Der Pott ist reif für neue Helden - Arne Schulenberg aus Dortmund produziert Internet-Comics

Arne Schulenberg hat seine eigene Helden erschaffen.
Arne Schulenberg hat seine eigene Helden erschaffen.
Foto: privat

Dortmund.. Die Zeit ist reif für neue Helden. Echte Superhelden. Kommunikationsdesigner Arne Schulenberg entdeckte im Pott akuten Bedarf an Superkräften: Mit seinem Fotocomic „Union der Helden“ hat er im Internet ein Äquivalent zu Superman & Co. geschaffen – nur eben auf Ruhrgebietsart.

Stellen Sie sich vor, Sie liegen gerade gemütlich im Bett – und plötzlich riecht es in Ihrer Wohnung nach Omelett, das ein wildfremder älterer Herr für Sie zubereitet hat, damit Sie ein ganz anderes Pfund verdauen: Es gibt eine Parallelwelt, die sich nur in einem von unserer Realität unterscheidet – in ihr gibt es Superhelden. „Und ich brauche Deine Hilfe, um sie vor dem Bösen zu beschützen!“

So beginnt der Prolog der „Union der Helden“ und zugleich das neue Leben von dem überrumpelten Marc: Vom Studenten an der FH Dortmund wird er plötzlich zum Erzengel, der, weil sein Großvater bei einem Grubenunglück verzaubertes Grubenwasser getrunken hat, nun mit Metallen verschmelzen kann.

Grubenunglück, Bergbau, Erz – Arne Schulenberg hat vor drei Jahren nicht nur beschlossen, dem akuten Superheldenmangel in Deutschland ein Ende zu bereiten, sondern auch, seine erfundene Crew eng mit den Eigenarten des Ruhrgebiets zu verzahnen. So bewegen sich seine Figuren auf dem Friedensplatz, im subrosa oder dem Westfalenpark – mit dem kleinen Unterschied, dass sie über Superkräfte verfügen.

„Für mich hat es einen ungeheuren Reiz, das in unserer Realität spielen zu lassen“, sagt der 34-Jährige. Der auch schnell wusste, dass ein gezeichneter Comic zu dieser Art von Geschichte nicht passen würde – und deshalb den Fotografen Jens Sundheim aus dem Künstlerhaus mit ins Boot holte. Während die in Comicstripform arrangierten Fotografien die Illusionen von Lebensnähe erzeugen, sorgen Animationen und Spezialeffekte von Kämpfen, Blitzen, Flügen für die Magie.

All das aber wäre nichts ohne weitere Helden, die den Erzengel unterstützen. Und bei der Besetzung zeigt Arne Schulenberg sowohl seine Vorliebe für trockenen Humor als auch direkte Ansprache: Da ist zum Beispiel jener ältere Herr vom Anfang der Geschichte der sich „Der Eine Der Weiß“ nennt – denn er hat alles im Kopf, was mindestens fünf andere Menschen auch wissen „Sonst wäre er zu mächtig. Und man muss sich ja auch eine Hintertür aufhalten.“ Oder Lynn, das ewige Opfer, die als Running Gag konzipiert war – bis Schulenberg erkannte, wie viel Potenzial in einer Figur steckt, die stets anstelle anderer stirbt. In der Allianz des Bösen kämpfen hingegen Manero, Fürst der Bochumer Unterwelt, oder schlicht „Der Wittener“ und „Der Sprecher“.

Die Darsteller hat Arne Schulenberg teils gecastet – wie eben den Erzengel, teils gefunden oder aus der wachsenden Leserschaft von mittlerweile 12 000 Fans pro Monat rekrutiert. Zu der gehört auch Boris Gott, der prompt als „Nordstadt-Barde“ mit mächtiger Gitarre angetreten ist – weil die Helden stets etwas mit dem echten Menschen zu tun haben sollen. Nur aus sich selbst hat Arne Schulenberg keinen Heroen geschmiedet: „Ich bin lieber Heldenmacher, als einer der Helden zu sein.“

Schließlich will er mit der Union irgendwann Geld verdienen und möglichst für ganz Deutschland seine Helden schaffen – sozusagen die „Justice League“ der Bundesrepublik.

Immerhin kooperiert er jetzt schon mit dem „U“, das sich als Hauptquartier der Helden nahezu aufdrängte. OB Ullrich Sierau war sogar bereit, bei einer der vielen Teileröffnungen des Kreativturms den fiktiven Superhelden für eine Comicfolge den Schlüssel mit einer improvisierten Rede zu überreichen. Möglich, dass die Union der Helden das U vor der Allianz des Bösen retten kann...

Die Union der Helden im Netz: www.unionderhelden.de

Das von Arne Schulenberg eigens in ein Fotocomic verwandelte Interview lässt sich in unserer Fotostrecke anschauen.

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