Die Brückenbauer für Kreative

Der stellv. ECCE-Direktor Bernd Fesel. Foto: Ralf Rottmann
Der stellv. ECCE-Direktor Bernd Fesel. Foto: Ralf Rottmann
Foto: WR-Ralf Rottmann

Bei der Aussprache fängt es schon an. Deswegen jetzt einmal zum vorlesen: „Etsche“. Damit ist zumindest klar, wie man das „European Centre for Creative Economy“ (ECCE) adressiert. Was sich hinter dem Etikett verbirgt, gleicht aber einer Black Box, obwohl das Europäische Zentrum für Kreativwirtschaft unter Federführung von Prof. Dieter Gorny in der Kulturhauptstadt schon längst seine Arbeit aufgenommen hat. Die Eröffnung des Büros am U zum 4. April aber nutzt der stellvertretende Direktor Bernd Fesel, um Licht in das Dunkel der vier Buchstaben zu bringen.

Es ist symbolträchtig, dass es noch keine funktionierende Klingel gibt, als unsere Zeitung Bernd Fesel besucht. Reinkommen ist nicht einfach – man muss sich seinen Weg suchen: Das passt zu dem Versuch zu verstehen, was ECCE eigentlich macht. „Das ist ein weites Feld“, würde Theodor Fontane sagen. Fesel versucht es mit einem Dreiklang: Die urbane Entwicklung von Kreativquartieren sowie die Strukturentwicklung kreativer Branchen im Ruhrgebiet fördern plus auf europäischer Ebene Image- und Kontaktpflege betreiben.

Damit sind gut 14 Mitarbeiter in Dortmund beschäftigt, immer noch finanziert vom Land NRW und der Ruhr.2010. Ausgebrütet wurde das ECCE-Kind schon 2009 gemeinsam mit den Ideen für die Kulturhauptstadt – immer mit dem Ziel, auch über 2010 hinaus zu wirken. Stichwort Nachhaltigkeit.

Das zieht sich auch durch alle Aufgabengebiete:

Zur Entwicklung von Kreativquartieren will ECCE dazu beitragen, dass sich mehr kreative Menschen in Stadtteilen niederlassen, die es brauchen: „Unser Blick richtet sich nicht mehr auf Leuchttürme, die saniert werden müssen, sondern auf Leerstände, die man nutzt, wie sie sind“, erklärt Fesel. „Es reicht nicht, allein in einen Leuchtturm Geld zu stecken – man muss auch in das Umfeld investieren.“ Der U-Turm mit der Rheinischen Straße ist so ein Beispiel.
Das Kalkül: Je mehr Kreative, umso schneller könne ein Stadtteil wiederbelebt werden – und mit Galerien, Cafés, Geschäften „Flair“ gewinnen. Dass so etwas funktioniert, sei an Berlin, Wien aber auch Essen zu sehen. Deswegen sollen die Quartiersmanager, die 2010 als Ansprechpartner eingesetzt wurden, weitermachen. Und deswegen hat ECCE schon drei Mal einen runden Tisch mit Vertretern aus Stadtverwaltung, Kreativ- und Immobilienwirtschaft angeboten. „Im Idealfall finden sich Künstler und Eigentümer. Das ist wie ein Marktforum.“ Wenn also Aktivisten wie jene von „UZDO“ Leerstände suchen, die Stadt aber wegen des Verwaltungsaufwands nicht schnell genug reagieren kann, könnte ECCE im Idealfall mit einer passenden Lokalität beispringen. Initiativen wie „Brück Auf“ etwa hat ECCE schon mit aufgebaut. „So eine integrative Strategie ist wichtiger als Geld“, sagt Fesel – zur Not aber leistet ECCE auch Anschubfinanzierung für Initiativen wie das Theater Lebendich.

Brücken bauen zwischen den Partnern, die zusammenpassen – das ist eine Aufgabe, die das Zentrum auch bei der Strukturentwicklung kreativer Branchen übernimmt: In Mülheim etwa hat ECCE geholfen, Spieleentwickler, Sounddesigner, Werbefilmer etc. in einer „Games Factory“ zusammenzubringen. Leute also, die sich unterstützen und gemeinsam mehr erreichen können als allein.

Auf EU-Ebene sorgt ECCE dafür, dass bei neuen Förderrichtlinien auch an Kreativwirtschaft gedacht wird. Und bringt lokale Akteure mit europäischen Auftraggebern zusammen. Die Kritik, dass es bei all dem um eine Verwirtschaftlichung von Kreativität gehe, sieht Fesel als „Gespenster- und Missverständnisdebatte“: ECCE verbessere die Bedingungen für jene, die wirtschaftlich arbeiten wollen – unterstütze aber ebenso kulturelle Impulse, die der Stadt Vorteile bringen, die sich nicht in Geld messen lassen. „Die Ökonomie verlangt nicht, dass alles refinanziert wird.“

 
 

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