Die Pflege muss gepflegt werden

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Die Zahl der Pflegebedürftigten und der Beschäftigten in der Pflege driftet dramatisch auseinander.

Dortmund.. Deutschland wird älter. Und pflegebedürftiger. Der Notstand ist längst da. Und er wird sich dramatisch potenzieren. Wenn die Pflege – Betroffene, Beschäftigte, Bereiche – nicht endlich selbst „gepflegt“ wird.

2009 wurden in NRW 509.000 Pflegebedürftige gezählt. 2030 werden es 750.000 sein und bis 2050 wird sich die Zahl verdoppelt haben. Und das, sagte gestern Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes NRW vor der Veranstaltung „Pflege – ortsnah, solidarisch und am Menschen orientiert“ im Reinoldinum, „ist erst die Spitze des Eisbergs.“ Demenzkranke seien in diese Statistik gar nicht einbezogen. Im gleichen Atemzug nehme die Zahl der Erwerbstätigen in diesem Bereich ab. Zurzeit sei jeder Zehnte in der Gesundheits- und Pflegewirtschaft tätig. „2050 müsste das jeder 4. sein“. Bis 2030 würden allein in NRW zusätzlich 37.000 Pflegekräfte benötigt.

Fachkräfte wandern ab nach Skandinavien

In einem Beruf also, der „Knochenjob ist“, in dem, so Annelie Buntenbach, (Mitglied des Geschäftsführenden Bundesvorstands des DGB), die Fachkräfte abwandern nach Skandinavien oder in ganz andere Berufsfelder wechseln. Weil: „Löhne und Arbeitsbedingungen nicht attraktiv sind“. – Und das bei einer Dienstleistung am Menschen. Die zurzeit im Minutentakt gerechnet wird.

Hier sehen sowohl Landesregierung als auch Gewerkschaft die entscheidenden Ansatzpunkte. Aber: „Gute Bezahlung allein reicht nicht aus.“ Steffens: „Es geht vor allem um die Rahmenbedingungen. Damit die Mitarbeiter ihren eigenen Anforderungen gerecht werden können“.

Pflege ist ein Frauenberuf

Und den Beruf weiterhin wählen. Pflege ist nämlich zumeist ein Frauenberuf. Und im Zuge des Fachkräftemangels werde „der Run auf Frauen ein anderer sein. Und deshalb werden wir künftig auch einen Teil der Pflege, die zurzeit noch in der Familie stattfindet, abdecken müssen“. Immerhin sind von den drei Millionen pflegenden Angehörigen 70 Prozent Frauen, zwei Drittel davon im erwerbstätigen Alter. Und 79 Prozent beklagen die schlechte Vereinbarkeit von Pflege und Beruf.

Ansätze: „Mehr ausbilden, bessere Qualifizierung, eine Akademisierung als Aufwertung des Berufes, die Finanzierung einer qualifizierten Umschulung von Langzeitarbeitslosen, andere Versorgungsmodelle, bessere Bezahlung.“ Und das möglichst ab gestern...

 
 

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