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Dortmund: Altenheim-Chef warnt vor Corona-Lockerungen – „Tragen Tote raus!“

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Experten gehen von einer Zunahme der Häuslichen Gewalt während der Coronakrise aus. Durch Kontakt- oder Ausgangssperren sind Menschen gezwungenermaßen mehr mit ihrem Lebensgefährten zuhause. Wenn dieser gewalttätig ist, kann die Situation schnell eskalieren.

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Dortmund. Die Situation in Alten- und Pflegeheimen in Dortmund und dem Rest der Republik bleibt angespannt. Trotz, oder besser gesagt: wegen der Corona-Lockerungen.

Denn mittlerweile sind Besuche Angehöriger in den Einrichtungen wieder möglich. Verantwortliche von Heimen in Dortmund schlagen Alarm. Für sie steht das Leben vieler Menschen auf dem Spiel.

Dortmund: Altenheim-Chef warnt: „Ein Pflegeheim ist ein Inkubator“

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In Dortmund konnte das Coronavirus bislang erfolgreich aus Altenheimen ferngehalten werden. „Alle Pflegeheime und Mitarbeiter haben einen Top-Job gemacht“, lobt Martin Kaiser.

Den Lockerungen der Besuchsregeln ist der Geschäftsführer der Städtischen Seniorenheime in Dortmund jetzt äußerst skeptisch eingestellt. Der Grund: „Ein Pflegeheim ist ein Inkubator. Ist ein Infizierter drin, tragen wir 20 Tote raus“, warnt Kaiser im Gespräch mit den „Ruhrnachrichten“.

Besuche in Pflegeheimen möglich - unter strengen Auflagen

Nach der Verkündung der Lockerungen durch die Landesregierung zum 10. Mai fühlten sich viele Verantwortliche in Pflegeheimen alleingelassen. Unter strengen Auflagen sollten Angehörigen dann wieder Besuche ermöglicht werden.

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Zunächst getrennt durch Glasscheiben über Gegensprechanlagen. Unter entsprechenden Schutzmaßnahmen sollen Angehörige demnächst auch wieder auf die Zimmer der Bewohner dürfen. Terminvereinbarung und Schutzkleidung vorausgesetzt - und maximal über zwei Stunden.

Die Verantwortung zur Einhaltung der Hygieneregeln tragen die Pflegeheime. Kritik daran kommt auch aus Duisburg. Die Schutzkleidung für Angehörige sei in vielen Fällen nicht vorhanden. Und die Zeit zur Registrierung aller Besucher sei nicht vorhanden. „Unser Personal hat in der Coronazeit wirklich keine Langeweile“, sagt Ulrich Christofczik, Vorstand des evangelischen Christophoruswerks in Duisburg dem „WDR“.

„Es reicht der eine, der sich nicht daran hält...“

Besonders kritisch sieht Andreas Gora Treffen von Angehörigen außerhalb der Einrichtungen. „Ich muss dafür Sorge tragen, dass die Hygieneregeln dafür eingehalten werden. Doch dazu müsste ich jemanden mitschicken, was nicht geht“, erklärt der Geschäftsführer des Dortmunder Awo-Unterbezirks den „Ruhrnachrichten“.

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Gora warnt: „Es reicht der eine, der sich nicht daran hält...“. Alle Beteiligten stellen unmissverständlich klar, dass man sich über das Ende der Isolation aller Heimbewohner freue. Aber die fehlenden Möglichkeiten die Hygienevorgaben zu kontrollieren, sei äußerst problematisch.

Quarantäne nicht ausgeschlossen

Das bestätigt auch Elke Hammer-Kunze: „Im Zweifel würde das dazu führen, dass man Bewohner in Quarantäne nehmen muss“, so die stellvertretende Geschäftsführerin des Awo-Bezirks Westliches Westfalen gegenüber der Zeitung. Denn das Ende der Isolation könne nicht zu jedem Preis geschehen.

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Das Risiko und die eigene Verantwortung müsse jedem Angehörigen vor dem Besuch eines Angehörigen klar sein.

 
 

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