Dieser Dortmunder macht Mode aus Müll

Jana Schoo
Schallplatten hat Thomas Zigahn zu Schalen geformt und Buch-Seiten so gefaltet, dass sie Wörter ergeben und Deko-Gegenstände sind.
Schallplatten hat Thomas Zigahn zu Schalen geformt und Buch-Seiten so gefaltet, dass sie Wörter ergeben und Deko-Gegenstände sind.
Foto: Dieter Menne
Müll ist für den Dortmunder Thomas Zigahn Kunst. Die präsentiert der Bastler auf Messen in ganz Deutschland - und in seinem kleinen Verkaufsraum.

Dortmund. Was andere wegschmeißen, macht Thomas Zigahn zu Geld. Müll ist für ihn Kunst. Die präsentiert der Bastler auf Messen in ganz Deutschland - und in seinem kleinen Verkaufsraum an der Rheinischen Straße.

Seinen alten Job war Thomas Zigahn im Sommer vor zwei Jahren leid. Er hat er als Sonderpädagoge gearbeitet. Aber es passte nicht mit ihm und dem System Schule. Dann studierte er noch einmal, Rehabilitationswissenschaften, arbeitete im Jugendbereich. "Aber dieser Beruf als Pädagoge hat mich nicht erfüllt", sagt er. Also kündigte er. Und hatte erst mal nichts. Bis sein letzter Gürtel kaputt ging. Ein veganer Gürtel. Thomas Zigahn lebt und ernährt sich ohne Tierprodukte. Ein Gürtel, den er so schnell nicht habe nachkaufen können. "Also hab ich mir selbst einen gebastelt", sagt er, zieht seinen Pullover ein Stück hoch und zeigt einen alten Fahrradschlauch, der jetzt seiner Hose Halt gibt. "Den trag ich immer noch."

Unternehmen gegründet

Drei Monate später gründete er sein Upcycling-Unternehmen "Tanz auf Ruinen". Seit Anfang 2014 arbeitet er als freischaffender Künstler. Die Produkte, die Zigahn herstellt, entstehen alle aus Produkten, die irgendwann mal eine andere Funktion hatten. Schmuck aus alten Briefmarken Aus alten Briefmarken macht er Schmuck. Neu sind bei Ohrringen etwa nur die Haken. "Würde ich die aus altem Draht machen, würde sie sich keiner ins Ohr stecken wollen", sagt Zigahn. Verpackt wird der Schmuck in alten Diskettenhüllen. Und aus den Disketten selbst macht er Notizbücher. Aussortierte Schallplatten werden zu Uhren. Oder Zigahn erhitzt sie und formt sie zu Schalen. Aus Altpapier, etwa Katalogen, bastelt er Briefumschläge - das sieht hübsch aus. Und Magazine eigneten sich mit den vielen schönen Motiven auch ganz wunderbar, um damit alte Möbel zu bekleben.

In kaputten Elektrogeräten findet Thomas Zigahn immer wieder Teilchen, etwa kleine Batterien, die die schönsten Farben haben - und sich wunderbar als Ohrringe machen. Tetrapacks werden zu Tetramonnaies für das Kleingeld. Kronkorken werden mit Unterstützung von Fahrradreifen, Weinkork und Stromkabeln zu Schlüsselanhängern. Aus alten Plastikkarten werden Gitarrenpleks. Durchgelesene, abgewetzte Bücher nutzt Zigahn für kleine Kunstwerke: Er faltet die Seiten zu Worten. Das hat er sich alles selbst beigebracht. Viele offene Ideen Die Ideenliste ist unendlich lang. "Ich habe noch einen ganzen Ordner voll Ideen, die ich wohl niemals alle umsetzen werde", sagt der Upcycling-Künstler.

Einkaufen muss er keines seiner Materialien. "Das ist alles Haushaltsmüll oder es sind Dinge, die Leute wegwerfen würden." Sie bringen sie ihm vorbei. Allein in dem Raum in Dortmund stapeln sich alte Magazine bis zur Decke. In seiner Werkstatt in Dinslaken - mit der er gerne nach Dortmund umziehen möchte - lagert er hingegen die Dinge, die Dreck machen, zum Beispiel die Fahrradreifen. "Da klebt erst mal noch alles dran, was so auf der Straße liegt." Hinter seiner Arbeit, das ist ihm wichtig, steckt nicht nur viel Kreativität und der Wille, zu verkaufen, sondern auch eine Botschaft. "Ich löse sicher nicht das Müllproblem", sagt Zigahn. "Aber ich möchte zeigen, dass man damit auch anders umgehen kann."

Upcycling-Workshops

Gemeinsam mit dem Verein "Die Urbanisten", der direkt nebenan seine Räume hat, will er bald eine Upcycling-Werkstatt aufbauen. In Workshops gibt er schon jetzt regelmäßig sein Wissen weiter. Das Interesse am Aufwerten und dem Wieder-Wertvoll-Machen von Abfallprodukten - was Upcycling im Gegensatz zu Recycling bedeutet - sei von Anfang an groß gewesen. "Der Begriff Upcycling ist präsenter, es gibt mehr Veranstaltungen dazu." Er erreiche damit bislang dennoch nur eine Gruppe, die ohnehin schon umweltbewusst und nachhaltig denke. Dabei kann Müll so wertvoll sein.