Der U-Turm macht Dortmunds Kultur-Bilanz kaputt

Dortmund.. „Das Kulturhauptstadtjahr 2010 war für die Kulturbetriebe das bedeutendste, das ich je in unserer Geschichte erlebt habe“, sagt Leiter Kurt Eichler. Und gäbe es das U nicht – die Kulturbetriebe hätten das Jahr gut abgeschlossen. So aber mussten sie 2010 mit einem Verlust von 1,7 Millionen Euro abschließen. Und die Zukunft ist noch nicht kalkulierbar – weder für das U noch für das Micro-Festival.

Ein Defizit von 1, 7 Millionen Euro beschert das U den Dortmunder Kulturbetrieben 2010, wobei die Betriebskosten noch kalkuliert werden. Viele Besucher soll der U-Turm 2010 angelockt haben: Von Juni bis Jahresende waren es 100 000. In diesem Jahr kamen bislang 60.000, so Dortmunds Kulturberiebe-Chef Kurt Eichler. Allerdings zahlen sie keinen Eintritt, um das Gebäude zu sehen. Zwei weitere Knackpunkte in Sachen U gibt es:

Im September 2011 soll die Etage für kulturelle Bildung eröffnen. Wer sie aber leitet und woher das Personal kommen soll, sei noch unklar. „Aus unserem Bestand können wir das nicht leisten“, sagt Eichler. Schließlich hätten die Kulturbetriebe in den letzten zehn Jahren 53 Vollzeitstellen und damit 14 Prozent Personal abbauen müssen – so dass es 2010 noch 381 Beschäftigte waren. Bei der Finanzierung der 2. Etage gilt: Das Land will sich beteiligen – „aber die Stadt wird noch etwas dazutun müssen“, so Eichler.

Bis September will Eichler die Kalkulation der Betriebskosten zusammen haben. Und diesmal auf „valideren Grundlagen“, als sie das Gutachten von 2008 bot: Was damals für die Kosten zu Grunde gelegt wurde, hatte mit der Realität wenig zu tun – so dass 2010 insbesondere baubedingte Mängel für die 1,7 Millionen Euro Defizit (trotz entsprechend höherer Zulagen der Stadt) sorgen. Jetzt aber weiß Eichler dank des bisherigen Betriebs mehr über Personal- und Energiekosten. Und das lässt schon im 1. Quartal 2011 wenig Gutes ahnen: Die Bewachung kostete 137 000 Euro mehr als erwartet, für weiteres Personal wird mit Zusatzkosten 700 000 Euro gerechnet.

Die Kulturbetriebe können für 2010 aber auch Erfolge aufweisen:

Das Kulturbüro hat im Förderungs- und Festivalprogramm 300 000 Menschen erreicht – 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Dazu zählt auch das Micro!-Festival, dessen Finanzierung 2012 aber ungeklärt ist. Wie Eichler berichtet, wird es ausschließlich aus eigenen Mitteln finanziert; Sponsoren seien nicht zu finden. Außerdem warten 2012 drei Festivals: Polen in NRW, Favoriten und „scene“. Off limits hingegen ist erstmal nicht geplant.

Der 6 Millionen Euro teure Umbau des N aturkundemuseums hat begonnen. Das neue Aquarium soll allerdings erst ab Herbst zu sehen sein. Insgesamt soll die Maßnahme mit Erneuerung der Dauerausstellung, neuem Eingang und Café 2013 abgeschlossen sein.

Die Musikschule konnte dank „Jedem Kind ein Instrument“ ihre Schülerzahlen von 5000 auf 10 000 verdoppeln. Die Bibliotheken und das Keuning-Haus konnten ihre Nutzer- und Besucherzahlen stabilisieren.

Einige Projekte der Kulturhauptstadt sollen weiterleben: das RuhrHochdeutsch-Festival und die Nacht der Jugendkultur (im Oktober). Auch einige TWINS-Projekte sind im Gespräch.

 
 

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