DEW startet Angriff in fremden Revieren

Gregor Beushausen
Der Briefkasten der Firma an der Speicherstraße 23 (Gebäude der Hafen AG). Foto: Knut Vahlensieck
Der Briefkasten der Firma an der Speicherstraße 23 (Gebäude der Hafen AG). Foto: Knut Vahlensieck
Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund. Seit geraumer Zeit muss sich der heimische Energielieferant DEW21 rund 50 Wettbewerber erwehren, die das angestammte Revier streitig machen und in Dortmund auf Kundenfang gehen. Jetzt will DEW-Boss Dr. Frank Brinkmann seinen Ankündigungen Taten folgen lassen und „zurückschlagen“. Auch wenn DEW-Sprecherin Martina Sprotte noch hinter den Berg hält („Wir sind erst in den Vorbereitungen“): Der Gegenangriff auf andere Reviere steht kurz bevor.

Denn: Die neue Vertriebstochter, die auf fremden Weiden äsen soll, ist laut Eintrag im Handelsregister am 21. Februar aus der Taufe gehoben worden. „StadtEnergie GmbH“ heißt der jüngste Unternehmensspross, den DEW von der Leine lassen will. Die Aufgabe: „die energiewirtschaftliche Betätigung innerhalb der Bundesrepublik Deutschland im Bereich der Strom-, Gas- und Wärmeversorgung.“ Mit anderen Worten: Die vom Gesetzgeber gesteckten Grenzen, nach denen außerhalb des Gemeindegebietes nicht „gewildert“ werden durfte, sind gelockert. DEW kann zum Gegenschlag ausholen.

Wechsler noch im einstelligen Prozentbereich

Bislang hat DEW es mehr oder weniger hingenommen, dass Fremdanbieter wie die Kölner Rhein-Energie, die Frankfurter Mainova und sogar die Stadtwerke Essen in Dortmund um Strom- und Gaskunden buhlen. Zwar hält DEW mit Festpreisangeboten für heimische Gaskunden und mit Marketingauftritten („Lokalpatriot“) dagegen, bewegt sich die Zahl der Wechsler im „einstelligen Prozentbereich“, wie DEW-Boss Brinkmann Ende 2010 formulierte. Aber schon mittelfristig sei damit zu rechnen, dass die Zahl auf „zehn Prozent“ steige.

Dem will man nicht tatenlos zusehen. Mit welchen Kampfpreisen StadtEnergie zum Gegenangriff blasen will, wieviel verschiedene Tarife man anbietet, welche Kundenzahlen man intern zugrunde legt - all das lässt Sprecherin Martina Sprotte vorerst offen. Dabei liegt auf der Hand, dass StadtEnergie nur erfolgreich sein kann, wenn es Tarife aufruft, die unter den Preisen der lokalen Versorger liegen. Gut möglich, dass Brinkmann & Co. erst einmal mit Anlaufverlusten rechnen.

Keine „Drückerkolonnen“

Verschlossen zeigt man sich (bislang) bei DEW auch in der Frage, auf welche Art die neue Kampftochter StadtEnergie Kunden abspenstig machen soll: Spekulationen, StadtEnergie werde (wie manch anderer Anbieter) „Drückerkolonnen“ in seine Dienste nehmen, weist Sprecherin Sprotte zurück. „Das werden wir nicht machen.“ In rund sechs Wochen soll StadtEnergie von der Leine gelassen werden.

Die Vorbereitungen stehen: Wer die Gesellschaft in der DEW-Zentrale am Ostwall vermutet, liegt falsch: StadtEnergie hat still und leise sein Domizil, das bislang kaum mehr als eine Briefkastenadresse ist, in der Verwaltung der Hafen AG an der Speicherstraße 23, aufgeschlagen. An der Spitze des Unternehmens, das ohne viel Personal auskommen soll, stehen die beiden Geschäftsführer Werner Döhmann und Jost Raven. Raven ist in Personalunion Vertriebschef von DEW.