball fremder Interessen zu werden.