„Die Perser“ ohne Feuer bei Dortmund-Premiere

Die Perser im Schauspiel Dortmund. Foto: Knut Vahlensieck
Die Perser im Schauspiel Dortmund. Foto: Knut Vahlensieck
Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund. Aischylos ist der älteste unter den griechischen Tragödiendichtern wie Sophokles und Euripides - nur sieben seiner Stücke sind erhalten. Darunter gelten „Die Perser“ als ältestes Drama der Welt. Die Themen aber versprechen, wehrhaft gegen jede Staubschicht zu sein: Der Konflikt von Orient und Okzident und das menschliche Problem der Überheblichkeit brennen noch heute. Regisseur Marcus Lobbes hingegen hat in Dortmund alles getan, um das Feuer zu löschen.

Turban, Tunika, das Maschinengewehr im Anschlag - das sind die Perser. Die Globalisierung hat ihnen eine amerikanische Spielzeug-Kulisse aus gelbem Bagger und bonbonbuntem „Ruby-Tuesday“-Restaurant beschert. Bühne und Kostüme von Christoph Ernst zeigen deutlich, dass der Zuschauer die westliche Vorstellung von Persern zu sehen bekommt, nicht die Realität.

Eine Konstruktion, die bereits in dem Stück von Aischylos angelegt ist: 480 vor Christus wurde die übermächtige Flotte des persischen Königs Xerxes in der Schlacht von Salamis vernichtend von den Griechen geschlagen. Ein historisches Ereignis, das Aischylos selbst miterlebte - und anschließend aus der Perspektive der Verlierer erzählte. Eine eindringliche Warnung vor Selbstüberschätzung und Hybris.

Die auch im Theater selbst nicht ungehört bleiben sollte: Natürlich ist es eine Entscheidung, wenn ein Regisseur eine Inszenierung ohne starkes Konzept angeht – in Dortmund aber führt sie Marcus Lobbes ins Leere. Die fünf Schauspieler — Matthias Breitenbach, Melanie Lüninghöner, Sebastian Graf, Björn Gabriel und Christoph Jöde – sind die gesamte Zeit auf der Bühne und wirken schmerzlich verloren. Tapfer experimentieren sie mit dem Stück sowie mit der Idee von Schauspiel und Selbstinszenierung: Matthias Breitenbach als Chorführer des Ältestenrats etwa wechselt in seinem Monolog über die Vorbereitungen des griechischen Heers vom deklamierenden Ton ins Hämische, Ironische, Nu-schelnde; Melanie Lüninghöner verwandelt sich als Königsmutter Atossa von einer zynischen Furie in ein stampfendes Kind.

Abstruse Aktionen

Immer wieder stürzen sich die Darsteller in abstruse Aktionen, rappen, reiten auf dem Bagger, rennen in ein Dixie-Klo, imitieren slapstick-artig das Schlachtgeschehen. Wo keine Handlung ist, muss Ersatz her. Dabei steckt in dem Text starker Stoff, der in lichten Momenten durchscheint - wenn etwa Björn Gabriel als Dareios Geist über Hochmut spricht.

Marcus Lobbes allerdings lässt die Schätze brachliegen – was besonders für die Schauspieler eine Tragödie ist, denen man Potenzial und Spiellust anmerkt. Mit bangen Gesichtern treten sie am Ende vor den Vorhang, um Verantwortung zu tragen für etwas, das sie nicht erdacht haben – und das ist verantwortungslos.

 
 

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