Demonstranten fordern auch in Dortmund Atomkraft-Ausstieg

Kundgebungen für den Ausstieg aus der Atomenergie am Montag in Dortmund: Greenpeace demonstrierte am Platz von Netanya. Fotos: Knut Vahlensieck
Kundgebungen für den Ausstieg aus der Atomenergie am Montag in Dortmund: Greenpeace demonstrierte am Platz von Netanya. Fotos: Knut Vahlensieck
Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.. Die bedrohliche Lage in den von den Folgen des Erdbebens und der Flutwelle betroffenen japanischen Atomanlagen bewegt viele Dortmunder. Am Montagabend kam es in der Innenstadt zu gleich drei spontanen Kundgebungen gegen Atomkraft.

Mit einer Mahnwache wollte die Umweltorganisation Greenpeace am Abend auf dem Platz von Netanya ihr Mitgefühl mit den Menschen in Japan zum Ausdruck bringen. Zudem forderten die Greenpeace-Aktivisten die sofortige Abschaltung aller deutschen Atomkraftwerke.

Zeitgleich stellten sich die SPD-Jugendorganisationen Jusos und Falken auf der Katharinentreppe zu einer Mahnwache auf, zu der sich auch der Dortmunder SPD-Bundestagsabgeordnete Marco Bülow gesellte. „Wir brauchen sichere und saubere Zukunftstechnologien und keine jahrzehntealte Risikotechnologie“, forderte Bülow die schwarz-gelbe Bundesregierung zum Umdenken auf. „Klare Aussagen“ will Bülow auch von seinen beiden Dortmunder Parlamentskollegen Erich G. Fritz (CDU) und Michael Kauch (FDP) hören. Beide hätten, so Bülow, im letzten Jahr der Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke zugestimmt. Die Grünen luden zu einer Versammlung an der Reinoldikirche.

Unterdessen verschafft sich die Industrie- und Handelskammer einen Überblick über ihre Mitgliedsunternehmen mit Handelskontakten nach Japan. Aktuell gibt es eine Liste von rund 40 Unternehmen aus dem Kammerbezirk mit Beziehungen zu dem fernöstlichen Land. Besonders betroffen ist die japanische Firma Alps Electronic, die ihre Europazentrale im Gewerbegebiet nördlich des Flughafens hat.

Spendenaktion

Der Geschäftsführer der Dortmunder Firmenniederlassung will am heutigen Dienstag in der Auslandsgesellschaft über die Situation der Firmenzentrale berichten, die direkt im nordjapanischen Katastrophengebiet von Seidan liegt. Geplant ist auch eine gemeinsame Spendenaktion mit der Auslandsgesellschaft.

Zur „Atomkraft, nein Danke“-Fraktion gehört in gewissem Sinne auch die DEW. Die unter dem Eindruck der Katastrophe in Japan wieder aufgeflammte Debatte um die Laufzeit der deutschen Atomkraftwerke wird in der Zentrale des Dortmunder Energieversorgers genauestens beobachtet.

Denn eine Rücknahme der verlängerten AKW-Laufzeiten könnte die Pleite bei der DEW-Beteiligung am Gemeinschaftskraftwerk Steinkohle (Gekko) in Hamm (WAZ berichtete) möglicherweise abmildern. Hintergrund: Neben der Bauzeitverzögerung am Gekko-Kraftwerk war die Aussicht auf erste Erträge für die 2008 von der DEW in Richtung Kraftwerksbetreiber RWE Power AG geschobenen 105 Mio Euro auch wegen der längeren Atomlaufzeiten in weite Ferne gerückt.

Student nicht mehr in der Gefahrenzone

Aufatmen bei der Dortmunder Familie Klute. Inzwischen befindet sich Sohn Thomas, der derzeit ein Forschungssemester in Japan absolviert, in Tokio. Zuvor hatte sich der 23-jährige Dortmunder in Sendai aufgehalten, einer Stadt, die nur 100 Kilometer vom Epizentrum des verheerenden Erdbebens entfernt und näher an der Gefahrenzone der beschädigten Atomkraftwerke liegt.

„Nach mehreren Stunden Wartezeit hat Thomas am Montag einen von drei Bussen erwischt, die nach Tokio gefahren sind“, berichtet Vater Rainer Klute erleichtert. Nach Angaben seines Sohnes sei der Transport von einem Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks begleitet worden, insgesamt 100 Menschen habe man so aus Sendai in die Hauptstadt gebracht.

„Natürlich sind wir froh, dass er jetzt etwas weiter von der Gefahrenzone entfernt ist“, so Rainer Klute. Wie es weitergehe, wisse man allerdings noch nicht. „Thomas will in Japan bleiben, aber natürlich müssen wir abwarten, wie sich die Situation weiter entwickelt. Wir stehen in ständigem Kontakt per Handy und E-Mail.“

 

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