Der schreibende Rettungssanitäter

Die Welt, in der Dennis Maßmann von Berufs wegen unterwegs ist, mal tags, mal nachts, ist nur selten eine erfreuliche Welt. Dennis Maßmann fährt als Rettungssanitäter durch unsere Stadt. Ganz offensichtlich aber hat sich der Retter so etwas wie eine Gegenwelt geschaffen. Dennis schreibt.

Dass der 33-Jährige recht ordentliche Texte zuwege bringt, war sogar seiner Mutter aufgefallen. Sie sandte zwei Erzählungen des Sohnes zum Wettbewerb LesArt-Preis für junge Literatur ein. Heimlich. Der Autor hätte sich mit seinen Texten selbst gar nicht an die Öffentlichkeit getraut.

Doch am Sonntagabend, Mutter sei Dank, nahm Dennis Maßmann in der Kassenhalle der Sparkasse Dortmund am Freistuhl aus der Hand von Uwe Samulewicz, dem Vorstandsvorsitzenden des Geldinstituts, den mit 750 € dotierten Preis entgegen. Die aus Literaturstudenten gebildete Jury hatte einstimmig den Text „Anna” als das Beste eingestuft, was der Wettbewerb in diesem Jahr zu bieten hatte.

„Anna” hat märchenhafte Züge, ist aber alles andere als ein Märchen. Heimkind erträumt sich im Wald ein eigenes Glück: eine Gaststätte, in der Reisende zum Essen eingeladen sind. Nur - der Traum hält nicht. Das Kind erfriert.

Eine reale Gaststätte betreibt Tine Wittler in Hamburg: die „Parallelwelt”. Das ist schlau ausgedacht. Die Wirtin lässt einen ganzen Roman in ihrem Lokal spielen, in dem man auf einem wundertätigen Elvis tanzt, was natürlich dem Umsatz am Tresen förderlich ist.

Außerdem webt Wittler, die einst bei Bravo TV begann, Stationen ihrer Fernsehkarriere in das Geschehen von „Wir wär'n dann so weit” mit ein. Das ist ihr fünftes Buch, das erste (unveröffentlichte) schrieb sie mit elf. Wittler nennt sich übrigens Unternehmerin, nicht Schriftstellerin

Mit ihrer Lesung im Anschluss an die Maßmann-Preisverleihung endete das diesjährige Literaturfestival LesArt.

Der Preisträger dürfte noch lange gefeiert haben - mit seiner Glücksfee. Mutter wurde am selben Tag sechzig.

 
 

EURE FAVORITEN