Der Anfang des Tanzes ist das Licht

Foto: WR

In den 70er Jahren wurde eine Raumsonde ins All gesandt, eine goldene Schallplatte an Bord, die anderen Lebensformen zeigen sollte, was es bedeutet, Mensch zu sein. Dieser Griff in eine andere Welt, das Streben nach Freiheit haben Xin Peng Wang zu seinem neuen Werk „The Last Future” inspiriert.

Die Uraufführung ist am 20. Februar. Der Ballettdirektor hat für dieses ungewöhnliche Projekt die Kreativität anderer Künstler einbezogen. Die Videokünstlerin Victoria Coeln aus Wien ist eine von ihnen.

»Eine andere Erzähl- und Emotionsebene«

Adrian Robos steht mit einer Hundemaske vor einem Lichtkegel. Riesenhaft wird sein Schatten auf die weiße Wand projiziert. Einige Meter entfernt windet Monica Fotescu-Uta sich, krümmt den Rücken, wirkt gestraft. Auf der Leinwand vereinen sich die Schatten zu der Geschichte eines bösen, animalischen Riesen, der ein kleines Mädchen quält. Victoria Coeln sieht aufmerksam zu. Die Schattensequenzen werden gefilmt und später von ihr digital bearbeitet und entfremdet. Unabhängig von den Tänzern können so Bewegungen fortgesetzt werden.

So, wie Menschen sich mit ihren Gedanken in vielen parallelen Gefühlsebenen bewegen, soll „das Video eine andere Erzähl- und Emotionsebene bieten” als der Tanz, so Coeln. Ihre Bilder sollen eine Steigerung der Spannung bewirken, das Körperliche abstrahieren - und dem ansonsten sehr schlichten Bühnenbild Leben einhauchen. Projiziert werden sie auf eine Art Rahmen, der sich wie ein Foto-Objektiv schließen und öffnen kann.

Stoff dafür bietet das Stück jedenfalls genügend, wie Ballettmanager Tobias Ehinger berichtet: Erzählt wird eine mögliche Geschichte der Menschheit, mit einem Mädchen, das unter angepassten Jasagern aufwächst, und einem Jungen, der von seinem Vater zur Gewalt erzogen wird. Beide suchen ihren Weg zur Freiheit. Das Ungewöhnliche für das Ballett: Pop-Lieder von der Euphorie des Aufbruchs in den 70ern - Joe Cocker, Santana, The Who - stehen der neunten Sinfonie von Beethoven entgegen.

„Wir besprechen uns schon seit langem konzeptionell”, sagt Victoria Coeln. Auf der Bühne hat sich die Szenerie verändert: Ein wüster Mix aus Farben, Blautönen, Orange, Grün, ist zu sehen. Projiziert von kleinen Glasplatten, die Victoria Coeln bemalt hat. Dieses Zusammentreffen sehr alter, haptischer Kunstfertigkeit mit neuester Technologie schätzt die Wienerin. Ebenso, wie die Arbeit mit Künstlerpersönlichkeiten wie Xin Peng Wang oder dem ebenso mitwirkenden Lichtdesigner Leo Cheung. „Das ist besonders spannend und funktioniert nur, wenn jeder seine ganze Kraft gibt. Dann steigert man sich gegenseitig.”

»Ich glaube, dass es das Potential zum Kultstück hat«

„Das ist ein großes, sehr aufwändiges Projekt”, ergänzt Manager Tobias Ehinger. „Ich glaube, dass es das Potential zum Kultstück hat. Wir bieten einen komplett neuen Zugang zum Theater.”

 
 

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