DFB treibt den Bau des Fußballmuseums offensiv voran

Der 1. Spatenstich des Fußballmuseums wird am 20. September gefeiert.
Der 1. Spatenstich des Fußballmuseums wird am 20. September gefeiert.
Foto: WR
Zuletzt kam die Stiftung DFB Fußballmuseum nicht recht voran - nun aber ist totale Offensive angesagt. Der 1. Spatenstich wird am 20. September gefeiert. Im Beisein von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft.

Dortmund.. Neue Kräfte freigesetzt: Im August bekommt die gGmbH, von Deutschem Fußball-Bund und Stadt gemeinsam gegründet, das frühere Busbahnhofs-Grundstück am Königswall übertragen. Und inzwischen steht auch fest: Das Fußballmuseum ist gar kein Museum. Jedenfalls nicht fürs Finanzamt.

Am 2. August wird Harald Heinze, Landesbeauftragter für den (aufgelösten) Rat, grünes Licht geben für die Unterzeichnung des Erbbaurechtsvertrages über 99 Jahre zwischen Stadt und Stiftung. Dann wechselt der Grund und Boden, mit 6000 Quadratmeter etwas größer als ein Spielfeld, unentgeltlich den Besitzer.

„Anspruchsvolle Erlebniswelt“

Auf dem Areal, das bislang der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) belegt hatte, will die Stiftung bis 2014 etwa 36 Millionen Euro investieren. Die „repräsentative, innovative, multimediale und inhaltlich anspruchsvolle Erlebniswelt“, die das Fußballmuseum werden möchte, wird nach den Plänen des Düsseldorfer Architekturbüros Hentrich-Petschnigg & Partner hoch gezogen. Der Bauantrag liege seit 30. Mai vor, berichtet Michael Keßeler, von der Stadt aufgestellter Geschäftsführer der Stiftung Fußballmuseum. Mit der Genehmigung sei Anfang September zu rechnen. „Über Details wird noch gesprochen. Aber in den wesentlichen Fragen sind wir uns einig.“

Mit dem Anmarsch der Bagger rechnet Keßeler noch in diesem Herbst. Die Vergabe der Aufträge laufe über die zentrale Vergabe- und Beschaffungsstelle der Stadtverwaltung. „Das Leistungsverzeichnis für die Baugrube ist schon auf dem Markt.“

Bezirksregierung: Projekt ist ein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb

Dass sich die Offensivkräfte jetzt voll reinhängen können - danach hatte es zuletzt gar nicht ausgesehen. Das zuständige Finanzamt Dortmund-West setzte, was die Frage der steuerlichen Behandlung angeht, zur Grätsche an.

Das Prestigeprojekt trägt den Begriff Museum im Namen, und das Land NRW schießt 18,5, der DFB etwa acht und die Stadt Dortmund 3,2 Mio Euro zu - das wird denn wohl auch ein Museum sein. So dachte man dort und wollte der Stiftung schon eine entsprechende Auskunft erteilen.

Was bedeutet hätte: Zwar sind die späteren Einnahmen der Stiftung, zum Beispiel aus Eintrittsgeldern, steuerfrei. Dafür fällt in der Bauphase der Vorsteuerabzug weg; ein Museum gilt als Endverbraucher und zahlt bei jeder Handwerkerrechnung brav die Mehrwertsteuer obendrauf. Das wiederum hätte bedeutet: Von der Investitionssumme fließen 19 Prozent ans Finanzamt - und eben nicht in den Bau und dessen Ausstattung.

Mantel des Schweigens

Was dem Oberbürgermeister, Stadtplaner und politischem Projektmanager die Zornesröte ins Gesicht trieb. Ullrich Sierau (SPD) fackelte nicht lange und schrieb dem von seinem Genossen Dr. Norbert Walter-Borjans geführten NRW-Finanzministerium einen geharnischten Brief. Tenor: Das Fußballmuseum sei gar kein Museum und müsse steuerlich unbedingt behandelt werden wie ein „wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb“.

Düsseldorf spielte gleich wieder ab: Das müsse die für Museen zuständige Landesbehörde entscheiden. Damit kam die ebenfalls SPD-geführte Bezirksregierung Arnsberg urplötzlich in Ballbesitz.

In Arnsberg kam man schnell zu dem Schluss, das Fußballmuseum könne gar kein Museum sein. Schließlich gehe es beim künftigen Besuchermagneten am Königswall um alles andere als um „wissenschaftliche Sammlungen oder Kunstsammlungen“, so die gesetzliche Museums-Definition. Der Logik hatte das Finanzamt denn auch nichts mehr entgegen zu setzen.

Beide Seiten decken über diesen Vorgang den Mantel des Schweigens. Claus Pusch, Sprecher der Finanzverwaltung in Dortmund, bestätigt, dass man der Stiftung eine verbindliche Auskunft erteilt habe. Wessen Inhalts, sagt er nicht. „Das unterliegt dem Steuergeheimnis.“Genauso zugeknöpft gab sich gestern Michael Keßeler: „Zu steuerrechtlichen Fragen sage ich nichts.“ So viel sagt er aber doch: „Museum - das ist kein geschützter Begriff.“

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