Dortmund

Die Dramen um die Namen

Jennifer von der Grün, die Witwe des 2005 verstorbenen Schriftstellers, enthüllte das neue Straßenschild.
Jennifer von der Grün, die Witwe des 2005 verstorbenen Schriftstellers, enthüllte das neue Straßenschild.
Foto: WR/Franz Luthe
Der Platz zwischen Katharinentreppe und Hauptbahnhof heißt nun offiziell „Max-von-der-Grün-Platz“. Doch einfach war der Prozess dieser Namensgebung ganz und gar nicht.

Dortmund. Ein Platz wird nach einer berühmten Person benannt. Das ist Alltag in Deutschland, eine schöne Geste, im Grunde ganz harmlos. Doch schaut man sich an, wie der „Max-von-der-Grün-Platz“ zu seinem Namen gekommen ist, wird deutlich, zu welchem Drama sich eine solche Namensgebung entwickeln kann – ein Drama, an dem sogar Koalitionen zerbrechen können.

2006, ein Jahr nach dem Tod des berühmten Schriftstellers Max von der Grün, ging es los: Sein Name sollte die Lanstroper Straße zieren. In der Bezirksvertretung (BV) Scharnhorst wurde der Vorschlag aber gekippt. Argument: Man solle lieber eine „Straße mit überörtlichem Charakter oder einen Platz im Zentrum der Stadt“ nach Herrn von der Grün benennen.

Ein Platz vor dem "U"

Gefunden wurde ein solcher Platz 2009. Und zwar vor dem frisch sanierten „U“. Der damalige Bezirksbürgermeister der Innenstadt West, Ulrich Krüger (SPD), warf diesen Vorschlag in die Runde – allerdings ohne vorher die Koalitionspartner von den Grünen zu fragen, erinnert sich der heutige Bezirksbürgermeister Friedrich Fuß (Grüne). Letztlich habe dieses Vorpreschen der SPD den Anfang vom Ende der rot-grünen Koalition in der BV bedeutet.

Jedenfalls änderten sich die Mehrheiten in der Bezirksvertretung, und Max von der Grün verschwand plötzlich von der Liste potenzieller Namensgeber für den Platz vor dem „U“. Denn hierfür solle man lieber einen bildenden Künstler nehmen, und keinen Schriftsteller, hieß es Anfang 2010. Welch dramatische, fast satirisch anmutenden Ausmaße die Namensgebung rund um das „U“daraufhin annahm, ist hinlänglich bekannt.

Das Denkmal steht noch aus

Max von der Grün wurde derweil für den Platz zwischen Hauptbahnhof und Katharinentreppe vorgeschlagen, den Platz, auf dem auch die Stadt- und Landesbibliothek steht. Im November 2010 wurde dieser Vorschlag in der BV beschlossen und gestern dann endlich umgesetzt.

Ein Denkmal für Max von der Grün soll es übrigens auch noch geben. Wann? Abwarten.

 
 

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