„Das kommt alles aus einem Kopf“

Der Dortmunder Kabarettist Fritz Eckenga.
Der Dortmunder Kabarettist Fritz Eckenga.
Foto: Ralf Rottmann
Es ist Eckenga-Zeit. Schon lange, aber in diesem Jahr mit voller Wucht. Erst erhält Eckenga den Literaturpreis Ruhr 2011 für sein satirisch-literarisches Gesamtwerk. Dann bekommt er 2012 noch den Salzburger Stier. Und mit „Alle Zeitfenster auf Kippe“ hat der Wortkünstler Neues für die Bühne, zum Blättern und Lauschen herausgebracht.

Dortmund.. Fritz Eckenga ist etwas müde. Er baut gerade um, zu Hause versinkt alles in Chaos und Staub. Möglich, dass Chaos und Staub irgendwann zu Worten, Gedichten, kurzer Prosa werden. „Ich schreibe nicht aus abgehobenen Gedanken heraus. Meine Texte haben viel mit Alltag zu tun“, sagt Fritz Eckenga, der das allerdings auch nicht als besonders empfindet. „Seinen Kopf trägt man ja schließlich immer mit sich rum.“

Es ist unmöglich, lediglich mit Hilfe des gewöhnlichen Menschenverstandes eine schlüssige Antwort auf die Frage zu bekommen, warum die Glühbirne verboten werden musste, aber Guido Westerwelle Außenminister sein darf.

Diese „Alltagstauglichkeit“ seiner Texte hatte auch die Jury des Literaturpreises Ruhr gelobt. Ein Preis wohlgemerkt, der Eckenga in eine Reihe mit Max von der Grün und Ralf Rothmann stellt. Seine Lyrik, seine Prosa, auch sein Spiel auf der Bühne. „Ich bin nicht so ein Spartenonkel. Das kommt alles aus einem Kopf – ich finde aber, das ist alles Literatur.“

Nur interessant und unterhaltsam sollte sie sein. „Man muss der eigenen Wahrnehmung die Chance geben, sich an der frischen Luft zu entfalten – also einfach mal rumzuspinnen. Das tue ich häufig.“ Und das kann in Eckengas Fall bedeuten, ein „Akrostichon-Sonett“ zugunsten des oft geschmähten Gartenzwerges zu schreiben.

Nachdenklicher Kumpel

Manch Fiffi hat sein Pipi an dir abgeschlagen/Gelassen hast du Uriniertes ignoriert.

Eckenga ist wie seine Texte, seine Texte sind wie er: Eine Mischung aus philosophischem Tiefgang, bitterbösem Witz und Ruhrgebiets-Idiom. Der nachdenkliche Kumpel. Aber Eckenga will keinesfalls als Botschafter des Ruhrpotts etikettiert werden: „Ich red’ halt so. Ich mach’ mir da keine Gedanken drüber.“

Im Gegenteil findet er es schrecklich, wenn sich Menschen auf die Bühne stellen und absichtlich „falsch sprechen“, ob nun grammatikalisch oder den falschen Ton treffend. Für Eckenga gibt es nur einen Weg: Klischees entlarven und ad absurdum führen. Ein Spaziergang mündet da in folgenden Beobachtungen:

Ich sah wie Mensch als Wurst entsteht, als außen Brand und innen Brät. Ich sah am Dortmund Ems-Kanal, wie früher schon beim Abendmahl, die Wandlung – und dann ging ich mal.

Kein Schnitzel in der Brust

Fritz Eckenga ist ein kritischer Beobachter der Gesellschaft. Sei es die unmenschliche Entwicklung im Niedriglohnsektor oder die Katastrophenpanik bei Ehec & Co. „Aber mit der Grundhaltung ‘Es wird nicht besser’ ist es nicht getan“, findet Eckenga. „Man kann versuchen, es erträglicher zu machen.“ Und Lachen hilft bestimmt, wie dieser Beitrag zur Integrationsdebatte beweist:

Huch! Nanu! Du dickes Ei! Ramadan ist grad vorbei. jetzt kommt schon bald der Weihnachtsmann und ich hab’ noch mein Kopftuch an.

Und doch steckt ein Romantiker in Fritz Eckenga. „...wenn man kein Schnitzel in der Brust hat, sondern ein Herz“, wehrt er da lachend ab. Und sagt dann doch, dass er die Menschen hier, im Ruhrgebiet mag, weil sie „freundlich, friedlich, offen“ sind. Oder, wie Fritz Eckenga es ausdrückt: „Die Arschlochdichte ist hier nicht so hoch.“

 
 

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