Der erzwungene Strukturwandel nach Krupps Hoesch-Übernahme

Seit Oktober 1991 gab es fast täglich Proteste bei Hoesch gegen die Übernahme durch Krupp. Das Bild entstand im „Fahrradschuppen“ der Westfalenhütte. Foto: Helmuth Voßgraff
Seit Oktober 1991 gab es fast täglich Proteste bei Hoesch gegen die Übernahme durch Krupp. Das Bild entstand im „Fahrradschuppen“ der Westfalenhütte. Foto: Helmuth Voßgraff
Foto: WAZ
200 Jahre Firmengeschichte feiert der Krupp-Konzern. Für Dortmund begann vor 20 Jahren das Ende der Hoesch-Firmengeschichte, nachdem Krupp die feindliche Übernahme von Hoesch bekannt gab.

Dortmund.. Die Bombe platzte im Oktober 1991: Heimlich hatte der Krupp-Konzern 24,9 Prozent der Aktien der Hoesch AG aufgekauft. Weitere 30 Prozent Anteile hatten Krupps Bank-Partner (WestLB und Schweizerische Kreditanstalt) erworben. Krupp-Chef Gerhard Cromme hatte die feindliche Übernahme heimlich vorbereitet. Zuvor hatte bei Hoesch ein Macht-Vakuum geherrscht.

Nachdem Detlev Karsten Rohwedder 1990 von Hoesch zur Treuhandanstalt wechselte, konnten sich Arbeitgeber und -nehmervertreter im Aufsichtsrat zu lange nicht auf einen Vorstandsvorsitzenden einigen, der den Deal hätte verhindern können.

1991 zählte der Hoesch-Konzern über 52.000 Beschäftigte und machte 12,6 Mrd. Mark Umsatz (Krupp: 59.000 Mitarbeiter, 15,6 Mrd. Mark Umsatz). Als Nachfolger von Rohwedder hatte Karl-Josef Neukirchen, zwei Monate bevor der Cromme-Coup öffentlich wurde, begonnen, das Konzept „Hoesch 2000“ zu erstellen. Neukirchens Pläne wurden von Krupp durchkreuzt. Und als die Dortmunder Stahlwerker zu einer Welle von Protesten gegen den absehbaren Kahlschlag aufstanden, waren die Weichen längst gestellt. Auch die „Nacht der 1000 Feuer“ im Jahr 1993, bei der Hoeschianer die B1 blockierten, änderte nichts am Niedergang Dortmunds als Stahlstadt und dem drastischen Arbeitsplatzabbau.

Blanke Wut herrschte im Hörder Stahlwerk, als Hans-Wilhelm Grasshoff, der damalige Direktor der Stahl AG, das Aus für Hochöfen und das Stahlwerk Hörde (im Jahr 1998) bekannt gab. Betriebsräte mussten eingreifen, damit Grasshoff unverletzt blieb.

Aus Essen gelenkt

Der bei Arbeitnehmern als arrogant kritisierte Hoesch-Vorstandsvorsitzende Karl-Josef Neukirchen beendete sein Gastspiel in Dortmund bereits 1993 wieder. Aus Essen wurde Hoesch Dortmund regiert.

Die Montan-Mitbestimmung sorgte dafür, dass beim radikalen Arbeitsplatzabbau kein Stahlwerker ins Bergfreie fiel. Bus-Pendelverkehre bringen immer noch Dortmunder zum Arbeiten nach Duisburg. Die Chinesen sicherten sich die voll funktionsfähigen Anlagen, die der Stahlriese in Dortmund demontieren ließ. Auch die neue Kokerei Kaiserstuhl, die nach der Fusion von Krupp und Hoesch noch als „Garant für den Stahlstandort Dortmund“ gefeiert worden war, trat - zerlegt in zigtausende von Einzelteilen - den Weg nach China an.

20.000 Arbeitsplätze in Dortmund abgebaut

Verschwunden sind seit 1991 in Dortmund weit über 20.000 Arbeitsplätze, die direkt und indirekt von Hoesch abhingen. Heute arbeiten rund 1300 Beschäftigte auf der Westfalenhütte. Dort ist das Feld bereits bestellt, damit eine Logistik-Welt auf einer Teilfläche von rund 40 Hektar entstehen kann. Die Wirtschaftsförderer warten aber noch darauf, dass die Logistik-Träume Wahrheit werden.

Nach der Fusion der Thyssen AG mit der Fried. Krupp AG Hoesch-Krupp unterstützte der neue Konzern die Bemühungen der Dortmunder Stadtspitze und Wirtschaftsförderer, die Felder abzustekken, auf denen Ersatzarbeitsplätze geschaffen werden sollten. Dies geschah auch unter dem enormen öffentlichen Druck, der die Stahl-Bosse an die Verantwortung erinnerte, die sie nicht nur für das Wohlergehen der Menschen in Dortmund hatten - und nach dem Kahlschlag in Duisburg- Rheinhausen.

 
 

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