Digitale Folklore: Besuch im Internet der 1990er-Jahre

Das Internet ist inzwischen fast genauso riesig und unübersichtlich wie das physische Universum - doch wo kommt es her? Damit beschäftigt sich die Ausstellung "Digitale Folklore" des Hartware Medienkunstvereins im U-Turm. Sie zeigt: Als das Internet noch ein Kind war, in den 90er-Jahren, war es bunt, wild und naiv und bereits viele Hunderttausend Webseiten groß.

Dortmund.. Wer heute Mitte 30 oder älter ist, erinnert sich wahrscheinlich an die "Under Construction"-Schilder, die in den 90er- und frühen Nuller-Jahren auf ungezählten Webseiten prangten und mitteilten, dass die Webseite gerade noch im Aufbau war. Diese Schilder sieht man heute so gut wie gar nicht mehr.

Die Zeiten überdauert hat dagegen der Cat-Content: Katzen, süß, lustig oder schräg, gibt es heute immer noch, wenn auch meist als Video oder hochauflösendes Foto und nicht mehr als Mini-Bildchen wie zu den Anfangszeiten des Internets.

Die Erfindungen und die Macken

Das sind zwei der rund 20 Phänomene aus der Frühzeit des Internets, die in der Schau "Digitale Folklore" im HMKV im U-Turm zu sehen sind. Die Schau zeigt die Erfindungen - und die Macken - der ersten Webseiten, die private Nutzer im Internet der 90er-Jahre erstellt haben.

Damals standen den vielen Amateur-Webseiten-Gestaltern sehr viel weniger Werkzeuge zur Verfügung als heute. Digitalkameras, Webcams, Smartphones für Videos und Selfies waren noch nicht erschwinglich oder noch nicht erfunden.

Die Geburt der Gif-Dateien

Stattdessen gab es Gif-Dateien, diese kleinen bewegten Fotos oder Grafiken, die einen kurzen Bewegunsgablauf simulieren konnten, immer und immer wieder. Sie wurden für die unterschiedlichsten Zwecke benutzt: mal dekorativ um die eigene Webseite in einem bestimmten Stil aufzuhübschen, mal demonstrativ um eine Meinung zu unterstreichen, manchmal auch völlig willkürlich.