Dortmund

Dortmund: Mann rettet Frau vor psychisch krankem Schläger – „Es ging ums Überleben“

Dortmund: Ein Mann prügelte auf eine wehrlose Seniorin ein. (Symbolbild)
Dortmund: Ein Mann prügelte auf eine wehrlose Seniorin ein. (Symbolbild)
Foto: imago images

Dortmund. „Es war nur ein einziger Blick nach rechts“, erinnert sich Karsten Weisgut aus Dortmund. „Und schon wurde ich aus meinem Alltag heraus direkt eine Situation katapultiert, in der es ums Überleben ging.“

Der 38-Jährige spricht von einem einschneidenden Erlebnis, das sich am 5. Oktober 2018 zutrug – und das ihn mehr als ein Jahr später zu einem der drei Gewinner des „XY-Preis“ der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ machte.

Dortmund: Kita-Chef Karsten Weisgut fällt der spätere Täter schon früh auf

Karsten Weisgut, seines Zeichens Bezirksleiter mehrerer Kitas, kam am besagten 5. Oktober 2018 gerade von einer Fortbildung und wartete an der Haltestelle Dortmund-West auf die S-Bahn. Dabei fiel ihm ein Mann auf, der auf merkwürdige Art und Weise auf und ab ging. Weisgut vermutete zunächst, dass die Person eventuell unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen leide. Zunächst wandte er seinen Blick ab und schenkte dem Mann keine Aufmerksamkeit mehr – bis er einen Schrei hörte.

Dortmund: Attacke auf Seniorin – Karsten Weisgut wird zum Lebensretter

Die Stimme gehörte zu einer 77-jährigen Dame. Geschockt musste der 38-Jährige feststellen, dass der Mann (35), den er gerade noch gesehen hatte, die Seniorin umgestoßen hatte und ohne zu Zögern damit begann, massiv auf die Frau einzutreten.

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„Mein erstes Gefühl war direkt: Du musst was tun, der tritt die tot!“ erzählt Karsten Weisgut. Er brüllte den Angreifer an, rief „Polizei!“ in der Hoffnung, dass einer der Umstehenden den Notruf wählen würde. Im vollen Spurt rannte er zu der älteren Dame und stieß den Angreifer weg.

„Ich habe nur funktioniert und mir keine Gedanken gemacht, was mir jetzt passieren könnte“, beschreibt Karsten Weisgut seine Gefühlswelt in diesem Moment. Nach seinem Stoß landete der Täter auf dem Boden und blieb dort kurz liegen.

Weisgut wehrt einen zweiten Angriffsversuch des Täters ab

Diesen Augenblick nutzte Karsten Weisgut, um die verletzte Seniorin hochzuziehen. „Wir müssen so schnell wie möglich hier weg“, habe er ihr gesagt. Doch dann merkte er, dass der Täter sich wieder aufgerappelt hatte und nun auf ihn und die Dame zustürmte. In dieser Sekunde, so erinnert sich Karsten Weisgut, bekam er es mit der Angst zu tun.

„Ich habe nur auf die Hände des Täters geguckt, ob er vielleicht eine Waffe gezogen hat“, erzählt er. „Die Frau war verletzt, ich konnte nicht einfach weg. Hier hätte es zu einem echten Kampf kommen können!“ Dennoch stellte sich Karsten Weisgut schützend vor die 77-jährige Seniorin und versuchte, den Angreifer mit lautem Brüllen einzuschüchtern – mit Erfolg! Der Mann wich zurück, setzte sich auf eine Bank und zündete sich eine Zigarette an, als wäre nichts gewesen.

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Mithilfe einer jungen Frau, die die Polizei verständigt hatte, konnte Karsten Weisgut die Seniorin etwas abseits von der S-Bahn-Station in Sicherheit bringen. Eine Gruppe Schüler, die vom Leibniz-Gymnasium zur S-Bahn-Haltestelle wollten, konnte er noch vor dem Angreifer warnen. Kurz danach konnte die Polizei den Täter fassen. Er wurde mittlerweile in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen.

Karsten Weingut wurde mit dem „XY-Preis“ für seine Zivilcourage belohnt

Tatsächlich war es die Seniorin selbst, die Karsten Weisgut für den „XY-Preis“ vorschlug. Dies teilte sie ihrem Retter mit, als sie sich am Telefon für dessen Hilfe bedankte. „Mir war gar nicht so bekannt, was das eigentlich für ein Preis ist“, gibt Karsten Weingut zu.

Im Februar 2019 wurde er dann von einem Mitarbeiter von „Aktenzeichen XY“ interviewt. Anschließend herrschte monatelang Funkstille. Erst in der zweiten Oktoberhälfte erfuhr er dann, dass er zu den drei glücklichen Gewinnern des „XY-Preises“ gehört. Am 20. November bekam er den mit 10.000 Euro dotierten Preis offiziell verliehen.

„Ich finde schön, dass mein Einsatz und das damit verbundene Risiko so gewürdigt werden“, gibt Karsten Weisgut zu, stellt aber direkt auch klar: „Aber ich nehme mich da nicht so wichtig. Das war jetzt nichts, wo ich etwas geleistet habe, was man so anerkennen muss. Denn eigentlich ist das für mich eine Selbstverständlichkeit, da einzugreifen.“

Karsten Weisguts Appell: „Es muss ein Ruck durch die Gesellschaft gehen“

„Ich glaube, wenn es um das Leben eines anderen geht, würde ich mich schon als mutig bezeichnet“, sagt Karsten Weisgut und spricht von einem sogenannten „Notmodus“, in den man beim Verteidigen des eigenen oder eines anderen Lebens verfällt.

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Über die Erlebnisse vom 5. Oktober 2018 hat er in den Wochen danach noch oft nachgedacht. Die Mitmenschen in der Straßenbahn hat er sich plötzlich sehr viel genauer angesehen. Medienberichte über ähnliche Ereignisse, die kein so gutes Ende fanden, bewegen ihn umso stärker. „Was wäre, wenn ich so etwas mitansehe, aber in dem Moment dann nicht so funktionieren kann wie damals in Dortmund?“ fragt er sich selbst. „Auf solche Ausnahmesituationen kann dich keine Fortbildung vorbereiten.“

 
 

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