DEW kündigt in Dortmund Stellenabbau an

Gerald Nill
Der Gasbehälter rechts wird stillgelegt. Die Gaskugel könnte Windenergie nach Umwandlung in Wasserstoff zwischenspeichern.
Der Gasbehälter rechts wird stillgelegt. Die Gaskugel könnte Windenergie nach Umwandlung in Wasserstoff zwischenspeichern.
Foto: Linz/PiLi
Die Energiewende fordert ihren Tribut. Nicht nur die ganz großen Energieversorger müssen bluten und streichen tausende Stellen. Auch Dortmunds Versorger DEW muss sich neu aufstellen. Das erklärte DEW-Chef Dr. Frank Brinkmann.

Dortmund. Die Energiewende fordert ihren Tribut. Nicht nur die ganz großen Energieversorger müssen bluten und streichen tausende Stellen. Auch DEW muss sich neu aufstellen. Das erklärte DEW-Chef Dr. Frank Brinkmann am Donnerstagabend. Er fordert eine „Ergebnisverbesserung von 25 Millionen Euro im Jahr“, um den Gesellschaftern Stadt und DEW Renditen im derzeitigen Umfang ausschütten zu können.

Ein Kostentreiber erster Güte ist für den heimischen Energieversorger das Gemeinschaftskraftwerk Gekko in Hamm, an dem sich DEW nach einem hauchdünnen Ratsbeschluss beteiligt hatte. Ein kapitaler Fehler, wie man heute weiß.

DEW-Chef Dr. Frank Brinkmann bezeichnete es einmal mehr als „Geldverlustmaschine“. Gekko geriet durch enorme Bauverzögerungen, Kostenexplosionen in die Schlagzeilen und wird auch künftig, wenn es einmal fertig ist, völlig unrentabel sein. Das heißt: DEW muss Energie abnehmen zu Preisen, die weit über dem Markt liegen.

Gekko belastet mit 10 Mio. Euro jährlich

DEW-Vorstand Manfred Kossack bezifferte die Belastungen durch Gekko auf „jährlich zehn Millionen Euro und darüber“.

Er erklärte, dass DEW deshalb nicht um eine Reduzierung der insgesamt 1000 Stellen herumkommen werde. In welcher Höhe, das solle aktuell mit einem Unternehmensberater ermittelt werden. Eines sei aber klar: „Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben.“ Die Ergebnisse der Studie mit dem schönen Namen „Exzellenzprogramm“ würden zur Jahresmitte vorliegen und dann den Gesellschaftern vorgelegt.

200 Mio. Euro für grünen Strom

Bei aller Euphorie für die regenerative Energie - DEW will 200 Millionen Euro in zehn Jahren in die Erzeugung von dann 20 Prozent Ökostrom investieren - komme man nicht um konventionelle Kraftwerke herum. „In den nächsten 20 Jahren wird man sie noch benötigen“, so Brinkmann und spielte auf den Erwerb der Steag-Kraftwerke an. „Wir sind glücklich damit“, sagte der DEW-Chef. Kein Wunder - bei 12,5 Prozent Rendite.

Gleichzeitig werde DEW neue Märkte erschließen müssen und sich stärker in der Region aufstellen. DEW-Technik-Vorstand Dr. Ralf Karpowski kann sich vorstellen, dass seine Leute Kunden aus der Industrie zusätzliche Services anbieten, die neue Einnahmen erschließen. „Wir müssen regionale Potenziale nutzen“, fordert er.

Neue Märkte erschließen

Auch bei der Vermarktung von Energie jenseits der Stadtgrenzen will DEW noch eine Schüppe drauf legen, wie Unternehmenssprecherin Dr. Martina Sprotte ankündigte: „Bis Ende dieses Jahres werden wir bundesweit vertreten sein.

Der Vertrieb der Marke „Stadtenergie“ sei im Aufbau. „Wir sind in den ersten Städten erfolgreich“, sagte sie. Dabei handele es sich um günstige Online-Angebote.

Dortmunds Versorger DEW21 will die Energiewende aktiv mitgestalten. Dazu will das Unternehmen 200 Millionen Euro in den nächsten zehn Jahren in den Ausbau regenerativ erzeugter Energie investieren. DEW-Chef-Dr. Frank Brinkmann setzt weiter auf den Bau von Windenergieparks.

Pilotprojekt für Energiespeicher geplant

Für die Gasbehälter in Lindenhorst hat DEW besondere Pläne. Sie könnten durch Umwandlung in Wasserstoff als Speicher für überschüssigen Ökostrom dienen. Die Machbarkeitsstudie läuft.

„Der Markt hat sich geändert“, sagt Technik-Vorstand Dr. Ralf Karpowski. Die beiden Erdgasbehälter in Lindenhorst, die für die „Stundenspitzenbrechung“ verwendet wurden, werden eigentlich nicht mehr benötigt. „Den Scheibengasbehälter werden wir stilllegen“, so Karpowski. „Mit dem anderen könnten wir eine spannende Technologie nach Dortmund holen.“

Ökostrom durch Elektrolyse speichern

Und so geht’s: Windräder drehen sich auch nachts, wenn wenig Strom benötigt wird. Photovoltaikanlagen erzeugen mittags den meisten Strom. Die Spitzenzeiten im Verbrauch liegen aber morgens und abends. Schon heute gibt es Zeiten, in denen überschüssiger Ökostrom „verschrottet“ werden muss, weil es zu gewissen Zeitpunkten nicht genug Abnehmer gibt.

Eine Speichermöglichkeit könnten Elektroautos sein. Karpowski macht kein Geheimnis daraus, dass er diese Lösung nicht für die beste hält.

Er denkt an den vorhandenen Kugelgasbehälter und die Flüssiggastanks in Lindenhorst. Die könnten Öko-Strom „parken“.

Varianten zur Verwertung

Technisch funktioniert die Speicherung über die Elektrolyse, die aus Strom Wasserstoff erzeugen kann. Dann gäbe es drei Verwendungsmöglichkeiten: den Wasserstoff dem Erdgas beimischen, ihn über ein Blockheizkraftwerk wieder in Strom (und Wärme) zurückverwandeln oder ihn an Dritte verkaufen.

Der Wirkungsgrad sei mit 80 Prozent Ausbeute sehr hoch. Mit der Energiemenge in der Kugel lässt sich Dortmund an Wintertagen immerhin ein bis zwei Stunden lang versorgen.

Der Vorteil: In Lindenhorst hält DEW bereits die gesamte benötigte Infrastruktur vor, nämlich eine 1000 KW-Station, den Gasspeicher und einen Fernwärmeanschluss. Eine Studie ist bereits in Auftrag gegeben worden, um die Machbarkeit zur Speicherung der „volatilen“ Öko-Energie zu prüfen.