"Demokratie nicht für Muslime" — Salafistenprediger in Dortmund

Vor der Eventhalle "Altin Kösk" am Fredenbaumpark stehen mehrere Polizeiwagen. Hier fand am Sonntag ein "Brunnen-Festival" statt, bei dem mindestens ein salafistischer Prediger sprach.
Vor der Eventhalle "Altin Kösk" am Fredenbaumpark stehen mehrere Polizeiwagen. Hier fand am Sonntag ein "Brunnen-Festival" statt, bei dem mindestens ein salafistischer Prediger sprach.
Foto: Tobias Großekemper
Etwa 300 Männer kamen am Sonntag zu einer Veranstaltung in Dortmund-Eving, auf der bekannte Köpfe der Salafisten-Szene sprechen sollten — einer ultrakonservativen Strömung des Islam. Die Sicherheitsvorkehrungen waren hoch, der Inhalt zumindest einer Rede war brisant. Wir haben das Treffen besucht.

Dortmund. Die Veranstaltung hier, sagt der Mann, ist eine humanitäre Veranstaltung. Es gehe um Brunnen für Afrika. Um eine gute Sache. Rund 300 Männer sind gekommen, sie sitzen in einer Veranstaltungshalle am Fredenbaum. Wie viele Frauen und Kinder da sind, ist unklar. Sie sitzen im Nachbarraum.

Die Veranstaltung war mit "vollständiger Geschlechtertrennung" beworben worden, auch diverse hochkarätige Prediger der Salafisten-Szene wie Pierre Vogel und Sven Lau waren auf den Plakaten abgebildet.

Sven Lau und Pierre Vogel nicht zu entdecken

Lau und Vogel sind nicht zu entdecken. Eine Kamera darf man als Medienvertreter in die Veranstaltung nicht hineinnehmen. Mit der Berichterstattung im Vorfeld durch unsere Redaktion sei er nicht einverstanden gewesen, sagt Organisator Raphael Weretycki. Die Halle für Männer ist ein recht schmuckloser Ort, hunderte Stühle stehen vor einer Bühne. Hier sollen gleich Prediger auftreten, es soll Versteigerungen geben, der Brunnenbau in Afrika ist also das Ziel. Der Mann, der das erklärt und seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, aber zum Organisatorenkreis gehört, hofft noch, dass alle, die zugesagt haben, kommen. Also auch Lau und Vogel.

Es geht um Seelen bei diesem Treffen

Warum man so negativ über die Veranstaltung geschrieben habe, möchte er wissen, über Salafismus und Islamisten und Gefahren, es gehe hier um Menschenleben. Wegen dieser Berichterstattung habe man das Sicherheitspersonal erhöhen müssen. Draußen vor der Tür sind Streifenwagen unterwegs.

Er selber habe gesehen, wie Moslems in Afrika nichts zu trinken bekamen, wie sie nicht in Krankenhäusern behandelt würden, eben weil sie Moslems seien. Moslems müssten entweder zahlen oder zum christlichen Glauben übertreten, um behandelt zu werden. Es gehe um die Seelen.

"Wir sind gar nichts", auch keine Salafisten

Der Mann, der das sagt, hatte einmal einen deutschen Vornamen. Doch Gott gebe jedem Menschen Zeichen, auch er habe sich einmal auf dem falschen Weg befunden. Vergangenheit für ihn. Salafist sei er nicht, "wir sind gar nichts, wenn wir so wären, müssten wir froh sein".

Um 13.45 Uhr, vor der ersten Predigt, wird gemeinsam gebetet. Auf der einen Seite, zwischen den Tapeziertischen mit Lebensmitteln, Parfüm und einer Kinderspielmoschee knien die Männer, viele mit vollen Bärten. Junge Männer, deren Bartwuchs nicht so ausgeprägt ist. Einige Deutsche sind unter ihnen. Auf der anderen Seite wirbt ein islamisches Bankinstitut und es gibt islamische Literatur.

Innenminister Friedrich ermittelt gegen die Bewegung

Nach dem Gebet geht Abu Dujana auf die Bühne, er ist ein in Bonn lebender Sohn eines arabischen Predigers. Dujana gilt als einer der Köpfe der Missionsbewegung "Die wahre Religion".

Gegen diese Bewegung, auch verantwortlich für die öffentlichkeitswirksame Koranverteilung in Fußgängerzonen, wurden durch Innenminister Friedrich vereinsrechtliche Ermittlungen eingeleitet.

"Demokratie ist nicht für Muslime"

Dujana spricht dann zunächst von der Pflicht zur Brüderlichkeit, davon, dass alle Muslime Brüder und in ihrer Gesamtheit ein Körper seien. Nach rund 20 Minuten ist die Rede bei einem "sie" und "wir" angekommen. "Sie" das sind die "Kuffar", die Andersgläubigen. "Wir", das sind die, die versuchen, den richtigen, den einzigen Weg zu gehen. Gute Muslime.

"Sie", sagt Dujana, "sind nicht wie wir. Demokratie ist für sie. Demokratie ist nicht für Muslime." Er spricht davon, dass die Muslime sich alles abgucken wollten bei den "Kuffar" und auf deren Lügen von Freiheit und Rechten hörten.

Homosexualität, Inzest und ein Bundestagsabgeordneter, der laut darüber nachdenke, Sex mit Tieren zu haben. "Das ist die Freiheit, die sie euch geben wollen." Draußen stehen Autos aus der gesamten Region.

 
 

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