Dem Flughafen Dortmund droht Klagewelle

Nicht immer ist es so voll: Flugreisende im Terminal des Dortmunder Flughafens warten auf Gepäck- und Papierkontrolle. Bild: Helmuth Voßgraff/WAZ-Fotopool
Nicht immer ist es so voll: Flugreisende im Terminal des Dortmunder Flughafens warten auf Gepäck- und Papierkontrolle. Bild: Helmuth Voßgraff/WAZ-Fotopool
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Dortmund.. Der Dortmunder Flughafen muss sich auf eine Klagewelle einstellen, falls die Bezirksregierung in Münster den Antrag der Airport-Leitung auf Betriebszeitenverlängerung stattgibt. „Wir werden die Hände sicher nicht in den Schoß legen“, kündigte Ursula Wirtz, Vorsitzende der Schutzgemeinschaft gegen Fluglärm, im Gespräch mit der WAZ-Mediengruppe an.

Die Entscheidung über die Verlängerung der Flugzeiten am Airport Dortmund rückt näher. Die Vorsitzende der Schutzgemeinschaft gegen Fluglärm, Ursula Wirtz, reagierte mit ihrer Klage-Ankündigung auf die Veröffentlichung der Antragsunterlagen, die die Bezirksregierung am Dienstag ins Internet gestellt hat. Die Antragsunterlagen zur Verlängerung der Betriebszeiten liegen außerdem ab dem 6. Juni bis einschließlich 5. Juli im Rathaus und in den entsprechenden Bezirksverwaltungsstellen aus. Öffentlich einsehbar sind die Unterlagen außerdem in den vom Dortmunder Flugverkehr ebenfalls betroffenen Nachbarstädten Unna, Kamen, Schwerte, Fröndenberg, Herdecke, Bönen und Holzwickede. Neben der Antragstellung enthalten die Unterlagen auch die Gutachten, mit denen der Flughafen den Bedarf der Betriebszeitenausweitung begründet. Auch der Antrag für die neue Verspätungsregelung liegt bei.

Parallel zur Veröffentlichung der Papiere läuft die Einspruchsfrist für die Bürger. Bis zum 19. Juli, also zwei Wochen nach Ablauf der Auslegungsfrist, kann Jedermann seine Einwände gegen die geplanten Betriebszeiten (siehe Infokasten) schriftlich einreichen - entweder in den Rathäusern der betroffenen Städte und Gemeinden oder direkt bei der Bezirksregierung in Münster. „Davon werden unsere Mitglieder sicher reichlich Gebrauch machen“, so Wirtz. „Es wird Einwände hageln.“ Einspruchsberechtigt sind Bürger nur persönlich, nicht die Schutzgemeinschaft als Organ.

Sollte die Bezirksregierung den Antrag des Flughafens durchwinken, „werden wir auf jeden Fall den Weg durch die gerichtlichen Instanzen gehen“, so Wirtz. Nach Ansicht der SGF-Vorsitzenden müsste die Bezirksregierung für ein Votum pro Flughafen geradezu „in den Spagat gehen“. Für Wirtz und die Fluglärm-Gegner hängt die Entscheidung, ob der Flughafen seine Betriebszeiten verlängern darf oder nicht, nämlich an der Frage, ob es einen besonderen Bedarf dafür gibt. Wirtz: „Ich bin gespannt, wie man diesen Bedarf begründen will.“

In der Antragsstellung des Flughafens, für die sich die Flughafenleitung der Dienste des renommierten Münchner Fachanwalts Volker Gronefeld versichert hat, nimmt die Bedarfsbegründung denn auch eine zentrale Rolle ein. Die Argumentation des Flughafens: Die bisherige Schlusszeit von 22 Uhr hindert die Fluggesellschaften daran, „ein der tatsächlichen Nachfrage entsprechendes Angebot in Dortmund zu entwickeln und aufrecht zu erhalten“.

Ungeachtet dieser Argumente freut sich der Flughafen derweil über steigende Passagierzahlen. Wie berichtet, liegt die Entwicklung des Fluggastaufkommens in den ersten vier Monaten des Jahres um 1,5 Prozent leicht über den Werten des Vorjahreszeitraums. Auch der Mai entwickele sich leicht positiv, hieß es gestern. Allerdings folgt Wickede damit nicht dem allgemeinen Trend. Denn insgesamt geht es im Flugverkehr in diesem Jahr weitaus steiler aufwärts, wie eine WAZ-Recherche ergab. Fürs erste Quartal etwa meldet die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen eine Fluggastzunahme um 4,2 Prozent. Noch stärker ausgeprägt ist die Wachstumsdynamik bei den direkten Konkurrenten in NRW: Der Flughafen Paderborn-Lippstadt legte von Januar bis April um satte 8,2 Prozent zu.

Schwarze Zahlen in Münster

Und Platzhirsch Düsseldorf ist drauf und dran, seinen ohnehin übermächtigen Marktanteil von 55 Prozent in NRW weiter auszubauen. In den ersten vier Monaten hoben vom drittgrößten deutschen Flughafen sage und schreibe 13,2 Prozent mehr Reisende ab als im selben Zeitraum 2010.

Lediglich in Münster/Osnabrück stagnieren die Passaggierzahlen. Der Flughafen mit seinem 24-Stunden-Betrieb kann sich aber in einer anderen Disziplin von Dortmund deutlich absetzen: Der Konkurrent aus dem Kreis Steinfurt schreibt keine roten Zahlen mehr.


 
 

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