Der Flirtstratege der Genossen

Carsten Menzel
Horst Wenzel arbeitet als Flirtcoach.
Horst Wenzel arbeitet als Flirtcoach.
Foto: WAZ FotoPool
Horst Wenzel (24) hat sich selbstständig gemacht – und hört mit der Politik auf.

Westerfilde. Vom aufstrebenden Politiknachwuchs zu Amors Assistenten: Horst Wenzel, einst jüngster SPD-Ortsvereinschef Deutschlands, gibt sein Amt bei den Westerfilder Genossinnen und Genossen auf. Der 24-Jährige hat sich selbstständig gemacht – als Flirttrainer.

Flirten macht Spaß und jeder kann es lernen.“ Sagt der smarte Blondschopf und lächelt alle Zweifel weg, bevor sie nur aufkommen können. Seine Geschäftsidee scheint jedenfalls reichlich Potenzial zu haben: in Männern, die sich nicht trauen, Frauen anzusprechen. „Kein Schicksal ist in Stein gemeißelt, niemand muss sich mit Misserfolg abfinden“, urteilt Horst Wenzel und nennt Tipps und Rezepte für den Erfolg beim anderen Geschlecht: „Zeigen, dass man(n) eine Leidenschaft“, etwa. Und: Nicht zu „ernst flirten“, lieber witzig und ruhig emotional sein, denn „Frauen entscheiden schließlich auch emotional“.

Theoretisch hört sich das durchaus nachvollziehbar an. Bei der Theorie bleibt es aber in der Flirt-University, in der es auch Style-Berater und Dating-Trainer gibt, nicht: Nach der Arbeit an der inneren Einstellung, dem Auftreten und möglichen Themen für ein Gespräch „gehen wir raus“ – zur praktischen Übung am lebenden Objekt.

Hauptberuflich Liebeshelfer

„Schöne Frauen rennen überall rum. Und es hat viel mehr Reiz, sie direkt anzusprechen“, sagt der hauptberufliche Liebeshelfer, der von Online-Dating „gar nichts hält“. Von seiner Geschäftsidee ist Jungunternehmer Wenzel so sehr überzeugt, dass er dafür sein Studium der Wirtschaftsinformatik an der Universität in Münster gegen die Selbstständigkeit mit der Flirt-University getauscht hat.

Nicht die einzige Veränderung: „Ich werde mich aus der Politik komplett zurückziehen“, kündigt der SPD-Ortsvereinschef von Westerfilde, dem viele eine steile politische Karriere prophezeiten, an. Offenbar hat er das richtige Gespür: Sein neuer Beruf lässt sich mit der Berufung, für eine Partei zu arbeiten, die sich Gleichstellung und Emanzipation auf ihre Fahnen geschrieben hat, nur schwer vereinbaren. Mindestens würde sie ihn leicht angreifbar machen, als Chauvinisten etwa. Denn die Flirtakademie scheint nah an der US-Fernsehserie „How I met your mother“ aufgezogen.

„Ich bleibe ein flirtender Sozialdemokrat“, beschreibt Wenzel seinen Abschied aus der Politik. Bleibt die Frage, wie es denn privat um den Flirt-Strategen steht: „Ich bin glücklich“, sagt der 24-Jährige. Und lächelt wieder...