DerWesten und Geierabend suchen Vorschläge für „Pannekopp“ 2012

Tobias Fülbeck
2011 ging der Pannekopp-Orden der Ruhrpott-Comedy-Karnevalisten Geierabend an die Dortmunder PCB-Skandalfirma  Envio. Foto: Ralf Rottmann
2011 ging der Pannekopp-Orden der Ruhrpott-Comedy-Karnevalisten Geierabend an die Dortmunder PCB-Skandalfirma Envio. Foto: Ralf Rottmann
Foto: WR-Ralf Rottmann
„Steiger“ Martin Kaysh (49) ist der Erfinder und Jurypräsident des Geierabend-Ordens Pannekopp. Wer den nächsten Schrott-Preis der schrägen Comedy-Karnevalisten 2012 absahnt, ist offen. DerWesten-Nutzer können Vorschläge aus dem gesamten Verbreitungsgebiet einschicken, als Lohn winken Karten. Die Frist läuft heute, 23.12., ab.

Ruhrgebiet/Dortmund. Martin Kaysh, den „Steiger“ der Ruhrpott-Karnevalisten Geierabend, spricht man besser nicht auf seine merkwürdige Arbeitskluft an. Dabei sieht sie doch nun wirklich merkwürdig aus. So untypisch für die Rolle eines Bergarbeiters. Federn schmücken die Schulterpartie, Tiger-Fell-Imitat sorgt für den besonderen Schick der Knopfleiste. Spricht man ihn aber auf die schräge Uniform an, gibt’s grimmige Grimassen. Die Schuhe, erzählt der 49-Jährige dann verteidigend, sind Originale. „Darauf lege ich Wert. Das sind Stiefel von der Zeche Auguste Victoria, Schacht 3/7.“

Außer den Original-Schuhen der früheren Ruhrkohle AG ist aber nichts normal beim Ruhrpott-Karneval. Auch der Orden, der am Ende dieser Session zum nunmehr zehnten Mal verliehen wird, ist die reinste Parodie. Gewählt wird der „Pannekopp des Jahres“ für „besondere Verdienste im Ruhrgebiet“.

2004 ging der 28-Kilo-Stahlschrott-Preis an die Kaufleute von „Borussia Dortmund“ um Pleite-Präsident Gerd Niebaum. Weitere Preisträger, um nur einige zu nennen: Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff für seinen „Strukturwandel de luxe” bei der Insolvenz des Essener Karstadt-Quelle-Konzerns, die Schauspielerin Veronica Ferres für die „Reinerhaltung der Sprache im Ruhrgebiet”, und Anfang des Jahres die Entsorgungsfirma Envio für ihr vorbildhaftes „Bio-Recycling“, wie Kaysch es ironisch nennt.

In dieser Session stehen die Nominierten noch nicht fest. Die Vorentscheidung trifft der Mann mit Federn und Tigerfell: „Steiger“ Kaysh ist Autor, Kabarettist, Borusse aus Recklinghausen, hat immer einen Spruch auf den Lippen, ist meinungsfreudig - und derzeit gestresst. Denn, erzählt er im Schatten der Fördertürme auf dem Gelände der Zeche Zollern in Bövinghausen, ganz heiße Kandidaten gebe es diesmal noch nicht.

Absurdes für Adolf Sauerland

Klar, Adolf Sauerland ist ein Name, der gefallen ist. „Aber eine Zeitung hat den ja jetzt als besten Duisburger ausgezeichnet“, frotzelt der „Steiger“. Daher: „So was Absurdes können wir mit dem Panne-Orden nicht mehr toppen.“ Da biete sich eher die Dortmunder Polizei an: „Für konsequentes Wegschauen“. Bezogen auf einen konkreten Fall? „Nein, nein“, wiegelt Kaysh ab. „So ganz generell.“ Und nennt dann doch den Überfall auf die linke Szenekneipe Hirsch-Q, der bis jetzt nicht lückenlos aufgeklärt sei.

Kaysh sprudelt die Namen nur so heraus, die für den Pannekopp-Orden in Fragen kommen könnten. Das Dortmunder U, der gescheiterte XXL-Weihnachtsbaum-Ball für die Riesentanne, zugleich auch Themen aus Bottrop, Mülheim, Unna oder Breckerfeld. Heißt: Als Ruhrpottler mit Leib und Seele blickt er in das gesamte Umland, vom Sauerland über Westfalen bis zum Niederrhein.

Vorschläge erwünscht

Aber – und das ist der Druck, den er hat – so richtig überzeugt hat ihn bisher noch keiner der Kandidaten. Er hofft auf noch mehr Vorschläge aus hiesigen Gefilden. „Viele nennen leider immer wieder Angela Merkel und Philip Rösler für ihre ‚Verdienste‘ in der Euro-Krise.“ Das ist aber gerade das, was Kaysh, nicht will. „Der Pannekopp muss aus der Region stammen.“

Bis zur 10. Verleihung des Pannekopp am Veilchendienstag (21. Februar 2012) muss der Orden aber erstmal wieder auftauchen. Das Original steht fest verankert im Essener Ruhrmuseum, und die Kunstschmied-Kopie ist defekt. Diese Kopie hatte das Ruhrmuseum den Veranstaltern gesponsert, die eine Versicherungssumme festlegen mussten. Der ideele Wert – unbezahlbar. Der tatsächliche Wert: „Ich kann ja schlecht sagen, dass das nur `ne Kiste Bier wert ist“, sagt Kaysh. Er gab darum 3000 Euro an...

Das „i“-Tüpfelchen fehlt

Doch jetzt wird die Versicherung fällig. Denn das „i“ vom Geierabend ist abgefallen. „Nun muss ein Kunstschmied, der sonst historische Beschläge für alte Truhen restauriert und alte Lampen lötet, unseren Schrott reparieren.“

Martin Kaysh geht durch die mächtigen Maschinenhallen, in denen am 5. Januar der Geierabend startet und „ganz demokratisch“ wieder bis zu insgesamt 17.000 Zuschauer ihre Pannekopp-Stimmen abgeben. Der AWO-Oppa Karl-Heinz, im echten Leben Hans Martin Eickmann, huscht kurz durch einen Hintereingang, erinnert an die Proben, die noch in dieser Woche beginnen. Die Texte stehen, die Schalke-Witze sind geschrieben – jetzt geht’s auf die Bühne.

Mitmachen, vorschlagen und gewinnen

DerWesten-User können helfen und Vorschläge aus dem gesamten Verbreitungsgebiet (vom Ruhrpott über Westfalen und Sauerland bis zum Niederrhein) einsenden. Wer verdient den Orden “Pannekopp“ 2012, wer hat sich wo 2011 besonders blöd angestellt? Konkrete Vorschläge - möglichst mit kurzer Begründung - bitte per E-Mail an geierabend@derwesten.de schicken. Bitte Name und Erreichbarkeit angeben.

Unter allen Einsendern verlosen wir 3x2 Karten für die finale Verleihungs-Vorstellung an Veilchendienstag auf Zeche Zollern in Dortmund. Einsendeschluss für die Vorschläge ist der 23. Dezember. Das Geierabend-Publikum entscheidet dann bei den Vorstellungen ab dem 5. Januar mit Lärmbekundungen, wer den Orden 2012 erhält und damit in der Fastenzeit herumlaufen kann bzw. soll.