Dortmund

Dortmund: Arzt will Kindern helfen – und arbeitet dafür seit 15 Jahren an DIESEM Mammut-Projekt! „Das gab es bislang noch nicht“

Seit fast 15 Jahren baut Samuel Okae, Arzt in Dortmund, an einem Krankenhaus in Ghana. Wenn er nicht gerade selbst vor Ort ist, lässt er sich über Whatsapp über den aktuellen Stand informieren.
Seit fast 15 Jahren baut Samuel Okae, Arzt in Dortmund, an einem Krankenhaus in Ghana. Wenn er nicht gerade selbst vor Ort ist, lässt er sich über Whatsapp über den aktuellen Stand informieren.
Foto: DER WESTEN, privat

Dortmund. „Als ich diese Krankenhäuser gesehen habe, dachte ich im ersten Moment: ‚Die müsste man einfach abreißen‘“, sagt Dr. Samuel Okae. Er ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie an den Städtischen Kliniken in Dortmund.

Er redet aber nicht von einem Krankenhaus in Dortmund, oder einer anderen Stadt im Ruhrgebiet. Okae spricht von den Krankenhäusern im rund 7000 Kilometer entfernten Ghana, die er während eines Auslandsaufenthaltes zur Studienzeit besucht hat.

Seitdem hat der Arzt aus Dortmund einen Traum: Ein modernes Krankenhaus nach westlichen Standards in dem westafrikanischen Land bauen. Kinder unter fünf Jahren sollen dort kostenlos behandelt werden. Mehrere Jahre werkelt er daran komplett in Eigenregie, steckt jeden Cent in das Projekt. Doch dann passierte Unglaubliches.

Dortmund: Arzt plant Solidaritätskrankenhaus in Ghana

Samuel Okae geht mit schnellen Schritten durch den Eingangsbereich der Städtischen Kliniken in Dortmund. Er kommt gerade aus einer OP. Durch Treppen und Flure mit grünem Linoleum geht es zu seinem Büro. Es ist praktisch wie karg eingerichtet. Ein Schreibtisch, eine Liege, ein Waschbecken. An der Wand mehrere Poster von Knochen und Gelenken. Seine wachen Augen blicken gespannt. Er freut sich, wieder mit jemandem über sein Krankenhausprojekt reden zu dürfen.

„Die Idee eines Solidaritätskrankenhauses kam mir zum ersten Mal vor 14 oder 15 Jahren“, erzählt Samuel Okae. Als Student kam er nach Berlin an die Charité, bekam dort ein Stipendium und besuchte darüber mehrere Krankenhäuser in seinem Geburtsland. Damals, so Okae, habe er erstmals die miserablen Bedingungen realisiert: „Natürlich war ich als Kind auch im Krankenhaus in Ghana. Obwohl ich selbst krank war, wollte ich auch damals den Menschen einfach helfen, hat mir meine Mutter über mich erzählt.“

Erst der Vergleich mit Krankenhäusern in Deutschland habe ihm dann jedoch die Augen geöffnet: „Patienten standen draußen in der Sonne, es gab kein Ultraschallgerät, kein EKG. Das hat mich echt traurig gemacht. Da wollte ich etwas ändern.“

„Solidaritätskrankenhaus“ heißt, dass die Starken hier für die Schwachen mitsorgen sollen. „Menschen mit Geld vertrauen den Krankenhäusern in Ghana häufig nicht“, erklärt er. Sie würden zur Behandlung oft ins Ausland fliegen. Verdenken kann er es ihnen nicht.

Hohe Kindersterblichkeit

Auch er habe einen Bekannten, der für Kernspinaufnahmen mit seinem Sohn in regelmäßigen Abständen aus Ghana nach Südafrika fliege. „Die Gesundheitsversorgung ist zum Teil katastrophal. Nur die Wenigsten haben eine Krankenversicherung. Meist ist es ein Cash-and-Caring-System. Wer Geld hat, wird versorgt.“

Genau diese Patienten will Okae mit einem hohen Standard in das Krankenhaus locken. „Mit ihrem Geld wollen wir Kinder unter fünf Jahren umsonst behandeln“, so der Mediziner. Sie seien durch das Gesundheitssystem besonders gefährdet. Liegt die Kindersterblichkeit in Deutschland bei 3 von 1000, ist dieser Wert in Ghana mehr als 13-mal so hoch. Das hat einen dramatischen wie einfachen Grund.

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„Jede Behandlung ist mit Kosten verbunden. Alles muss man bezahlen. Aber es gibt Familien, die wissen nicht, was sie am nächsten Tag essen sollen. Dann versucht man zu improvisieren, nutzt vermeintliche Hausmittel oder bringt sie zu traditionellen Heilern“, führt der Mediziner aus. Vor allem Malaria, der Todesursache Nummer eins, will er den Kampf ansagen: „Es gibt viele hoch wirksame Anti-Malaria-Mittel, eigentlich sollte niemand mehr daran sterben. Doch in Ghana ist das noch immer an der Tagesordnung. Nur, weil das Geld für die Behandlung fehlt.“

Etwa 100 bis 200 Kinder pro Tag will er nach der Fertigstellung dort versorgen. 130 Betten sind geplant. Zudem sollen rund 100 Arbeitsplätze geschaffen werden.

„Jedes Stück hat seine eigene Geschichte"

Plötzlich klingelt Okaes Handy. Er schaut kurz drauf, legt es zur Seite und entschuldigt sich. „Das waren die Bauarbeiter – die wollen wieder Geld“, sagt er lachend. Rund 2000 Euro schickt er im Moment in der Woche nach Ghana. Wie viel er in das Krankenhaus bereits investiert hat, weiß er gar nicht. „Vielleicht sind es 500.000, vielleicht 350.00 Euro.“ Seit rund zweieinhalb Jahren habe das Bau-Tempo aber merklich zugenommen.

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2011 begann er mit dem Bau. Seitdem nutzt er seinen kompletten Jahresurlaub für die Arbeiten vor Ort. Dann änderte ein Artikel der Pressestelle der Kliniken in Dortmund plötzlich alles. Danach sei die Hilfsbereitschaft fast explodiert. Es gründet sich ein Verein um das Projekt, Geld- und Sachspenden im Wert von zehntausenden Euro gehen bei ihm ein: „Wenn ich diese Sachen kaufen müsste, hätte das Projekt mindestens doppelt so lang gedauert. Mobiliar, Geräte, Fliesen, Rigips, Farbe – das hilft uns sehr.“

Etwa 15 Seecontainer voll haben Okae und sein Team bereits nach Westafrika verschifft. „Was wir haben, bauen wir ein“, sagt er lachend, und ergänzt: „Jedes Stück in diesem Krankenhaus hat seine eigene Geschichte.“

Von Hilfsbereitschaft beeindruckt

Es sind aber nicht nur Sachspenden und Geld, sondern auch Know-How, das zwischen den Kontinenten hin und her wandert. Regelmäßig fliegen Handwerker aus Deutschland nach Ghana, um dort beim Aufbau mitzuhelfen. „Auf ihre eigenen Kosten. Diese Hilfsbereitschaft finde ich einfach unglaublich beeindruckend“, sagt er gerührt und führt aus „ich bin sehr dankbar für die großartige Unterstützung, Alles hat mal ganz klein und heimlich bei mir allein angefangen, war mein eigener Wahnsinn. Inzwischen habe ich viele tolle Menschen kennengelernt, die freiwillig kommen, um zu helfen.“ Mit genügend Helfern, Geld und etwas Glück könnte das Krankenhaus sogar schon dieses Jahr eröffnet werden.

„So ein Projekt“, ist er sich sicher, „gab es bislang noch nicht“. Zumal ähnliche Unterfangen häufig aus dem Westen finanziert werden würden. Wenn Spenden ausblieben oder sich ein Geldgeber zurückziehe, lägen die Anlaufstellen brach. Das will er bei seinem Krankenhaus verhindern – dafür geht er einen drastischen Schritt.

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„Wenn das Projekt fertig ist, werde ich nach Ghana gehen und das Krankenhaus dort leiten. Es wäre schade, wenn es nicht funktioniert, weil jemand das Krankenhaus leitet, der nicht weiß, wie viel Schweiß und Interesse darin steckt.“ Es gehe schließlich auch um Nachhaltigkeit. Seine Familie stehe hinter dem Plan: „An Weihnachten wollte mein ältester Sohn kein Weihnachtsgeschenk haben, sondern das Geld für das Krankenhaus spenden.“

So kannst du helfen

Wenn du Samuel Okae bei seinem Krankenhausprojekt ebenfalls unterstützen möchtest, kannst du das auf verschiedene Art und Weise tun:

  • Bei Sachspenden kannst du dich direkt an Samuel Okae wenden. Seine Kontaktinfos findest du >>> hier.
  • Gerade werden dringen Menschen gesucht, die handwerklich begabt sind und sich vorstellen können, vor Ort beim Aufbau zu helfen.
  • Geld kannst du auf folgendes Konto spenden:
    Hilfe für Krankenhausbau in Ghana e.V.
    IBAN: DE41440400370322221300
    BIC: COBADEFFXXX
    Commerzbank

Alle Informationen rund um das Projekt findest du auch >>>hier. (dav)

 
 

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