Die Wunschzeitung will den Markt erobern

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Die Wunschzeitung, der multimediale Alleskönner, der Print-König und die Bürgerzeitung - sie alle haben einen Weg gefunden, wie sie der Zukunft auf dem Medienmarkt begegnen wollen. Vier Geschäftsmodelle stellen sich vor.

Der Lieblings-Blog im Print – minderjährige Reporter – bekennende Twitter-Verweigerer – Leser als Redaktionsleiter: Vier neue Geschäftsmodelle, vier Wege in die Zukunft - oder aus der Vergangenheit?

Niiu will jeden Wunsch erfüllen: Wirtschaft aus dem Handelsblatt, internationale Politik aus der New York Times, Sport aus der BILD, Regionales aus der Berliner Morgenpost und: „In Zukunft vielleicht auch der Trierische Volksfreund“, hofft jedenfalls Steve Stein, Technischer Leiter der Niiu. Beim Forum Lokaljournalismus 2010 warb er für seine sogenannte Wunschzeitung: „Wir wollen regionale Kooperationspartner finden. Vielleicht sprechen Sie mich später einfach an.“ Die würden bisher allerdings nur in Berlin auf Wunsch gelesen werden können; noch erscheint Niiu nur in der Hauptstadt. Bis jetzt hat Niiu 18 Vertragspartner und 600 Internetquellen vorzuweisen, aus denen die Abonnenten wählen können. 1,60 Euro kosten die 24 Seiten einer Ausgabe, mit 1,20 Euro kommen Studenten preiswerter weg – „unsere Hauptzielgruppe“, wie Stein betont.

Freie Mitarbeiter ab 17 Jahren

Auch yourzz.fm setzt auf Jugend: „Wir haben freie Mitarbeiter, die sind 17 Jahre alt – da musste ich erst mit den Eltern sprechen, bevor die bei uns mitarbeiten konnten“, berichtet Andreas Heine, Chefredakteur Radio Märkischer Kreis (MK), aus dem Redaktionsalltag. Jung sind nicht nur die Mitarbeiter: Die Zielgruppe von yourzz.fm hat Pickel. Zehn- bis Zwanzigjährige – „Von dieser Zielgruppe werden wir später mal leben müssen.“ Die Jugendlichen werden auf allen Kanälen bedient: Radio, Internet und Zeitung greifen ineinander. Zeitung und Radio bestimmen zusammen das Thema des Tages. Die Hintergründe werden Schwarz auf Weiß gedruckt, die Emotionen schwappen über den Äther, die Community tummelt sich im Netz.

Das KinderEcho setzt noch früher an: „Wir versuchen das Medium Zeitung bei Kindern bekannt zu machen“, erklärt Jörg Riebartsch, Chefredakteur der EchoZeitungen. Und das nach einem ganz simplen Prinzip: „Wir wollen Kindern nicht die Atompolitik des Iran erklären – die versteht deren Präsident ja selber nicht. Sondern wir wollen Kindern die Welt erklären.“ Zur KinderEcho kommen noch das MittagsEcho und das WirtschaftsEcho. „Wir haben - völlig bekloppt – ein lokales Wirtschaftsmagazin auf den Markt gebracht, als alle anderen ihre Ausgaben zurückgefahren haben“, sagt der Chefredakteur. Wer ein großes Hotel im Odenwald zur Hundepension umbaut, findet sich hier wieder. „So entsteht eine Geschichte, von der man weiß, ohne dass es einer ins Facebook reingeschrieben hat.“ Denn das Printprodukt steht in diesem Verlag im Mittelpunkt. „Ich bekenne mich auch dazu, dass wir nicht twittern“, kokettiert Jörg Riebartsch mit seinem konservativen Image. „Wir haben ganz altmodische Ideen. Wir wollen mit unseren publizistischen Fähigkeiten Produkte auf den Markt bringen, die sich rentieren.“

Leser bestimmen die Inhalte der Bürgerzeitung mit

Stefan Kläsener, kommissarischer Chefredakteur der Braunschweiger Zeitung, will das Konzept Bürgerzeitung zur Westfalenpost bringen. Leserbeteiligung und Meinungsaustausch mit den Abonnenten wird groß geschrieben: Die Leserredaktion bestimmt die Inhalte mit, Leser üben Blattkritik, jede Woche gibt’s ein Leser-Interview einer bekannten Persönlichkeit. Statt anonymer Forums-User setzt Kläsener auf lebendige Leser. „Unsere Redakteure müssen sehr kritikfähig sein, wenn Leser über ihre Texte meckern. Das ist ein schwieriger Lernprozess“, so der Fachmann. Doch Leser böten die Chance, mit ihren Ideen frischen Wind in ein vielleicht angestaubtes Blatt zu pusten. Als Bürgerreporter und Journalisten-Ersatz will er seine Leserredakteure aber nicht missverstanden wissen: „Journalisten sind keine Spediteure. Wir sind diejenigen, die Inhalte neu verpacken.“ Und das, findet Kläsener, geht durchaus auch offline: „Das Interaktive des Internets, das kann man auch im Print spielen. Ideal wär’s natürlich, wenn man’s crossmedial macht.“

 
 

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