Die Tücke mit den Radwegen

Radfahrstreifen auf der Hohen Straße.
Radfahrstreifen auf der Hohen Straße.
Foto: WR/Franz Luthe

Dortmund. Frühlingszeit, Radfahrzeit. Wann, wenn nicht jetzt, wird der Drahtesel aus dem Keller geholt, geölt und in den frischen Morgen geradelt. Es hat sich in Dortmund etwas getan. Radweg ist aber nicht mehr gleich Radweg. Welche Rechte und Pflichten gibt es auf welchem Weg?

Schutzstreifen

Eine Neuheit, die Zweiradfahrer etwas verwirrt, sind die so genannten Schutzstreifen. Es gibt sie zum Beispiel auf der Rheinischen Straße und auf der Holtbrügge (Wellinghofen). Kennzeichen sind unterbrochene Linien am rechten Fahrbahnrand. „Schutzstreifen sind nur Hilfsradwege, weil auch Autos darüber fahren, wenn auf der schmalen Fahrbahn zum Beispiel bei breiten Lkw und Bussen nicht mehr genug Platz ist“, erläutert Karl-Heinz Kibowski vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club. Für ihn sind die Schutzstreifen nichts Halbes und nichts Ganzes. Kibowski: „Autofahrer dürfen auf Schutzstreifen sogar halten.“ Andererseits ahnt der Autofahrer, dass hier ein Radfahrer auch seine Berechtigung hat.

Radfahrstreifen

Besser ist allemal ein vollwertiger Radfahrstreifen, wie er seit der Fußball-WM auf der Hohen Straße besteht. Dieser Streifen muss von Autofahrern freigehalten werden. Dieser darf nur darüber fahren, um zum Beispiel auf einem Parkstreifen einzuparken.

Bordsteinradwege

Weit verbreitet sind in Dortmund noch die so genannten „Bordsteinradwege“. Das sind Radwege aus den 80-er und 90-er Jahren, die früher einmal rote Klinker hatten - wie zum Beispiel auf der Ruhrallee und auf der Märkischen Straße. Kibowski erläutert, dass diese Wege nicht mehr benutzungspflichtig sind, weil sie nicht den Anforderungen entsprechen. Andererseits entspricht auch die Fahrbahn nicht den Bedürfnissen der Radfahrer. Deshalb: 90 Prozent der Radler nutzen diese Wege noch.

Kombinierte Wege

Noch kritischer sind die kombinierten Rad- und Fußwege - vor allem, wenn sie in räumlicher Enge in der City liegen. Hier hat das Tiefbauamt in letzter Zeit öfters die Schilder entfernt. Besonders ältere Radfahrer und Kinder über 10 Jahren nutzen dennoch diese kombinierten Wege, wenn sie sich nicht auf die vollen Fahrbahnen trauen.

Geöffnete Einbahnstraßen

Seit einigen Jahren - zunächst mit spitzen Fingern angefasst - gibt es Einbahnstraßen, die auch in Gegenrichtung für Radler geöffnet wurden. So in der Innenstadt zum Beispiel in der Prinz-Friedrich-Karl-Straße. Sowohl Radfahrer als auch Autofahrer müssen hier aufpassen. Das gibt besonders für die Einmündungen. Kibowski gibt aber Entwarnung.: „Die Sorgen waren unbegründet; es sind hier nicht mehr Unfälle passiert.“

Stückwerk - und die Halbherzigkeit zeigend - ist zum Beispiel ein unterbrochener, teils rot markierter Radweg gegen die Richtung auf der Viktoriastraße. Der faule Kompromiss: 15 Meter Radweg, 15 Meter Haltezone zum Be- und Entladen, dann wieder Radweg und so weiter.

Radwegbenutzungspflicht

Die Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht aufgrund eines Urteils des Bundesverwaltungsgerichtes von Ende 2010 hat für weitere Verwirrung gesorgt. Grundsätzlich dürfen demnach Radfahrer auf der Straße fahren - außer unter ganz bestimmten Gefahrensituationen. Das heißt: Die Beschilderung von Radwegen mit den blauen Radwegschildern und damit die Bedingungen der Radwegbenutzungspflicht ist sehr strengen Richtlinien unterworfen worden. „Wegen des Urteils müssen jetzt alle betroffenen Behörden die Notwendigkeit der Beschilderung überprüfen“, weiß der ADFC.

Schließlich gibt es noch die schlechten Radwege, die schon aufgrund ihres offensichtlich baulichen Zustands nicht zum Befahren geeignet sind. „Hier müssen die Schilder abgenommen werden“, fordert der ADFC und nennt z. B. den westlichen Radweg der Flughafenstraße zwischen Hannöverscher und Caesariusstraße und den ebenfalls aufgewellten Radweg auf der Nordseite der Stockumer Straße in Renninghausen.

 
 

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